Winzenburg/Hildesheim - Die Temperaturen bewegen sich seit Tagen jenseits des Gefrierpunktes. Schnee fällt und Seen und Teiche sind zugefroren. Für die Fische, die darin leben, wird das zum Überlebenskampf. Nicht wegen der Kälte, sondern wegen der geschlossenen Eisdecke. Denn: Dadurch sinkt der Sauerstoffgehalt im Wasser und giftige Gase sammeln sich unter der Eisschicht. Die Mitglieder des Anglerverbands Niedersachsen warnen bereits vor einem Winterfischsterben. Experten aus dem Leinebergland und Hildesheim verraten, was Teichbesitzer jetzt beachten müssen.
Zu wenig Sauerstoff, zu viele Faulgase
Marc Jaster ist Experte, wenn es um Fische geht. Der 53-Jährige betreibt die Fischerhütte Winzenburg in dritter Generation. In den insgesamt sieben Teichen schwimmen Tausende Forellen, Seidlinge, Barsche, Aale und Karpfen. Eine beliebte Anlaufstelle für Anglerinnen und Angler aus der Region – ganzjährig. Doch einige seiner Teiche sind fast vollständig zugefroren. „Etwa vier bis fünf Zentimeter ist die Eisschicht dick“, berichtet der Winzenburger.
Die zugefrorene Wasseroberfläche kann für die Fische schnell zur Gefahr werden. Denn: Fische brauchen Sauerstoff zum Atmen. Der Sauerstoff gelangt normalerweise aus der Luft ins Wasser – oder wird durch Fotosynthese der Wasserpflanzen erzeugt. Kommt durch das Eis allerdings weder Luft noch Licht in den Teich, fehlt es an Sauerstoff. Die Fische ersticken. Gefährlich seien laut Jaster außerdem die Faulgase, die sich bilden, wenn tote Tiere oder Pflanzen im Wasser verrotten. Normalerweise werden die giftigen Gase über die Wasseroberfläche an die Luft abgegeben. Ist der Teich zugefroren, sammeln sie sich allerdings unter der Wasseroberfläche und werden zur tödlichen Gefahr.
Auf keinen Fall ein Loch in die Eisdecke schlagen
Vor allem Gartenteichbesitzer sollten jetzt ein genaues Auge auf ihren Teich haben. „Wenn sich unter der Eisdecke Blasen bilden, ist das meist ein Zeichen für Faulgase“, weiß Jaster. Wenn die Fische dicht unter der Eisfläche schwimmen, ist das laut Michelle Sievers von Michalski Aquaristik in Hildesheim ebenfalls kein gutes Zeichen. Denn: Im Winter fahren die Fische ihren Stoffwechsel runter, bewegen sich kaum und halten sich an der tiefsten Stelle des Teiches auf, wo es einige Grad wärmer ist als an der Oberfläche. Schwimmen sie oben, ist das ein Zeichen für Sauerstoffmangel, da die Wasseroberfläche normalerweise die sauerstoffreichste Zone ist.
Wichtig ist dann, offene Stellen im Eis zu schaffen. „Am besten mit einem Bohrer vorsichtig Löcher hineinbohren“, rät Jaster. Sievers’ Tipp: heißes Wasser auf das Eis gießen, bis es schmilzt. Bei einem gewöhnlichen Gartenteich würden bereits kleine Öffnungen ausreichen. Ein Loch ins Eis zu schlagen, etwa mit einer Axt, sei laut den Experten wiederum keine gute Idee. Das stresse die Fische und koste sie viel Energie.
Vorsorge ist auf verschiedene Weise möglich
Damit es gar nicht erst zum vollständigen Gefrieren kommt, können Teichbesitzerinnen und -besitzer einige Vorkehrungen treffen: Styroporblöcke auf der Wasserfläche schwimmen lassen, rät Jaster. Die würden verhindern, dass der Teich vollständig gefriert und ermöglichen gleichzeitig den Gasaustausch. Eine Wasserpumpe sorgt wiederum für Bewegung im Wasser und verhindert vollständiges Gefrieren. Jaster setzt bei seinen Teichen auf einen natürlichen Wasserzulauf – das hat den gleichen Effekt wie eine Pumpe. Im Koiteich bei Michalski Aquaristik wird unter anderem auf einen Sprudelstein gesetzt, der Sauerstoff ins Wasser abgibt und durch die aufsteigenden Bläschen vollständiges Gefrieren ebenfalls verhindert.
