Sonderausstellung im Forum Wissen Göttingen Anzeige

„Nachgefragt: Unrecht gesammelt?“

Ein Kleiderbügel, eine Blumenvase oder ein Buch – scheinbar alltägliche Gegenstände finden sich in den Vitrinen der aktuellen Sonderausstellung im Forum Wissen, dem Wissensmuseum der Universität Göttingen. Auf den ersten Blick wirken diese Objekte unscheinbar. Doch wer nach ihrer Herkunft fragt, entdeckt bewegende Geschichten von Verlust, Unrecht und Erinnerung.

Der Umgang mit zu Unrecht in den südniedersächsischen Museen und Archiven gelandeten Gegenständen wird in der Ausstellung thematisiert.

Viele der gezeigten Objekte gehörten einst Menschen aus Niedersachsen, denen sie unrechtmäßig entzogen wurden. Darunter Jüdinnen und Juden, Freimaurer, Mitglieder der Arbeiterbewegung oder Zwangsarbeitende, die während des Nationalsozialismus verfolgt wurden. Manche der heute im Forum Wissen ausgestellten Gegenstände gelangten als sogenanntes „Feindmaterial“ direkt in Museumssammlungen, andere über Umwege – etwa durch Auktionen, Nachlässe oder private Sammlungen. 

Stille Zeugnisse der Geschichte 

Ein Beispiel ist ein Buch aus dem Besitz von Klara Plaut aus Hemmendorf (Landkreis Hameln-Pyrmont). Die jüdische Frau wurde in der NS-Zeit enteignet und später im Warschauer Ghetto ermordet. Ein Buch aus ihrem persönlichen Besitz fand sich Jahrzehnte später in der Bibliothek des Museums in Alfeld – ein stilles Zeugnis ihrer Geschichte. 

Menschliche Überreste, sogenannte Human Remains aus ehemaligen Kolonien und ethnologische Objekte aus dem Alfelder Tierhandel, erzählen von Gewalt, Ungleichheit und der Verantwortung heutiger Museen. 

Die Ausstellung präsentiert zahlreiche Objekte aus den Archiven in Südniedersachsen. „Nachgefragt: Unrecht gesammelt?“ lädt ein, genauer hinzusehen – und nachzufragen. Im Zentrum der Ausstellung stehen die Menschen hinter den Objekten: ihre Biografien, ihre Verluste und die wenigen Spuren, die von ihnen geblieben sind, sollen sichtbar gemacht werden. In den Ausstellungsräumen eröffnen Illustrationen der Kasseler Künstlerin Melanie Lüdtke neue Perspektiven auf diese Geschichten und verleihen den früheren Besitzerinnen und Besitzern der Dinge eine sichtbare Präsenz. 

 

Gleichzeitig wirft die Ausstellung zentrale Fragen der Provenienzforschung, der Herkunftsgeschichte von Objekten, auf. Wie können Museen heute verantwortungsvoll mit Exponaten umgehen, die unter Unrecht in ihre Sammlungen gelangten? Wie rekonstruieren Forschende solche Herkunftsgeschichten? Und welche Wege gibt es, historisches Unrecht aufzuarbeiten – etwa durch Rückgaben oder durch eine transparente Aufarbeitung?

Provenienzforschung sichtbar machen 

Die Sonderausstellung vermittelt auch, was hinter dem Begriff Provenienzforschung steckt – die wissenschaftliche Suche nach der Herkunft von Objekten. 

Sie basiert auf dem zweijährigen Forschungs- und Vermittlungsprojekt „Nachgefragt – Provenienzforschung vermitteln“, das in Südniedersachsen durchgeführt wurde. Aufbauend auf den Forschungen von Dr. Christian Riemenschneider zur Herkunftsgeschichte unrechtmäßig entzogener Kulturgüter wurden unter anderem Archive in den Landkreisen Hildesheim, Northeim, Göttingen und Goslar untersucht. 

Neun Museen aus der Region beteiligten sich an dem Projekt. In Workshops und Pop-up-Aktionen wurden Objekte, ihre Geschichten und die Fragen der Menschen vor Ort zusammengebracht. Die daraus entstandenen Perspektiven bilden nun die Grundlage der Ausstellung im Forum Wissen. 

Ausstellungsinfos
Die Sonderausstellung „Nachgefragt: Unrecht gesammelt?“ ist noch bis zum 17. Mai 2026 im Forum Wissen in Göttingen zu sehen. Immer dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. 

„Nachgefragt: Unrecht gesammelt?“
12. Dezember 2025 bis 17. Mai 2026, im Forum Wissen, Berliner Str. 28, direkt am Hauptbahnhof Göttingen, 37073 Göttingen, Telefon: 0551 3926600, Internet: www.forum-wissen.de

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10–18 Uhr
Eintritt: frei 

Öffentliche Führungen
Ein geführter Rundgang durch die Ausstellung gibt Einblicke in die Arbeit der Provenienzforschung und die persönlichen Schicksale hinter den gezeigten Objekten. Gruppenführungen auf Anfrage. Jeden zweiten Sonntag, 14–15 Uhr. Weitere Informationen und aktuelle Termine finden Sie im Veranstaltungskalender des Forum Wissen.

Über das Forum Wissen
Das Forum Wissen ist das Wissensmuseum der Universität Göttingen. Das Forum Wissen ist ein Ort der Begegnung. Hier wird Wissenschaft erfahrbar gemacht – anschaulich, verständlich, experimentell und spielerisch. Die Basisausstellung, aber auch Workshops und Veranstaltungen laden die Besuchenden zu Begegnung und Austausch ein. Mit wechselnden Sonderausstellungen und vielfältigen Formaten präsentiert das Museum aktuelle Themen aus Wissenschaft und Gesellschaft.