Gronau - Einkaufsstadt Gronau. Kann nicht sein? Doch. Rund 20 Geschäfte reihen sich im Herzen der Stadt aneinander. Kleidung, Schuhe, Hörgeräte, Uhren, Brillen, Drogerieartikel, Schreibwaren, Bücher, Gebäck, ein Touristik-Büro: All das gibt es hier – sogar einen Bestatter. Das Geschäftsleben rund um den Markt- und den Ratskellerplatz im gemütlichen Gronau an der Leine ist rege. Gerade freitags während des Wochenmarkts und am Wochenende ist in dem Städtchen einiges los. Selbst wenn es schüttet, ist das italienische Eiscafé Da Ros im Schatten der evangelisch-lutherischen St. Matthäi Kirche im Herzen der Stadt aus dem Jahre 1298 voll. Auf der Terrasse und in der Eisdiele ist jeder Platz besetzt.
Da strahlen die Geschäftsleute, die meisten von ihnen sind alteingesessen. „Ich habe sogar Kundschaft aus Sarstedt und Emmerke. Die freuen sich, bei uns gleich vor der Tür kostenlos parken zu können“, trumpft Thorsten Strauch auf. Der Uhrmacher führt sein Geschäft an der Hauptstraße, wo fünf Buslinien Gronau etwa mit Alfeld oder Hildesheim verbinden – und gehört ebenfalls zu den Händlerinnen und Händlern, die nicht nur die Leute aus der Stadt oder weiteren Teilen der Samtgemeinde Leinebergland versorgen. Der 59-Jährige ist mit der Entwicklung der Innenstadt sehr zufrieden. Wichtig sei gewesen, zwischen 2018 und 2022 den Stadtkern mit Markt und Ratskellerplatz zu erneuern. „Die Innenstadt hat durch den Umbau sehr gewonnen.“ Und die Kaufleute ringsum seien sowieso ein Team. „Wir sind eine verschworene Gemeinschaft. Man hilft einander. So funktioniert Gronau“, sagt Strauch. 95 Prozent der Läden seien inhabergeführt.
„Hier kann man gut zu Fuß einkaufen“
Mit der Kundschaft werde ein persönliches Verhältnis gepflegt, es gebe Beratung, gewachsene Beziehungen, im Gegensatz zur Anonymität von Shopping Malls, Konsum-Tempeln in Großstädten oder dem Online-Handel – Vorteile, die auch Gronaus Bürgermeister Ulf Gabriel preist. Es komme aber darauf an, dass die Zukunft der Geschäfte gesichert werde, sagt dieser. „Ich mache weiter. Solange es die Gesundheit erlaubt“, stellt Uhrmacher Strauch klar, dessen Neffe gleich nebenan als Augenoptiker arbeitet.
Bei einem Rundgang fällt die Vielfalt der Läden gleich auf. „Hier kann man gut zu Fuß einkaufen“, meint eine Passantin. Die weiß auch, wo es Brötchen gibt, wenn die Backstube Bütow am Steintor nachmittags zu hat. „Gehen Sie doch zum Wochenmarkt, da haben die einen Stand“, rät die Frau mit Blick auf den Gronauer Verkaufsplatz, auf dem derzeit 13 Händler ihre Ware anbieten. Mittendrin steht der Imbissmann Horst Mattern aus Esbeck bei Elze. „Das hier ist einer der schönsten Wochenmärkte“, schwärmt er. Er komme viel herum, sei etwa in Stadthagen oder Minden unterwegs. Und ja, hier auf dem Marktplatz schlage das Herz von Gronau.
Das stört mitunter
Das zaubert Bürgermeister Gabriel ein Lächeln ins Gesicht. Man könne jedenfalls von der Entwicklung der Innenstadt angetan sein, es gebe kaum Leerstände. Das Fotogeschäft Meier hat dieses Jahr seine Pforten geschlossen und die Pizzeria Pino in der Hauptstraße ist derzeit zu – weil es einem Aushang zufolge an Personal fehlt. Doch dies sind eher Ausnahmen. Was stört, ist zuweilen ziemlich viel Autoverkehr durch den Stadtkern. Radfahrer und Fußgänger müssen sich darauf einstellen. Und: Zwei wichtige Fußgänger- und Radlerbrücken sind abgängig, 2026 soll jedoch die Südwall-Brück erneuert sein.
