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Veröffentlichung online am 11.03.2020 um 19:06:21 Uhr

Corona: Die Lage in Alfeld und Umgebung

Von Carina Mädge

Alfeld. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Coronavirus auch in Alfeld ankommt“, sagt Alfelds Bürgermeister Bernd Beushausen (SPD). Das könne schon in wenigen Tagen der Fall sein. Ältere mit Vorerkrankungen seien besonders in Gefahr – vor allem in Alten- und Pflegeheimen. Es gelte, Risikogruppen zu schützen, Einsatzkräfte auszurüsten und Abläufe zu planen.

Das große Risiko für Alten- und Pflegeheime ist Beushausen auch deshalb besonders bewusst, weil er im Nebenamt Präsident des Kreisverbands des Deutschen Roten Kreuzes ist und damit selbst Betreiber von zwei Heimen (Banteln, Gronau), einer Tagespflege (Gronau) und vier Sozialstationen (Alfeld, Gronau, Nordstemmen, Sibbesse).

Er ruft Angehörige von Altenheimbewohnern auf, die Ansteckung so lange wie möglich zu verhindern: „Ich appelliere an die Vernunft der Menschen, die Verwandte oder Freunde im Pflegeheim haben: Bitte besuchen Sie Ihre Angehörigen und Freunde nicht, die Ansteckungsgefahr ist zu groß“, sagte Beushausen ausdrücklich. Sollte sich ein Bewohner anstecken, seien zahlreiche andere in der Risikogruppe in Gefahr – und das Pflegepersonal ebenso.

Falls so ein Fall trotzdem auftrete – das sei wahrscheinlich – müsse schnell gehandelt werden, so Beushausen. „Zunächst müssen alle Kontaktpersonen ermittelt und dann eine Quarantäne eingeleitet werden.“ Ob nur ein Zimmer, eine Station oder gar eine ganze Einrichtung isoliert werden müsse, sei von Fall zu Fall unterschiedlich. Beushausen ist aber sicher: „Es wird zu großflächigen Quarantänemaßnahmen kommen.“ Es sagte weiter: „Es ist davon auszugehen, dass 70 bis 80 Prozent der Bevölkerung das Virus bekommen werden und es nicht wissen, weil sie keine Symptome aufweisen, aber trotzdem ansteckend sind.“ Das Problem sei jedoch nicht dieser Großteil der Bevölkerung, sondern die anderen etwa 20 Prozent. „Menschen über 65 oder mit einer Lungenvorerkrankung sind besonders gefährdet.“ Bei dieser Risikogruppe sei die Sterberate besonders hoch – auch im Vergleich zur Grippe.

Noch sei völlig unklar, ob geplante Großveranstaltungen wie der nahende Alfelder Frühlingsmarkt (18./19. April) abgesagt werden müssten. Er warte ein Gespräch der Bürgermeister im Landkreis mit Kreis-Gesundheitsamtschefin Katharina Hüppe und Erster Kreisrätin Evelin Wißmann am Freitagmittag ab.

Gestern Nachmittag unterzeichnete Beushausen aber schon eine konkrete Dienstanweisung: „Bis auf Weiteres fallen alle Veranstaltungen der Feuerwehren der Stadt und der Ortsteile aus“, sagte er. Dazu gehörten Ausbildungsdienste, alle Veranstaltungen in Feuerwehrhäusern sowie alle der Kinder- und Jugendfeuerwehren. Das sei in Absprache mit dem Stadtkommando beschlossen worden. „Das ist aber keine Panikreaktion“, sagte Beushausen. „Die Einsatzfähigkeit der Feuerwehren hat höchste Priorität.“ Darum solle eine gegenseitige Ansteckung der Einsatzkräfte dringend vermieden werden – auch beim Einsatz selbst. „Feuerwehren dürfen Häuser oder Wohnungen von Infizierten nur mit Schutzkleidung betreten.“ Dafür seien bereits vor Wochen Masken, Einmalkittel und Handschuhe in größerer Menge gekauft worden. Das sei auch eine Lektion aus dem Hochwassereinsatz 2017 gewesen, als Einsatzkräfte Pflegeheime evakuieren mussten, deren Bewohner teilweise ansteckende Krankheiten hatten.


