Alfeld - Wir lesen ständig. Kurznachrichten auf dem Handy, E-Mails fast im Minutentakt im Büro, Speisekarten im Restaurant oder Überschriften in sozialen Netzwerken. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass unzählige Wörter an unseren Augen vorbeiziehen. Vermutlich lesen wir heute sogar mehr als je zuvor – allerdings anders. Zwischen Chats, Push-Nachrichten und kurzen Beiträgen springen wir von einem Text zum nächsten. Vieles wird überflogen, manches nur wenige Zeilen gelesen. Das ist grundsätzlich weder gut noch schlecht – schließlich gehören digitale Medien längst selbstverständlich zu unserem Alltag. Und doch scheint dabei etwas seltener zu werden: die Bereitschaft, sich über längere Zeit auf einen einzigen Text einzulassen. Vielleicht liegt genau darin die besondere Stärke eines Buches. Es verlangt keine schnelle Reaktion und keinen Klick auf den nächsten Beitrag. Es lädt dazu ein, Gedanken zu folgen, Figuren kennenzulernen und sich Zeit zu nehmen. Nicht, weil jede Seite spektakulär ist, sondern weil sich Geschichten ohne Eile entfalten dürfen. Seite für Seite. Gedanke für Gedanke. Gerade in einer Welt, in der unsere Aufmerksamkeit ständig umworben wird, wirkt das fast ungewohnt. Wer liest, entscheidet sich bewusst dafür, für eine Weile bei einer Sache zu bleiben. Das ist kein Rückzug aus der Gegenwart, sondern oft genau das Gegenteil: eine Gelegenheit, den eigenen Gedanken wieder etwas mehr Raum zu geben. Ob auf einer Parkbank, im Garten oder mit Blick auf die Fachwerkhäuser Alfelds – oft reichen schon zwanzig ungestörte Minuten mit einem guten Buch, um den Alltag für einen Augenblick auszublenden. Lesen ist deshalb kein altmodisches Hobby. Es ist eine Fähigkeit, die in einer schnellen Zeit ihren ganz eigenen Wert behalten hat. Nicht, weil wir heute zu wenig lesen, sondern weil es guttut, sich hin und wieder ganz auf eine Geschichte, einen Gedanken oder einfach auf einen Moment der Ruhe einzulassen.
Vom Leben in Alfeld
A bis Z: Die verlorene Kunst, sich zu vertiefen
Alfeld - Wir lesen vermutlich mehr als je zuvor. Nachrichten, E-Mails und Schlagzeilen begleiten uns durch den Tag. Und trotzdem bleibt oft wenig Zeit für jene Art des Lesens, bei der wir uns wirklich auf einen Text einlassen. Darüber macht sich AZ-Mitarbeiter David Paasche Gedanken.
