Alfeld - Warm war es an dem Tag vor drei Wochen. 13 Uhr, Mittagssonne, Sportunterricht. Elftklässler strömten aus der Turnhalle des Alfelder Gymnasiums, darunter auch Tabitha Gerndt. Dann hörte sie allerdings etwas – ein Miauen. Auf den grauen Stufen lagen zwei kleine graue Katzen. Ihre Klassenkameraden hatten sie wohl übersehen, die beiden Katzenwelpen bewegten sich kaum. Und obwohl die 17-Jährige sich besser mit Hunden auskennt – schließlich hat sie gleich drei zuhause – erkannte sie, dass die Katzen deutlich zu jung waren, um allein herumzuliegen. Also nahm sie die kleinen Tiere vorsorglich auf den Arm, als plötzlich noch ein drittes, orangenes Kätzchen aus dem Gebüsch hervortapste. Gerndt, die nun keine freie Hand mehr hatte, lief zu ihren Freundinnen. Katzenmenschen – die wüssten schon, was zu tun sei.
Kurze Zeit später saßen sie zu viert mit drei Kätzchen vor der Turnhalle. Sie hatten die Polizei gerufen, welche wiederum den Alfelder Tierschutzverein informiert hatte. Den Tieren war der Karton aus dem Sekretariat derweil nicht geheuer, stattdessen krallten sie sich bis zur Ankunft der Helfer an ihren Finderinnen fest. „Die waren total verängstigt“, berichtet Gerndt. „Ganz anders als heute.“
Wiedersehen in der Pflegestelle
Heute, drei Wochen später, toben die Kätzchen durch den Keller von Annette Melzner. „Sieben bis acht Wochen sind sie alt“, schätzt die Tierschützerin. „Genau wissen wir es nicht.“ Die Katzenwelpen sind ohne Katzenmutter – den Part übernimmt nun die Alfelderin. Sie zieht seit einem Jahr regelmäßig Pflegekatzen groß, „Tierfundstellen sind für die Kleinen noch nicht geeignet“, erklärt sie. Eine turbulente Aufgabe, länger als vier Stunden kann sie die Welpen nicht alleinlassen. Vor dem Katzenzimmer im Keller werden sich die Hände desinfiziert und Pantoffeln angezogen, da das Immunsystem der Jungtiere noch zu schwach ist. Vier bis fünf Mal täglich werden sie mit kleinen Mengen gefüttert, Namen haben sie noch nicht. „Dann könnte ich sie nicht wieder abgeben“, sagt Melzner und lacht. Zwei Katzen aus dem Tierschutz hat sie schon.
„Die Mädchen haben alles richtig gemacht“, erklärt derweil Ann-Kathrin Gereke vom Tierschutzverein. Ihre Vermutung: Jemand hat die Jungtiere strategisch dort ausgesetzt, an einer Schule, damit sie gefunden werden. „Für Freigängerkatzen herrscht eine Chip- und Kastrationspflicht“, mahnt sie. „Wer keine Nachkommen will, sollte seine Katze kastrieren.“ Sie einfach auszusetzen ist hingegen eine Straftat – die viel zu häufig vorkommt. „Im vergangenen Jahr haben wir über 80 Katzen vermittelt, darunter etliche Jungtiere.“
Neues Zuhause in Aussicht
In wenigen Wochen werden auch die drei Katzen von der Turnhalle weitervermittelt. Es steht auch schon jemand für das rote Kätzchen bereit – die 17-jährige Nele Thiesemann, eine der Finderinnen. „Ich war schockverliebt.“

