Bei Hempens unterm Sofa

Die kleine Trinkflasche mit dem Zwerg darauf

Hildesheim - Wie sind die Kinder in den 1970er-Jahren eigentlich ohne tagsüber zu trinken durchgekommen? Hätte die ganze Generation wegen Dehydrierung ausgelöscht werden können?

Harzausflug in der Grundschule. Mit dabei eine sehr niedliche Trinkflasche. Doch die ist leider nicht ganz dicht. Foto: Chris Gossmnn

Hildesheim - Immer, wenn ich Menschen mit so einer großen Trinkflasche in der Hand sehe, muss ich an meine erste Trinkflasche denken. Kunststoff, na klar, ein Zwerg mit roter Mütze war darauf, es gab ein Band, damit ich mir die Flasche umhängen konnte, und einen roten Deckel, der als Becher diente für die gefühlt etwa 100 Milliliter Flüssigkeit, die die Flasche fasste. Ich liebte dieses Ding. Nur: Es war nicht dicht. Böse Zungen würden jetzt sagen: Das passt ja, ist die Trägerin ja auch nicht. Würde zwar stimmen, passt jetzt aber nicht hierher.

Flasche ist halb leer

Als ich neulich also an diese Flasche denken musste und meinem Mann das mitteilte, erinnerte ich mich zudem an einen Schulausflug, bei dem die Flasche eingeweiht werden sollte. Vierte Klasse oder so. Im Harz angekommen, war die Pulle mit dem klebrigen Apfelsaft halb leer, der Rucksack halb nass. Den Wandertag habe ich damals trotzdem überstanden – ohne Anzeichen von Dehydrierung. Vielleicht ist doch mehr Flüssigkeit in so einer Leberwurststulle oder in den Maoams, als man annimmt. „Wie haben wir das eigentlich überlebt, ohne zu verdursten?“, fragt mein Mann. Gute Frage. Denn wir erinnerten uns auch nicht daran, tagsüber etwas getrunken zu haben, außer vielleicht einen Kakao in der Schule für 35 Pfennig. Milch gab es für 30 Pfennig, tranken aber nur die Streber. Und wir waren keine. Selbst einen ganzen Nachmittag auf dem Bolzplatz oder beim Gummitwist schafften wir ohne einen Schluck zu trinken. Höchstens als Mutprobe aus der Regentonne, gemischt mit einem Tütchen Ahoi-Brausepulver.

Vor dem Essen gibt es nichts zu trinken

Griffen wir dann vor dem Essen nach einem Glas mit Fanta, Tri-Top oder Instant-Zitronentee, mahnten unsere Mütter jeweils: „Nix! Vorm Essen wird nicht getrunken, dann seid ihr sonst schon davon satt.“ So war’s gewesen. An was für Geschichten rund ums Trinken oder Essen sich die Kinder von heute wohl später mal erinnern werden?

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