Vom Leben in Alfeld

A bis Z: Kniefall im Schnee

Alfeld - Verschneite Dörfer ähnneln sich manchmal, findet AZ-Redakteur Ulrich Meinhard. Manchmal über Jahrhunderte hinweg.

In ihrer Kolumne „Von A bis Z“ blickt die Redaktion der AZ auf die Anekdoten aus ihrem Alltag in Alfeld und dem Leinebergland. Foto: AZ

Alfeld - Wenn ich mich in diesen Wintertagen mit dem Zug morgens Alfeld nähere, präsentiert sich mir Wispenstein linker Hand, verschneit, wie natürlich auch die restliche Landschaft. Doch gerade dieser Ort mit seinen alten Häusern, zum Teil in Fachwerkbauweise, erinnert mich an ein Gemälde von Pieter Bruegel dem Älteren.

Dargestellt ist ein verschneites flämisches Dorf, es herrscht Schneetreiben. Trotzdem ist reichlich Betrieb, Menschen über Menschen, darunter viele Soldaten, geschäftig bei irgendetwas. Am linken Bildrand hat der Maler die Anbetung der drei Könige aus dem Morgenland dargestellt.

Wichtige Szene wie in die Ecke gedrängt

Die Szene ist so sehr in die Ecke gequetscht, dass sie kaum wahrgenommen wird, weder von den Menschen auf dem Bild noch vom Betrachter des Gemäldes. Die Anbetung, sonst stets in den Mittelpunkt gerückt, ist hier eine Randerscheinung. Die meisten haben anderes, Wichtigeres zu tun.

Was der Maler sagen will, liegt auf der Hand – meine ich jedenfalls. Was wirklich wichtig ist, scheint mir jeden Tag eine ernst gemeinte Nachfrage wert. Es muss ja nicht gleich ein Kniefall im Schnee sein.

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