Corona - aktueller Stand
Landkreis Hildesheim
▶ Im Landkreis gibt es bisher drei bestätigte Corona-Fälle. Die Studentin, die sich mit dem Virus angesteckt und anschließend auf dem Ehemaligen-Ball in Hildesheim war, kommt nach AZ-Informationen aus Lamspringe. Sie befindet sich in häuslicher Quarantäne. Zu jenen, die angesteckt wurden, gehört auch Timo Hübers, Fußballprofi von Hannover 96. Er hatte am Sonnabend dieselbe Veranstaltung der Michelsenschule in Hildesheim besucht.

▶ Alle Veranstaltungen der Kreisverwaltung mit mehr als 100 Teilnehmern werden in den kommenden vier Wochen vorsorglich abgesagt. Nutzen Drittveranstalter die Räumlichkeiten der Kreisverwaltung, so obliegt es ihnen, anders zu entscheiden.

Landkreis Holzminden
▶ Im Landkreis Hameln-Pyrmont gibt es den ersten Corona-Fall. Die Person arbeitet im Landkreis Holzminden, deswegen ist auch das dortige Gesundheitsamt eingeschaltet worden. Sie ist in Quarantäne – ebenso wie zwei direkte Kontaktpersonen.
▶ Im Landkreis Holzminden gibt es seit gestern Nachmittag den ersten bestätigten Coronafall.
▶ Der Landkreis Holzminden hat eine Telefon-Hotline für Fragen angelegt: 05531 70 77 00 (montags bis donnerstags, 8 bis 16 Uhr, freitags, 8 bis 12 Uhr).
▶ Erste Veranstaltungen werden abgesagt, darunter das Vocal Hero-Finale, bei dem die Alfelderin Johanna Neumann auftreten soll.

▶ Verschoben wird der Zukunftstag. Er sollte am 26. März erfolgen. Das hat der Kultusminister Grant Hendrik Tonne entschieden. Der Tag soll jetzt in der zweiten Jahreshälfte nachgeholt werden.

Alfeld:
▶ Abgesagt wurde auch die Patientenakademie am Alfelder Krankenhaus. Sie war ursprünglich für den 18. März geplant. Der Themenabend „Moderne Diabetes-Therapie“ wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.


LESEN SIE DAZU AUCH:

Weil eine Studentin Stammzellen spenden wollte, bestand sie im Krankenhaus auf einen Coronatest (11.3.2020)
Die 21-Jährige hat noch bei einer Ehemaligenfete in Hildesheim gefeiert // Sie wollte Strammzellen spenden und bestand auf einen Schnelltest 

Coronavirus: Weitere junge Frau im Kreis Hildesheim infiziert (9.3.2020)
Da waren es drei: Im Landkreis Hildesheim ist eine dritte Person positiv auf die Infektion mit dem Corona-Virus getestet worden. Das teilt der Landkreis Hildesheim mit (Montag 19:45 Uhr). Es handelt sich offenbar um eine ehemalige Schülerin der Hildesheimer Michelsen-Schule, die nun in Göttingen studiert.


Corona: Bekommt Alfeld Diagnosezentrum? (6.3.2020)
Werden Verdachtsfälle auf die Infizierung mit dem Corona-Virus künftig in einem neu einzurichtenden Alfelder Diagnose-Zentrum untersucht? Vielleicht schon ab kommender Woche? Es gibt Zeichen, die dafür sprechen.

Corona trifft schon jetzt das Leinebergland (5.3.2020)
Die Verbreitung des Corona-Virus setzt auch der regionalen Wirtschaft immer mehr zu. Gestern machte die Absage der Hannover Messe die Runde. Außerdem wurde bekannt, dass die Agentur für Arbeit Hildesheim und das Jobcenter Hildesheim alle für März geplanten…

Corona-Angst: Alfeld hamstert
Supermarktregale leeren sich / Bürger decken sich mit Grundnahrungsmitteln und Hygieneartikeln ein / Desinfektionsmittel in Märkten und Apotheken ausverkauft

Veröffentlichung in der Alfelder Zeitung vom 12.03.2020

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Veröffentlichung online am 11.03.2020 um 19:06:21 Uhr

Corona: Die Lage in Alfeld und Umgebung

Von Carina Mädge

Alfeld. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Coronavirus auch in Alfeld ankommt“, sagt Alfelds Bürgermeister Bernd Beushausen (SPD). Das könne schon in wenigen Tagen der Fall sein. Ältere mit Vorerkrankungen seien besonders in Gefahr – vor allem in Alten- und Pflegeheimen. Es gelte, Risikogruppen zu schützen, Einsatzkräfte auszurüsten und Abläufe zu planen.