Von dichtem Grün und der Leine eingerahmt und mit einem beheizten Freibad am Stadtrand macht Gronau aber insgesamt einen überzeugenden Eindruck. Das freut Volker Senftleben, Verwaltungschef der Samtgemeinde Leinebergland, der sich auf dem Markt Blumen besorgt. „Na, machst Du heute Öffentlichkeitsarbeit?“, fragt er Bürgermeister Gabriel, der an diesem Tag der Redaktion seine Heimatstadt zeigt. „Ich bin neben der Matthäi-Kirche aufgewachsen“, sagt der 58-Jährige, der „sein“ Gronau präsentiert.
Ein Blick aufs älteste Haus – und wie es nun genutzt wird
Zum Beispiel das Gebäude Hauptstraße 8 aus dem 18. Jahrhundert, laut Gabriel das älteste in der Stadt. Für 1,1 Millionen Euro wurde es saniert. Die Stadt steuerte ein Drittel bei, den Rest Bund und Land. Aus dem maroden Bau wurde von 2020 bis 2023 ein Haus mit schmucker Fassade, Lift und barrierefreien Räumen, wo unter anderem ein Bürgerzentrum untergebracht ist. Auch diese Investition habe Gronau aufgewertet.
Die Innenstadt besticht ebenfalls durch einige Sehenswürdigkeiten – wie den Tempelhof, der als Herrschaftssitz 1590 gebaut, 1973 der Stadt Gronau übergeben und zwischen 1976 und 1982 restauriert wurde. In dem stattlichen Bau befindet sich heute ein Heimatmuseum mit Bildern des einstigen Heimatfotografen Breiner. Und: „Heiraten kann man hier in einem Trauzimmer“, berichtet Gabriel. Noch eine Sehenswürdigkeit ist der Bock’sche Hof von 1705, zumindest von außen. Der marode Komplex muss saniert werden, es ist ein Projekt der Kreiswohnbaugesellschaft. Dort könnten künftig Wohnungen entstehen, hofft der Bürgermeister. Der weist auf die App „Gronau (Leine) Entdecker“ hin, die Besuchern diverse Routen durch die Stadt mit ihren touristischen Anziehungspunkten beschreibt. So etwa auch das Haus, in dem der Gelehrte Georg Sauerwein, der mehr als 70 Sprachen beherrschte, seine Jugendjahre verbrachte.
Es gibt auch ein Kino
Und was bietet Gronau dem Nachwuchs? Die Jugend profitiert vom Vereinsleben, dem Freibad und hat laut Gabriel vor allem einen wichtigen Treffpunkt in der Stadt – das beliebte Zentrum im früheren Feuerwehrgebäude an der Maschstraße, in dem die Retter von 1905 bis 1968 stationiert waren. Auf dem Parkplatz vor dem Jugendzentrum ist am 23. August ab 20 Uhr ein Open- Air-Kino geplant. Noch ein Pluspunkt für Gronau, das in der Bahnhofstraße ein eigenes Kino hat, meint Gabriel. Ein Lichtspielhaus im Stile der 1950er-Jahre – mit regelmäßig wechselndem Programm.
„Neuerdings gibt es hier auch einen Strick-Kinoabend. Hinzu kommt eine Men’s Night“, berichtet Benjamin Sadikovic, Vorsitzender des etwa 80 Mitglieder starken Vereins für Handel und Gewerbe Gronau (VHG). Neben Alfeld ist Gronau somit die einzige Kleinstadt mit einem Kino im Landkreis, durchaus eine Attraktion, meint auch Sadikovic. Und darüber hinaus: Populäre Spektakel wie das Weinfest (28. bis 31. August) und der Herbstzauber mit verkaufsoffenem Sonntag (12. Oktober) spielen ihm zufolge Gronau in die Karten. Im Übrigen sei die Zusammenarbeit des Handels mit der Verwaltung sehr gut.
