Alfeld - In der Politik ist die Debatte über den Alfelder Haushalt in vollem Gange. Im Dezember soll über das Papier abgestimmt werden, und das sieht aktuell noch einen Fehlbetrag von 7,2 Millionen Euro vor. Die Stadt hat kaum Möglichkeiten, ihre Einnahmen zu erhöhen. Es bleibt, einen kritischen Blick auf alle Ausgaben zu werfen und zu prüfen, wo der Rotstift angesetzt werden kann. Der größte Ausgabenposten ist das Personal. Die Kosten schlagen im kommenden Jahr voraussichtlich mit 19,3 Millionen Euro zu Buche – 900.000 Euro mehr als im Vorjahr. Christine Evers vom Personalamt der Stadt skizziert die Personalsituation im Rathaus und erklärt, warum und wo die ziemlich angespannt ist.
348 Mitarbeiter
348 Menschen arbeiten insgesamt in der Verwaltung: 23 Beamte, 187 Beschäftigte, 127 Kita-Mitarbeitende und 11 Nachwuchskräfte. 32 Prozent der Personalkosten fließen demnach allein in den Kita-Bereich, der zweithöchste Ausgabeposten ist die allgemeine Verwaltung, auf die 20 Prozent der Personalkosten entfallen. Teilt man die Personalkosten auf Pflichtaufgaben, freiwillige Aufgaben und vertragliche Verpflichtungen, ergibt sich folgendes Bild: 61 Prozent (159 Stellen) entfallen auf die Pflichtaufgaben, gerade mal 6 Prozent (17 Stellen) auf freiwillige Leistungen und 33 Prozent auf vertragliche Verpflichtungen.
Personalnot treibt die Verwaltung insbesondere bei der Kinderbetreuung um. Eigentlich war eine Beruhigung der Lage in Sicht, zwei neue Kräfte waren zum aktuellen Kindergartenjahr neu eingestellt worden. „Eine Person hat ihre Stelle erst gar nicht angetreten, die andere nach einer Woche festgestellt, dass das nicht das Richtige für sie ist“, beschreibt Evers die Lage. Und noch etwas verschärft die Situation: der hohe Krankenstand. Die durchschnittlichen Krankheitstage pro Jahr würden bei den Mitarbeitenden in den Kitas bei 27,5 pro Person liegen. Zum Vergleich: In der übrigen Verwaltung weist die Statistik für Frauen und Männer mit überwiegend sitzender Tätigkeit 20 Krankheitstage pro Person aus, bei solchen mit überwiegend körperlichen Tätigkeiten 21 Tage. Damit fehlten dauerhaft rund neun Prozent des Personals aufgrund von Erkrankungen. Und bei den Kita-Kollegen und -Kolleginnen seien es längst nicht nur Infekte und Kinderkrankheiten, die die Beschäftigten außer Kraft setzen würden. „Es ist die Belastung“, so Evers. Sie hofft, dass sich das verbessert, wenn ab 2027 die dritte Kraft verpflichtend in den Gruppen eingesetzt wird.
Viele Krankheitstage
Mit Blick auf die hohe Anzahl der Krankheitstage ihrer Kollegen und Kolleginnen stellte Evers klar, dass Alfeld damit nicht allein dastünde. Das sei ein normales Bild in Verwaltungen. „Wenn wir das mal hochrechnen und feststellen, wie viele Menschen damit bei der täglichen Arbeit fehlen und was das mit der Belastungssituation der verbleibenden Mitarbeiter macht, ist es kein Wunder, dass die öffentliche Hand für junge Nachwuchskräfte kein attraktiver Arbeitgeber ist“, so Bürgermeister Bernd Beushausen (SPD). Und zu den Fehlzeiten durch Krankheiten kommen noch Urlaubstage und Überstunden. Aktuell schieben die städtischen Mitarbeiter allein mehr als 8400 Überstunden vor sich her.
Er frage sich, wie noch kleinere Kommunen wie beispielsweise Freden, Sibbesse oder Lamspringe es auf Sicht schaffen würden, gutes Personal zu bekommen.
In Alfeld drückt der Schuh am meisten in den Kitas, Personalprobleme gibt es aber zudem bei der Überwachung des ruhenden Verkehrs und im Bürgeramt. An beiden Stellen sollte aus Sicht der Verwaltung um eine halbe Stelle aufgestockt werden. „Alternativ gibt es keine Kontrollen mehr“, so Beushausen. Im Bürgeramt sei die Aufstockung nötig, um die Öffnungszeiten sicherstellen zu können, so Evers.