Das große Risiko für Alten- und Pflegeheime ist Beushausen auch deshalb besonders bewusst, weil er im Nebenamt Präsident des Kreisverbands des Deutschen Roten Kreuzes ist und damit selbst Betreiber von zwei Heimen (Banteln, Gronau), einer Tagespflege (Gronau) und vier Sozialstationen (Alfeld, Gronau, Nordstemmen, Sibbesse).

Er ruft Angehörige von Altenheimbewohnern auf, die Ansteckung so lange wie möglich zu verhindern: „Ich appelliere an die Vernunft der Menschen, die Verwandte oder Freunde im Pflegeheim haben: Bitte besuchen Sie Ihre Angehörigen und Freunde nicht, die Ansteckungsgefahr ist zu groß“, sagte Beushausen ausdrücklich. Sollte sich ein Bewohner anstecken, seien zahlreiche andere in der Risikogruppe in Gefahr – und das Pflegepersonal ebenso.

Falls so ein Fall trotzdem auftrete – das sei wahrscheinlich – müsse schnell gehandelt werden, so Beushausen. „Zunächst müssen alle Kontaktpersonen ermittelt und dann eine Quarantäne eingeleitet werden.“ Ob nur ein Zimmer, eine Station oder gar eine ganze Einrichtung isoliert werden müsse, sei von Fall zu Fall unterschiedlich. Beushausen ist aber sicher: „Es wird zu großflächigen Quarantänemaßnahmen kommen.“ Es sagte weiter: „Es ist davon auszugehen, dass 70 bis 80 Prozent der Bevölkerung das Virus bekommen werden und es nicht wissen, weil sie keine Symptome aufweisen, aber trotzdem ansteckend sind.“ Das Problem sei jedoch nicht dieser Großteil der Bevölkerung, sondern die anderen etwa 20 Prozent. „Menschen über 65 oder mit einer Lungenvorerkrankung sind besonders gefährdet.“ Bei dieser Risikogruppe sei die Sterberate besonders hoch – auch im Vergleich zur Grippe.

Noch sei völlig unklar, ob geplante Großveranstaltungen wie der nahende Alfelder Frühlingsmarkt (18./19. April) abgesagt werden müssten. Er warte ein Gespräch der Bürgermeister im Landkreis mit Kreis-Gesundheitsamtschefin Katharina Hüppe und Erster Kreisrätin Evelin Wißmann am Freitagmittag ab.

Gestern Nachmittag unterzeichnete Beushausen aber schon eine konkrete Dienstanweisung: „Bis auf Weiteres fallen alle Veranstaltungen der Feuerwehren der Stadt und der Ortsteile aus“, sagte er. Dazu gehörten Ausbildungsdienste, alle Veranstaltungen in Feuerwehrhäusern sowie alle der Kinder- und Jugendfeuerwehren. Das sei in Absprache mit dem Stadtkommando beschlossen worden. „Das ist aber keine Panikreaktion“, sagte Beushausen. „Die Einsatzfähigkeit der Feuerwehren hat höchste Priorität.“ Darum solle eine gegenseitige Ansteckung der Einsatzkräfte dringend vermieden werden – auch beim Einsatz selbst. „Feuerwehren dürfen Häuser oder Wohnungen von Infizierten nur mit Schutzkleidung betreten.“ Dafür seien bereits vor Wochen Masken, Einmalkittel und Handschuhe in größerer Menge gekauft worden. Das sei auch eine Lektion aus dem Hochwassereinsatz 2017 gewesen, als Einsatzkräfte Pflegeheime evakuieren mussten, deren Bewohner teilweise ansteckende Krankheiten hatten.


Corona - aktueller Stand
Landkreis Hildesheim
▶ Im Landkreis gibt es bisher drei bestätigte Corona-Fälle. Die Studentin, die sich mit dem Virus angesteckt und anschließend auf dem Ehemaligen-Ball in Hildesheim war, kommt nach AZ-Informationen aus Lamspringe. Sie befindet sich in häuslicher Quarantäne. Zu jenen, die angesteckt wurden, gehört auch Timo Hübers, Fußballprofi von Hannover 96. Er hatte am Sonnabend dieselbe Veranstaltung der Michelsenschule in Hildesheim besucht.