Doch selbstgefällig zurücklehnen will man sich in Gronau nicht. Ein bislang einzigartiges Projekt in der Region, mit einem großen Sonnensegel samt Solarmodulen Schatten auf dem Ratskellerplatz zu spenden, ist wegen verstrichener Förderfristen 2023 auf der Strecke geblieben – zum Bedauern Gabriels. Doch gibt es ein weiteres Vorhaben, um die Innenstadt weiter zu beleben: Ein Restaurant soll in einem Fachwerkgebäude auf dem Ratskellerplatz eröffnen. Angepeilt wird dabei 2027.
Gute ärztliche Versorgung und populärer Markt: Überblick über das Gronauer Angebot
Der Wochenmarkt am Freitag ist eine Attraktion für Gronau und nicht nur bei Einheimischen beliebt. Der sei in Kombination mit dem Ratskeller- und dem Marktplatz und der Eisdiele schlicht ein „Sahnestück“, schwärmt Gronaus Bürgermeister Ulf Gabriel.
Parken: „Wir haben jede Menge Parkplätze“, sagt Gabriel. Ein bis zwei Stunden lang kann man mit der Parkscheibe hinter der Windschutzscheibe kostenlos sein Auto abstellen – etwa an der Haupt-straße. Parkplätze, die zeitlich unbegrenzt zur Verfügung stehen, gibt es zudem am Lachszentrum und an den Sportanlagen, von dort aus ist die Innenstadt in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar. Am Wochenende sind Parkplätze am Schulzentrum vorhanden. Wer will, kann Gronau aber auch gut ohne Auto ansteuern. Fünf Buslinien verbinden das Zentrum am Markt unter anderem mit Alfeld, Bodenburg und Hildesheim. Mit dem Rad ist der Bahnhof Banteln zügig erreichbar, wo die Privatbahn Metronom hält.
Wochenmarkt: Der Wochenmarkt wird bei jedem Wind und Wetter freitags aufgebaut. Fällt der Markttag auf einen gesetzlichen Feiertag, wird der Markt an dem vorhergehenden Werktag organisiert. Er beginnt jeweils um 9 Uhr und endet im Sommerhalbjahr (April bis September) um 18 Uhr, im Winterhalbjahr (Oktober bis März) um 17 Uhr. Derzeit sind 13 Marktbeschicker mit Obst und Gemüse, Fleisch- und Wurstwaren, Fisch, Geflügel und Eiern, Käse, Brot und Backwaren, griechischen Spezialitäten, Blumen und Pflanzen und einem Imbiss vertreten.
Geschäfte: Die Vielfalt ist im Vergleich zu anderen Orten im Hildesheimer Land durchaus herausragend – zur Freude des Vereins für Handel und Gewerbe Gronau. Die Kundschaft kann aus dem Vollen schöpfen. Dicht an dicht sind es rund 20 Läden in der Innenstadt. Vor denen gibt es Gratis-Parkplätze. Das Angebot ist breit gefächert: Ob Kleidung, Schuhe, Lebensmittel, Schreibwaren, Drogerieartikel, Uhren, Schmuck oder auch Spirituosen aus Lockstedt – die Palette ist groß. Hinzu kommt einige Gastronomie (Fast Food und Restaurants) und mit dem Eichsfelder Hof ein Hotel mit üppiger Schnitzel-Speisekarte.
Ärztliche Versorgung: Neben dem Johanniter-Krankenhaus mit 111 Betten gibt es eine Reihe von Hausärzten in der Innenstadt und auch am Rande des Zentrums. Das Krankenhaus behandelt nach eigenen Angaben jährlich mehr als 5.500 Patientinnen und Patienten stationär und über 9.000 Menschen ambulant. Als Notarztstandort fahren Einsatzkräfte außerdem rund 1.500 Einsätze im Landkreis. Zudem kümmern sich zwei Apotheken in der Innenstadt (die Rats-Apotheke an der Hauptstraße und die Steintor-Apotheke) um ihre Klientel.





