Alfeld - Seit ich vor einigen Monaten von Franken nach Niedersachsen gezogen bin, denke ich zweimal nach, was ich sage oder schreibe. Denn hier, zwischen Hannover und Göttingen, fallen mein Wortschatz und meine Aussprache durchaus auf. Schließlich, so heißt es häufig halbwahr, spreche man hier das reinste Hochdeutsch überhaupt.
Dass mein hart gerolltes „R“ mich als Auswärtigen enttarnt (und ich manchmal dazu aufgefordert werde, Sätze der phonetischen Kuriosität wegen dreimal zu sagen), ist da noch das geringste Problem. Ob er der „Mesner“ der örtlichen Kirche sei, fragte ich neulich etwa einen Gesprächspartner am Telefon. Einige Sekunden Stille am anderen Ende der Leitung. Dann erschloss sich der Mann selbst, dass ich den „Küster“ gemeint hatte.
Ähnlich erging es mir mit einem Mitarbeiter der Kreisbehörde, die in Franken jeder „Landratsamt“ nennt. Viel tückischer aber sind die Fauxpas, die einem das Muskelgedächtnis als Schreiberling mitunter unterjubelt: Wie oft habe ich mich bereits dabei ertappt, beim schnellen Tippen aus der CDU versehentlich eine CSU zu machen?
Sie mögen mir das verzeihen, liebe niedersächsische Konservative. Warum nur stelle ich mir gerade Markus Söder vor Braunkohl und Bregenwurst vor?
