Wieder zu Hause

Die Scorpions hautnah erleben, das war am Samstag möglich: Etwa 400 Fans bejubeln die Band in Sarstedt

Sarstedt - Es waren emotionale Szenen: Die Band Scorpions hat Sarstedt besucht, die Stadt ihrer Ursprünge. Dort trug sie sich ins Goldene Buch ein. Hunderte Zuschauer und Fans feierten die weltberühmte Gruppe, die sich tief beeindruckt zeigte. Was der Sarstedter Rudolf Schenker, Motor der Formation, freimütig preisgab. (mit Video)

Auf der Rathaustreppe in Sarstedt: die Scorpions Mikkey Dee, Matthias Jabs, Klaus Meine, Bürgermeisterin Heike Brennecke, Rudolf Schenker und Pawel Maciwoda. Foto: Julia Moras

Sarstedt - Dieser Tag geht in die Geschichte Sarstedts ein. Viele Menschen aus der Region Hildesheim werden ihn nicht vergessen. Etwa 400 Zuschauer, Fans und Besucher haben am Samstag den Scorpions am und im Sarstedter Rathaus einen begeisterten Empfang bereitet. Rudolf Schenker, Gitarrist der Band, vergoss sogar Tränen. Der Sarstedter zeigte sich wie auch Frontmann und Sänger Klaus Meine von alledem überwältigt. „Großartig. Das muss man erst mal ein bisschen verarbeiten“, sagte Meine. Die Fans waren aus dem Häuschen – es gab Umarmungen, ohne Ende Autogramme, Selfies satt, zahllose Unterschriften auf Jacken und T-Shirts. Die Leute wollten die „Scorps“ gar nicht mehr loslassen. Die weltberühmte Band, deren Geburtsstunde in Sarstedt war.

11.04 Uhr. Brunhilde Bosse wartet wie viele andere am mit rot-weißem Band abgesperrten Rathaus auf ihre Idole. Die 86-Jährige ist mit einem Rollator gekommen. „Ich kenne die Frau von Klaus Meine. Gabi arbeitete mit mir im Büro einer Versicherung in Hannover“, erzählt die Frau aus Sarstedt, die noch Schallplatten der Scorpions hat. Und klar, sie würde auch mit Rollator zum Konzert ihrer Rocker gehen. Ein paar Meter weiter warten die Sarstedter Bierfreunde mit selbstgebrautem Fassbier auf die Stars. Auch sie: Fans. „Wind of Change“ hören sie besonders gern. Die junge „Empfangs-Band“ 4 Hugs ist ebenfalls schon angerückt.

Die Rocker rollen an

Um 11.48 Uhr rollen ein schwarzer und ein weißer Van in die Fußgängerzone. Dann steigen sie aus. Jubel brandet auf. Klaus Meine, Schlagzeuger Mickey Dee, Leadgitarrist Matthias Jabs, Bassist Pawel Maciwoda und Rudolf Schenker – der Mann vom Giebelstieg. Es ist ein großes Hallo. Die Band steigt die Rathaustreppen hoch. Dort ist der Raum, in dem sie sich ins Goldene Buch eintragen wird, brechend voll.

Kameraleute, Reporter, Vertreter der Stadt, Weggefährten der Scorpions. Darunter Wolfgang Dziony aus Elze, Gründungsmitglied der Band, der Plakate der Band von 1971 dabei hat, als ihre erste LP Lonesome Crow erschien. Ehrensache, dass sich Klaus Meine und Rudolf Schenker auf diesen für Fans unbezahlbare Devotionalien mit ihren Autogrammen verewigen.

Die Band trägt sich ins Goldene Buch der Stadt ein, Bürgermeisterin Heike Brennecke hält eine Rede zu Ehren der Band und ist dabei ergriffen. Ausführlich und lebendig breitet sie die lange Geschichte der Formation aus – was die Rocker sehr freut.

