Badevergnügen im Sommer

Badeshorts-Verbot und Badekappen-Pflicht in Frankreich – das sagen die Betreiber der Freibäder in der Region dazu

Alfeld/Landkreis - Ohne Badekappe ins kühle Nass springen, das ist in Deutschland seit den 1980er Jahren erlaubt. Welche Vorgaben für Badegäste gelten, das legen die Freibäder in ihren eigenen Badeordnungen fest und die können variieren.

Der direkte Vergleich im Delligser Freibad von Max Oppermann (links) und Till Feichtinger: Sowohl die enganliegende Badehose (Speedo-Hose) als auch der Badeshorts sind in deutschen Bädern erlaubt. In Frankreich dürfen Männer nur mit dem linken Modell im Schwimmbad ins Wasser. Foto: Stephanie Marschall

Alfeld/Landkreis - Wer einen Urlaub in Frankreich plant, der sollte unbedingt eine Badekappe in den Koffer packen. Denn: Im Nachbarland gilt in öffentlichen Badeanstalten eine Badekappenpflicht. Außerdem ist das Tragen einer Badeshorts per Gesetz verboten. Gibt es solche Baderegeln auch im Landkreis Hildesheim? Die Redaktion hat in verschiedenen Freibädern der Region nachgefragt.

Männer dürfen in Frankreich in Schwimmbädern nur mit enganliegenden Badehosen, sogenannten Speedo-Hosen, ins Wasser. So ist es per Gesetz geregelt. Auch das Tragen einer Badekappe ist vorgeschrieben, und das für Badbesucher aller Altersklassen. Sogar für Babys, die nur einen zarten Haarflaum haben.

Hygienische Gründe

Für beide Vorschriften werden hygienische Gründe angeführt, aber auch technische Aspekte. Ohne Badekappen könnten zu viele Haare ins Wasser gelangen und die Filteranlagen verstopfen. Durch Badeshorts könnten Krümel aus den Taschen, Schweiß und Schmutz den Badespaß trüben. Zudem glauben die Franzosen, dass mit Badeshorts beim Aussteigen aus dem Schwimmbecken zu viel Wasser nach draußen gelangt.

Und wie sind die Vorschriften in Deutschland? Die Badekappenpflicht wurde Mitte der 1980er Jahre in den meisten Bädern abgeschafft, da verbesserte Filtertechniken die Notwendigkeit einer solchen Regelung reduziert haben. Es gibt auch kein spezifisches Bundesgesetz, das die Badekleidung in Schwimmbädern regelt. Diese Regeln werden in den Haus- und Badeordnungen der jeweiligen Bäder festgelegt und können somit von Bad zu Bad variieren.

Nicht mit T-Shirts ins Wasser

Fast überall gilt: Badehosen, -anzüge, Bikinis, Burkinis und Badeshorts (ohne Taschen), die bis zum Knie reichen, sind erlaubt. Sie müssen aus speziellem Material angefertigt sein. Aus hygienischen Gründen sind T-Shirts und Unterwäsche nicht gestattet.

„Bei uns gibt es kein Verbot für Badeshorts und Badekappen müssen unsere Besucher auch nicht tragen“, sagt Andreas Humbert, Vorsitzender des Fördervereins Lamspringer Waldbad. Den Wasserverlust durch das Tragen von Badeshorts hält Humbert für unerheblich. Allerdings sehe die Badeordnung vor, dass Nacktbaden und Oben-ohne-Schwimmen nicht gestattet sind.

Freiwillig mit Badekappe

Auch die weiteren von der Redaktion befragten Verantwortlichen bestätigten, dass bei ihnen niemand eine Badekappe tragen muss. Sehr wohl gebe es Schwimmer, die von sich aus eine Badekappe tragen würden – beispielsweise beim Training, Frühschwimmen oder aufgrund von Problemen mit den Ohren.

„Wenn wir eine Badekappenpflicht aussprechen, dann fahren unsere Badegäste in andere Bäder. Wenn, müssten alle Einrichtungen so vorgehen“, ist Kathrin Feichtinger, Vorstandsmitglied des Fördervereins Delligser Freibad, überzeugt. Die Vorschrift sei abgeschafft worden, weil die Technik für die Filteranlagen im Laufe der Jahre immer besser geworden sei. Haare im Wasser würden keine Probleme bereiten. So sieht sie es auch bei der Frage nach Badeshorts oder enger Schwimmhose – beides sei erlaubt. Und mit Burkinis aus Badestoff darf geschwommen werden.