▶ Alle Veranstaltungen der Kreisverwaltung mit mehr als 100 Teilnehmern werden in den kommenden vier Wochen vorsorglich abgesagt. Nutzen Drittveranstalter die Räumlichkeiten der Kreisverwaltung, so obliegt es ihnen, anders zu entscheiden.

Landkreis Holzminden
▶ Im Landkreis Hameln-Pyrmont gibt es den ersten Corona-Fall. Die Person arbeitet im Landkreis Holzminden, deswegen ist auch das dortige Gesundheitsamt eingeschaltet worden. Sie ist in Quarantäne – ebenso wie zwei direkte Kontaktpersonen.
▶ Im Landkreis Holzminden gibt es seit gestern Nachmittag den ersten bestätigten Coronafall.
▶ Der Landkreis Holzminden hat eine Telefon-Hotline für Fragen angelegt: 05531 70 77 00 (montags bis donnerstags, 8 bis 16 Uhr, freitags, 8 bis 12 Uhr).
▶ Erste Veranstaltungen werden abgesagt, darunter das Vocal Hero-Finale, bei dem die Alfelderin Johanna Neumann auftreten soll.

▶ Verschoben wird der Zukunftstag. Er sollte am 26. März erfolgen. Das hat der Kultusminister Grant Hendrik Tonne entschieden. Der Tag soll jetzt in der zweiten Jahreshälfte nachgeholt werden.

Alfeld:
▶ Abgesagt wurde auch die Patientenakademie am Alfelder Krankenhaus. Sie war ursprünglich für den 18. März geplant. Der Themenabend „Moderne Diabetes-Therapie“ wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.


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Da waren es drei: Im Landkreis Hildesheim ist eine dritte Person positiv auf die Infektion mit dem Corona-Virus getestet worden. Das teilt der Landkreis Hildesheim mit (Montag 19:45 Uhr). Es handelt sich offenbar um eine ehemalige Schülerin der Hildesheimer Michelsen-Schule, die nun in Göttingen studiert.


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Werden Verdachtsfälle auf die Infizierung mit dem Corona-Virus künftig in einem neu einzurichtenden Alfelder Diagnose-Zentrum untersucht? Vielleicht schon ab kommender Woche? Es gibt Zeichen, die dafür sprechen.

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Veröffentlichung in der Alfelder Zeitung vom 12.03.2020

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Corona: Die Lage in Alfeld und Umgebung

Von Carina Mädge

Alfeld. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Coronavirus auch in Alfeld ankommt“, sagt Alfelds Bürgermeister Bernd Beushausen (SPD). Das könne schon in wenigen Tagen der Fall sein. Ältere mit Vorerkrankungen seien besonders in Gefahr – vor allem in Alten- und Pflegeheimen. Es gelte, Risikogruppen zu schützen, Einsatzkräfte auszurüsten und Abläufe zu planen.

Das große Risiko für Alten- und Pflegeheime ist Beushausen auch deshalb besonders bewusst, weil er im Nebenamt Präsident des Kreisverbands des Deutschen Roten Kreuzes ist und damit selbst Betreiber von zwei Heimen (Banteln, Gronau), einer Tagespflege (Gronau) und vier Sozialstationen (Alfeld, Gronau, Nordstemmen, Sibbesse).

Er ruft Angehörige von Altenheimbewohnern auf, die Ansteckung so lange wie möglich zu verhindern: „Ich appelliere an die Vernunft der Menschen, die Verwandte oder Freunde im Pflegeheim haben: Bitte besuchen Sie Ihre Angehörigen und Freunde nicht, die Ansteckungsgefahr ist zu groß“, sagte Beushausen ausdrücklich. Sollte sich ein Bewohner anstecken, seien zahlreiche andere in der Risikogruppe in Gefahr – und das Pflegepersonal ebenso.

Falls so ein Fall trotzdem auftrete – das sei wahrscheinlich – müsse schnell gehandelt werden, so Beushausen. „Zunächst müssen alle Kontaktpersonen ermittelt und dann eine Quarantäne eingeleitet werden.“ Ob nur ein Zimmer, eine Station oder gar eine ganze Einrichtung isoliert werden müsse, sei von Fall zu Fall unterschiedlich. Beushausen ist aber sicher: „Es wird zu großflächigen Quarantänemaßnahmen kommen.“ Es sagte weiter: „Es ist davon auszugehen, dass 70 bis 80 Prozent der Bevölkerung das Virus bekommen werden und es nicht wissen, weil sie keine Symptome aufweisen, aber trotzdem ansteckend sind.“ Das Problem sei jedoch nicht dieser Großteil der Bevölkerung, sondern die anderen etwa 20 Prozent. „Menschen über 65 oder mit einer Lungenvorerkrankung sind besonders gefährdet.“ Bei dieser Risikogruppe sei die Sterberate besonders hoch – auch im Vergleich zur Grippe.

