Alfeld - Das Aus fürs Alfelder Krankenhaus als Vollversorger hat offenbar auch Folgen für den Winterdienst auf dem Areal – und für Patienten, die zum Beispiel zur Dialyse wollen. Denn die Stadt Alfeld räumt nicht mehr im bislang üblichen Umfang.
Thomas Birkner aus Hohenbüchen ist Patient in der Dialysestation im Alfelder Ameos-Klinikum. Er schildert gegenüber der Redaktion zwei Situationen im Januar, die ihn als Patienten „extrem belastet“ haben. An beiden Tagen sei die Zufahrt zum Klinikum witterungsbedingt nicht verkehrssicher möglich gewesen.
Mehrere Personen kommen zu spät zu ihren Terminen
Birkner spricht von mehreren Personen, die die Einrichtungen am 26. Januar aufgrund der fehlenden Räumung rund um das Areal nicht zeitnah oder gar nicht erreichen konnten. „Jemand hatte um 7.30 Uhr einen Termin, kam aber aufgrund der fehlenden Schneeräumung erst um 9 Uhr an“, sagt der 60-Jährige im Gespräch.
Das veranlasst Birkner, ein umfangreiches Schreiben an die Alfelder Stadtverwaltung auf den Weg zu bringen (das Schreiben liegt der Redaktion vor). Darin fordert er „gemäß den geltenden gesetzlichen Auskunftspflichten“ dazu auf, ihm Informationen zur Winterdienstorganisation der Stadt vollständig, schriftlich und rechtsverbindlich zur Verfügung zu stellen. Für die schriftliche Beantwortung seiner Anfrage setzt Birkner der Verwaltung eine Frist bis zum 9. Februar.
Anstieg zu Fuß bringt einen Patienten an seine Grenzen
„Ich muss drei Mal wöchentlich vormittags zur Dialyse, das Zeitfenster ist eng getaktet. Wenn ich zu spät komme, dann wird mir das von meiner Zeit abgezogen“, erklärt Birkner seine persönliche Situation. Der 60-Jährige ist seit zehn Jahren Dialysepatient, sein Körper reagiere auf jede Anstrengung außergewöhnlich heftig, vor allem vor und nach der Behandlung. „Da ich nicht mit dem Auto auf das Areal fahren konnte, musste ich am 26. Januar den Anstieg zur Praxis zu Fuß bewältigen. Als ich oben war, hatte ich hohen Blutdruck.“
Der Alfelder Bürgermeister Bernd Beushausen (SPD) bedauert die geschilderten Auswirkungen für die Patienten, klärt aber gegenüber der Redaktion darüber auf, dass nicht die Stadt Alfeld für den Ameos-Winterdienst verantwortlich ist. „Alfeld hat kein Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung mehr. Für den Winterdienst müssen jetzt diejenigen sorgen, die im Ameos-Gebäude ansässig sind, beispielsweise Ameos, die Facharztpraxen und die Dialysestation“, betont Beushausen.
Der Räum- und Winterdienst der Stadt endet vor dem Areal
Der Räum- und Winterdienst des Baubetriebshofes endet laut Bürgermeister vor den Toren des privaten Geländes, beispielsweise am Kreisel vor der Zufahrt von der Landrat-Beushausen-Straße und vor dem Parkplatz an der Albert-Schweitzer-Straße. „Als das Alfelder Krankenhaus noch in Betrieb war, gab es eine Absprache. Für die Notfallversorgung hat die Kommune die Zufahrten und Teile des Geländes mit geräumt“, verdeutlicht der Bürgermeister und betont: „Aber, dafür gab es für uns auch damals keine gesetzliche Verpflichtung.“
Mit Blick auf das Schreiben von Birkner erklärt Beushausen, es gebe in Niedersachsen kein Infogesetz, das der Kommune eine Auskunftsverpflichtung vorschreibe. „Ein Anspruch auf Auskunft besteht, wenn es ein berechtigtes Interesse gibt oder die Grundrechte beeinträchtigt sind“, verdeutlicht der Alfelder Bürgermeister. Zudem würden keine Akten versandt, sondern im Rathaus ein Einblick in die Akten gewährt. Außerdem sei die Herausgabe von personenbezogenen Daten absolut tabu.
Ameos-Vertreter weichen den Fragen der Redaktion aus
Die Vertreter des Ameos-Klinikums weichen den von der Redaktion gestellten Fragen zum Thema Winterdienst am 26. Januar auf dem Gelände aus. „Um die Erreichbarkeit des Ameos-Klinikums-Alfeld für Patientinnen und Patienten jederzeit sicherzustellen, kooperieren wir mit einem externen Winterdienst, der die regelmäßige Räumung und Streuung unserer Zufahrten, Parkplätze und Gehwege gewährleistet“, lautet die Antwort von Unternehmenssprecher Sven Schulz. Die Redaktion hatte Fragen zum Winterdienst speziell am 26. Januar, zur Situation auf der Zufahrt und zu den Folgen für Patienten gestellt. Auch Fragen zur Aufteilung der Räum-Pflichten und zur Bezahlung des Dienstes wurden nicht beantwortet.

