Alfeld - Kein anderes Instrument ist so groß wie die Orgel. Wohl nicht zufällig leitet sich der Name Orgel vom griechischen Wort „organon“ ab, was Instrument bedeutet. Eine Orgel kann ganz unterschiedlich klingen, je nachdem, welches der Register der Organist zieht: „Mal schwebt ein leiser Flötenton durch die Luft, mal schmettert scheinbar eine Trompete, mal ist der ganze Raum voller Töne, als ob ein ganzes Orchester spielt“, so beschreibt Alfelds Kantor Tobias Langwisch die Möglichkeiten der Orgel. In den Genuss dieser Klangviefalt kann jeder kommen, der die Angebote des am 5. Oktober beginnenden Alfelder Orgelherbstes wahrnimmt. Langwisch, der auch Kirchenkreiskantor ist, hat drei ganz unterschiedliche Konzerte organisiert, die in der Alfelder Stadtkirche St. Nicolai erklingen.
Nun ist zu vermuten, dass Orgelmusik nicht jedermanns Sache ist. Warum könnte sich ein Besuch auch für Menschen lohnen, die dieser Musikrichtung bisher nicht so viel abgewinnen konnten? Eine Frage, auf die Langwisch sofort viele Antworten findet: „Orgel ist nicht alt und verstaubt“, betont er. „Orgel findet auch in Filmmusiken Verwendung – wie in Harry Potter und im Herr der Ringe. Kein anderes mechanisches Instrument kann eine solche Vielfalt an Tönen erzeugen: von piano bis forte. Von ganz zart bis kraftvoll.“ Er fügt hinzu: „Man muss sich dem natürlich öffnen – und einfach mal zuhören.“ Und allen, die eine Art Schwellenangst bei Kirchen haben, sagt Langwisch: „Es ist ja gerade die Stimmung, die Orgelmusik in Kirchenräumen entwickelt, die etwas wirklich Besonderes ist.“
Ruf der Berge
Los geht es am Sonntag, 5. Oktober. „Ruf der Berge“ lautet der Titel des Konzerts für Horn, Alphorn und Orgel. Es erklingen fünf Werke von Giovanni Martino Caesare, Hugo Alvén und Helmut Michael Brand. „La Hieronyma“ von Caesare entstammt einer Sammlung von Vokal- und Instrumentalwerken um 1621. Nach Schweden führt der Weg des Spätromantikers Hugo Alvén in einem „Notturno Elegiaco“, entstanden 1897. Zudem soll ein Werk des Tuttlinger Komponisten Helmut Michael Brand erklingen: eine musikalische Auseinandersetzung über den Psalm 126. Im Mittelpunkt steht das 3,20 Meter lange Alphorn. Auf ihm bläst Thomas Crome aus Karlsruhe traditionelle Schweizer Alphornrufe, bevor zusammen mit der Organsitin Renate Meyhöfer-Bratschke aus Lilienthal Leopold Mozarts „Sinfonia Pastorella“ erklingt.
Unter dem Titel „Transkriptionen und Improvisationen“ will der niederländische Organist Sietze de Vries am Sonntag, 12. Oktober, ein Programm präsentieren, das unter anderem frei entwickelte Improvisationen umfasst. Genau damit hat sich de Vries international einen Namen gemacht. Auf das Publikum warten vertraute Meisterwerke in neuem Gewand ebenso wie einmalige Klangschöpfungen, die nur in diesem Moment entstehen und nie wieder so erklingen werden. Mit sicherem Gespür für Stil und Klang schlägt der Holländer Brücken von der Musik Bachs über die Klangwelten der Romantik bis hin zu modernen Ausdrucksformen. Insbesondere er nutzt die reiche Palette, die eine Orgel bietet.
Trompete und Orgel
Das dritte Konzert umschreibt Langwisch als „festlichen Höhepunkt des Alfelder Orgelherbstes“. Am Sonntag, 19. Oktober, gehen das Instrument der Könige, nämlich die Trompete, und die Königin der Instrumente, die Orgel, eine musikalisch-verspielte Liaison ein. „Sound the Trumpet“ ist das Konzert überschrieben. Hauke Rüter aus Hamburg mit seiner Trompete und Langwisch an der Orgel wollen die Bandbreite dieser Kombination hörbar machen. Das Programm besteht aus Werken für Trompete und Orgel sowie Orgelsolowerken von Komponisten aus verschiedenen Jahrhunderten. „Die Zuhörerrinnen und Zuhörer dürfen sich auf ein Programm freuen, das den Kirchenraum und das Publikum gleichermaßen erfüllt. Orgel und Trompete verschmelzen dabei zu einem Dialog voller Kraft, Eleganz und klanglicher Vielfalt“, macht Langwisch neugierig.
Jedes Konzert beginnt jeweils um 17 Uhr. Der Besuch ist kostenfrei.
Info: Die Orgel in der Alfelder St.-Nicolai-Kirche ist im Jahr 1863 gebaut worden – als Neubau durch den Orgelbauer Heinrich Schaper. Vor zehn Jahren erfolgte eine Sanierung. Das Instrument ist in den Zustand von vor 150 Jahren zurückversetzt worden – plus zusätzlicher Spielmöglichkeiten. Der Orgelklang ist quasi wie eine Übergangsphase zwischen spätbarock und frühromantisch. Aber auch moderne Notenliteratur lässt sich gut spielen. Die Orgel besticht durch eine große Bandbreite an Klangfarben.