Noch sei völlig unklar, ob geplante Großveranstaltungen wie der nahende Alfelder Frühlingsmarkt (18./19. April) abgesagt werden müssten. Er warte ein Gespräch der Bürgermeister im Landkreis mit Kreis-Gesundheitsamtschefin Katharina Hüppe und Erster Kreisrätin Evelin Wißmann am Freitagmittag ab.

Gestern Nachmittag unterzeichnete Beushausen aber schon eine konkrete Dienstanweisung: „Bis auf Weiteres fallen alle Veranstaltungen der Feuerwehren der Stadt und der Ortsteile aus“, sagte er. Dazu gehörten Ausbildungsdienste, alle Veranstaltungen in Feuerwehrhäusern sowie alle der Kinder- und Jugendfeuerwehren. Das sei in Absprache mit dem Stadtkommando beschlossen worden. „Das ist aber keine Panikreaktion“, sagte Beushausen. „Die Einsatzfähigkeit der Feuerwehren hat höchste Priorität.“ Darum solle eine gegenseitige Ansteckung der Einsatzkräfte dringend vermieden werden – auch beim Einsatz selbst. „Feuerwehren dürfen Häuser oder Wohnungen von Infizierten nur mit Schutzkleidung betreten.“ Dafür seien bereits vor Wochen Masken, Einmalkittel und Handschuhe in größerer Menge gekauft worden. Das sei auch eine Lektion aus dem Hochwassereinsatz 2017 gewesen, als Einsatzkräfte Pflegeheime evakuieren mussten, deren Bewohner teilweise ansteckende Krankheiten hatten.


Corona - aktueller Stand
Landkreis Hildesheim
▶ Im Landkreis gibt es bisher drei bestätigte Corona-Fälle. Die Studentin, die sich mit dem Virus angesteckt und anschließend auf dem Ehemaligen-Ball in Hildesheim war, kommt nach AZ-Informationen aus Lamspringe. Sie befindet sich in häuslicher Quarantäne. Zu jenen, die angesteckt wurden, gehört auch Timo Hübers, Fußballprofi von Hannover 96. Er hatte am Sonnabend dieselbe Veranstaltung der Michelsenschule in Hildesheim besucht.

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Alfeld:
▶ Abgesagt wurde auch die Patientenakademie am Alfelder Krankenhaus. Sie war ursprünglich für den 18. März geplant. Der Themenabend „Moderne Diabetes-Therapie“ wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.


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Coronavirus: Weitere junge Frau im Kreis Hildesheim infiziert (9.3.2020)
Da waren es drei: Im Landkreis Hildesheim ist eine dritte Person positiv auf die Infektion mit dem Corona-Virus getestet worden. Das teilt der Landkreis Hildesheim mit (Montag 19:45 Uhr). Es handelt sich offenbar um eine ehemalige Schülerin der Hildesheimer Michelsen-Schule, die nun in Göttingen studiert.


Corona: Bekommt Alfeld Diagnosezentrum? (6.3.2020)
Werden Verdachtsfälle auf die Infizierung mit dem Corona-Virus künftig in einem neu einzurichtenden Alfelder Diagnose-Zentrum untersucht? Vielleicht schon ab kommender Woche? Es gibt Zeichen, die dafür sprechen.

Corona trifft schon jetzt das Leinebergland (5.3.2020)
Die Verbreitung des Corona-Virus setzt auch der regionalen Wirtschaft immer mehr zu. Gestern machte die Absage der Hannover Messe die Runde. Außerdem wurde bekannt, dass die Agentur für Arbeit Hildesheim und das Jobcenter Hildesheim alle für März geplanten…

Corona-Angst: Alfeld hamstert
Supermarktregale leeren sich / Bürger decken sich mit Grundnahrungsmitteln und Hygieneartikeln ein / Desinfektionsmittel in Märkten und Apotheken ausverkauft

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