Kreis Hildesheim - Der Rettungsdienst erfüllt im Landkreis Hildesheim derzeit nicht die gesetzliche Vorgabe, dass er in 95 Prozent aller Notfälle innerhalb von 15 Minuten am Einsatzort sein muss. Das wird kreisweit nur in 92,6 Prozent der Fälle erreicht – wobei es Unterschiede zwischen dem Hildesheimer Stadtgebiet und dem ländlichen Umland gibt: In der Stadt liegt die Quote bei 95,4 Prozent, auf dem Land nur bei 89,9 Prozent. Das geht aus dem neuen Rettungsdienstbedarfsplan für Stadt und Kreis Hildesheim hervor.
Kapazität wird um 3,3 Prozent erhöht
Ein Gutachter hat dafür die Einsatzdaten der Leitstelle für den Zeitraum vom 30. April 2023 bis 29. April 2024 ausgewertet. Er schlägt vor, die Stunden, in denen Einsatzfahrzeuge samt Personal vorgehalten werden, von insgesamt 4066 auf 4201 Stunden pro Woche zu erhöhen – das ist eine Steigerung von 3,3 Prozent. Der neue Plan ersetzt den gültigen aus dem Jahr 2021 zwar erst zum 1. Januar 2026. Für diesen Zeitpunkt wird der Rettungsdienst neu ausgeschrieben. Die Kapazität soll aber möglichst schon vorher ausgeweitet werden – „soweit dies die aktuelle Beauftragung zulässt“, wie es im Bedarfsplan heißt.
Rettungswagen bleibt nicht in Holle stationiert
Seit 2018 wird der Rettungsdienst in der Region von folgenden Trägern geleistet: in der Stadt Hildesheim von den Johannitern und dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), in Bockenem, Gronau und Sehlem ebenfalls vom ASB, in Alfeld vom DRK sowie in Sarstedt und Schellerten von Unternehmen Falck. Die Berufsfeuerwehr deckt Spitzen ab. Für die Standorte der Wachen empfiehlt der Gutachter keine Veränderung – die jeweiligen Einsatzbereiche werden allerdings neu justiert.
Was die Zeiten betrifft, hat es bereits eine Anpassung gegeben, nachdem zum 1. Mai die Notaufnahme im Alfelder Krankenhaus geschlossen wurde: In der Rettungswache in Gronau wurden die Fahrzeug-Einsatzstunden um 58 pro Woche erhöht, in der Alfelder Wache um 20.
Nicht bewährt hat sich nach der aktuellen Auswertung der Test, in Holle einen Rettungswagen zu stationieren – als Außenstelle der Rettungswache Bockenem. Der Gutachter kommt zu dem Schluss, dass der Wagen in Holle das Einhalten der Hilfsfrist im Zuständigkeitsbereich der Bockenemer Wache „nicht signifikant“ verbessert hat. Das Fahrzeug wird dort also wieder abgezogen, stattdessen wird die Stundenkapazität in Bockenem erhöht.
Wagen sind fast immer schnell genug in der Klinik
Gut steht der Landkreis Hildesheim bei einem anderen Kennwert des Rettungsdienstes da: Der Transport eines Patienten oder einer Patientin in ein Krankenhaus soll in 80 Prozent aller Notfälle nicht länger als 30 Minuten dauern. Die werden in Stadt und Kreis Hildesheim in 97,8 Prozent aller Fälle nicht überschritten – eine Klinik wird also fast immer innerhalb einer halben Stunde erreicht. Dabei ist allerdings zu beachten, dass der Auswertungszeitraum mit der Schließung der Notaufnahme des Alfelder Krankenhauses endet. Über die Auswirkungen dieser Schließung sagen die Daten des Bedarfsplans also nichts aus.
Im Raum Alfeld gehört auch der Flecken Delligsen im Nachbarlandkreis Holzminden fest zum Versorgungsgebiet des Hildesheimer Rettungsdienstes. Das erstreckt sich insgesamt auf 1.245 Quadratkilometer.
Neu eingeführt wurde im Rettungsdienst der Region Hildesheim der sogenannte Notfallkrankenwagen. Er ist für Fälle gedacht, in denen der oder die Kranke oder Verletzte zwar akut behandelt werden muss, aber nicht in Lebensgefahr schwebt.
