Hildesheim - Was war das schön im Schnee am letzten Wochenende! So viele Flocken, strahlender Sonnenschein, wir machten lange Spaziergänge, bauten zuhauf Schneemänner, fuhren Schlitten um die Wette und hatten dabei nur gute Laune. So jedenfalls sah es auf all den zuckerschönen Schneefotos bei WhatsApp, Instagram und Co. aus. Ich bin aber bereit, die ungeschönte Wahrheit zu verkünden, beziehungsweise das, was hinter den Bildern steckt. Zwar kann ich nicht für alle sprechen, aber immerhin für jene mit kleinen Kindern.
Drahtseil-Nerven im Schnee
Der Spaß im Schnee hat nämlich Begleiterscheinungen. Oder anders gesagt: Er braucht starke Nerven. Da ist die Vorbereitung, Stufe 1: Schlitten flottmachen, Kleidungsstücke zusammensuchen, Snacks einpacken. Die Vorbereitung, Stufe 2, ist bereits etwas für Fortgeschrittene: die Kinder und sich selbst anziehen. Denn dem einen Kind ist plötzlich die Schneehose zu kurz, das andere bricht in Tränen aus, weil es sich in seinen Handschuhen kaum bewegen kann – es will schließlich Schneebälle formen. Minuten vergehen, die sich anfühlen wie Stunden. Hat man es schließlich nach draußen geschafft, ist man selbst längst nicht so schneesicher angezogen wie der Nachwuchs. Ich zumindest bin schon froh, wenn ich im Aufbruchschaos an die eigene Mütze denke.
Kalt, nass, schmutzig, hungrig
Nun ja, mitten im Schnee jedenfalls muss der Erste Pipi. Dem Kind den Schneeanzug ausklötern, das Kind hochhalten: Schweißausbruch. Kurze Zeit später bricht der große Hunger aus: „Was haben wir denn zu essen mit???“ Da sich die Kinder mittlerweile aber schon mehrfach mit Schnee beworfen haben, im Tiefschnee versunken oder mit dem Schlitten umgekippt sind, hat definitiv jemand nasse Füße, eiskalte Hände, Schnee im Nacken oder eine blaue Nase. Deshalb: snacken und Rückzug. Zu Hause alle Kleidungsstücke auf die Heizung zu hängen, das macht ja auch Spaß. Man sollte ein Foto davon ins Netz stellen.