Duschen ist eine Pflicht

Feichtinger appelliert allerdings an die Badegäste, unbedingt vor dem Sprung ins kühle Nass zu duschen (das ist Vorschrift), damit Schweiß und Sonnencreme nicht im Wasser landen. Und zum Thema Wasserverlust durch Badeshorts beim Ausstieg aus dem Becken sagt Feichtinger: „Der Wasserverlust durch eine Arschbombe ist sicher höher.“

Zwei Verbote gibt es im Delligser Freibad allerdings doch: „Wir sind ein Familienbad, darum sind bei uns Nacktbaden und Oben-ohne-Schwimmen verboten“.

Badeshorts in Gronau erlaubt

Diese Regeln gelten auch im Gronauer Freibad. „Wir hatten schon Badegäste, die oben ohne oder nackt ins Wasser gegangen sind. Diese haben wir freundlich darauf hingewiesen, dass das bei uns nicht erlaubt ist“, sagt Nadine Winnefeld, Fachbereichsleiterin Soziales bei der Samtgemeinde Leinebergland. Die Haus- und Badeordnung sieht zudem vor, dass Badegäste Badeshorts und Burkinis tragen dürfen. Die Regeln seien ständig angepasst worden, vor allem während der Coronazeit und der großen Flüchtlingswelle, erklärt Winnefeld.

Im Freibad Jo Wiese in Hildesheim tummelten sich an den vergangenen heißen Tagen täglich rund 5000 Besucher. „Da treffen viele unterschiedliche Kulturen aufeinander. Darum haben wir unsere Baderegeln in sechs Sprachen ausgehängt“, betont Betriebsführer Matthias Mehler. Dennoch müsse das Team die Regeln immer wieder erklären. Erlaubt sei Badekleidung aus den speziellen Textilien, Freizeitkleidung im Wasser wie auch Nacktbaden und Oben-ohne-Baden seien verboten, erinnert Mehler.

Kein Gedanke an Badekappen

Das Fredener Freibad, das nach einer längeren Pause seit ein paar Wochen wieder am Start ist, hat an den Baderegeln von früher nichts verändert. „An Badekappen verschwenden wir seit Jahren keinen Gedanken mehr. Und da wir ein anständiges Bad sind, darf nur ins Wasser, wer vorgeschriebene Badekleidung trägt“, sagt Hans-Jürgen Hebner vom Förderverein des Bades.

Wie zu erwarten, gilt das auch für das Alfelder 7-Berge-Bad. „Ab und zu müssen wir junge Badegäste darauf hinweisen, dass das Tragen einer Unterhose unter der Badeshorts nicht gestattet ist“, berichtet Badleiter Sebastian Hendrischke im Gespräch. Auch das Duschen werde gerne vergessen. „Das sollte eigentlich jeder wissen. Die Kinder, die mit den Schulklassen bei uns schwimmen, bekommen diese Vorschrift bereits vermittelt.“

Es gibt Ausnahmen

Und wie sind die Vorgaben im Innerstebad Sarstedt? Wie in den anderen Bädern auch, allerdings: Trägt ein Badegast eine knielange Badeshorts, dann wird er darauf angesprochen. Ganz klar gilt zudem: Mit Jeans und Straßenkleidung geht’s nicht ins Wasser. „Wenn jemand auf uns zukommt und erklärt, dass er eine große OP-Narbe hat und darum ein T-Shirt beim Schwimmen tragen möchte, dann machen wir eine Ausnahme“, sagt Kevin Grundke, stellvertretender Badleiter.

„Ich habe es noch nie erlebt, dass jemand eine Jeans im Wasser angehabt hat. Bei uns verhalten sich alle ordnungsgemäß“, fasst Stefan Ebeling, Bademeister im Freibad Marienhagen, zusammen. Klar vergesse der eine oder andere das Duschen, „aber ansonsten halten sich alle an die Vorschriften“, freut er sich.

Laufshorts sind verboten

„Es gibt heutzutage für alle Menschen die passende Bademode zu kaufen, da sollte jeder etwas finden“, sagt Claudia Oelkers, Leiterin des Freibades Bad Salzdetfurth. Nicht erlaubt seien Straßenkleidung und Laufshorts. Darauf werde geachtet, denn dadurch könnte zu viel Wasser aus dem Becken nach außen gelangen.

Jürgen Seltmann, Badeaufsicht im Hilsbad Hohenbüchen, ist sehr zufrieden mit seinen Badegästen: „Es passt alles. Und die Vorschriften sind bei uns wie in den anderen Bädern auch.“ Seltmann verweist aber darauf, dass Babys und Kleinkinder nicht mit Pampers ins Wasser dürfen. „Ich schaue außerdem, dass keine unbekleideten Kinder auf der Wiese rumlaufen. Wenn ich das beobachte, spreche ich die Eltern an. In der heutigen Zeit muss darauf geachtet werden“, betont Seltmann.

Vor der Reise nachfragen

Ein Tipp der Redaktion: Vor einer Urlaubsreise in andere Länder am besten nach den Baderegeln am Reiseziel erkundigen.

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