Vom Leben in Alfeld

A bis Z: Das letzte Mal

Alfeld - Erste Male feiern wir. Letzte Male bemerken wir oft erst, wenn sie längst vorbei sind. Warum Übergänge im Leben häufig leiser sind, als wir denken, meint AZ-Mitarbeiter David Paasche.

Foto: AZ

Alfeld - Neulich beim Spielen hebe ich meine Tochter hoch, drehe mich einmal mit ihr im Kreis und setze sie wieder ab. Sie lacht. Auf den ersten Blick nichts Besonderes. Und trotzdem kommt mir plötzlich der Gedanke: Irgendwann werde ich das zum letzten Mal machen – und wahrscheinlich gar nicht wissen, dass es das letzte Mal ist. Ersten Malen schenken wir besondere Aufmerksamkeit: das erste Wort, der erste Schultag, der erste Arbeitstag, der erste Kuss. Es gibt Fotos, Daten, Geschichten dazu. Letzte Male sind leiser. Irgendwann trägt man sein Kind nicht mehr. Eine Freundesgruppe sitzt zum letzten Mal in genau dieser Besetzung zusammen. Man fährt eine vertraute Strecke, besucht einen Ort oder führt ein Gespräch – ohne dabei zu ahnen, dass es keine Wiederholung geben wird. Darin mag etwas Grundsätzliches liegen: Wir denken unser Leben gern in klaren Anfängen und Enden. In Wirklichkeit verlaufen viele Übergänge viel leiser. Dinge werden seltener, verändern sich – und hören irgendwann schleichend auf. Erst im Rückblick geben wir diesen Momenten Bedeutung. Man muss deshalb nicht jeden Augenblick festhalten. Aber manchmal verändert schon der Gedanke an ein mögliches letztes Mal den Blick auf das, was gerade selbstverständlich erscheint. Mein Kind werde ich also weiter hochheben, solange es geht. Nicht aus Angst vor dem letzten Mal – sondern weil es das Jetzt ein kleines bisschen wertvoller macht.

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