Die „Scorps“ sind zugänglich und sehr angetan über die positive Welle, die ihnen entgegenschlägt. Gerührt ist Rudolf Schenker, der zuletzt 2010 in Sarstedt war, um sein Buch „Rock your Life“ im Gymnasium vorzustellen. „Ich bin feinfühlig“, sagt der Rocker.

Und wann kommen die Scorpions wieder?

Und wann kommen die Scorpions wieder nach Sarstedt? „Es hat uns hier unheimlich gut gefallen. Ich werde meinem neunjährigen Sohn die Stadt zeigen“, antowortet der 76-Jährige auf Nachfrage der Redaktion. „Hier hat sich so viel geändert. Aber die Eindrücke sind schön.“ Und wann bringt die Formation ihre nächste Single heraus? „Wir arbeiten dran. Man muss ein bisschen geduldig sein“, antwortet Schenker und verrät, dass es eine Hymne werden könnte. Und klar, die Rocker haben noch genug Sprit im Tank, um Konzerte zu geben – „dieser Spaß ist die beste Lebensverlängerung.“

Klaus Meine betont, dass es wichtig sei, „zu wissen, wo wir herkommen.“ Und das ist halt Niedersachsen – und Sarstedt. „Wir sind geerdet.“ Auch wenn es manchmal gefährlich sei, durch weltweiten Erfolg ein wenig abzuheben. Meine erinnert sich an Auftritte aus vergangenen Zeiten, der inzwischen 60 Jahre alten Band. Im Berghölzchen in Hildesheim etwa. Auch die Proben in der früheren Kieskuhle in Sarstedt haben die Stars noch vor Augen. Band-Mitgründer Wolfgang Dziony wohnte in Sarstedt, seine Mutter betrieb die Eckkneipe Gilde-Eck. Dort übte die Band.

„Es scheint, als sei die ganze Stadt da“

Und nun sind sie wieder in dem Ort gewesen, in dem alles begann. „Es scheint, als sei die ganze Stadt da“, sagt der schwedische Schlagzeuger Mikkey Dee. Auch er ist berührt von dem herzlichen Trubel. Der Mann mit der grauen Mähne ist mit seinem 22-jährigen Sohn Marcus aus Göteborg angereist. Mitten drin ist der 77-jährige Matze Gückel, der 1961 mit Rudolf Schenker Fußball gespielt hat. Als Erinnerung gibt er Ex-Torwart Schenker ein Präsent: ein schwarzes T-Shirt, das an eine Partie der C-Jugend des FSV Sarstedt an Hannover 96 erinnert.

Es ist 13 Uhr, als die Bodyguards der Band und Tour-Manager Alex Malek die Interviews, Plaudereien und Selfie-Aufnahmen beenden wollen. Doch die Scorpions baden gern in der Menge. Dann wird der Manager etwas resoluter – und die Formation bahnt sich ihren Weg zum Ausgang des Rathauses. Dort warten seit Stunden die Fans.

So etwa Daniela und Andy Berlemann aus Sarstedt, die 2023 das Konzert der Gruppe in Wacken sahen. Und sie haben Glück – sind stolze Besitzer der Karten für den nächsten Gig in Hannover am 5. Juli. „Man kann stolz darauf sein, wie eine Band mit Anfängen in Sarstedt weltweit bekannt wurde“, sagt Daniela Berlemann.

Das sehen Katrin Boes und ihre Tochter Nathalie genauso. „Wir kennen den ersten Bühnentechniker der Scorpions, Olaf Schröter. Das war der Sohn unseres Vermieters“, erzählt Katrin Boes.

Dann fahren die Scorpions davon

Um 13.19 Uhr steigt die Band in den schwarzen Van. Rudolf Schenker gibt Stadtmanagerin Andrea Satli ein Küsschen. Leadgittarist Matthias Jabs unterschreibt aus dem Fenster des Beifahrersitzes ein letztes Mal auf der Jacke eines Mädchens. Dann fahren die Scorpions davon.

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