Vom Leben in Alfeld

Franziskus muss leiden

Alfeld - Freche Jungs und ein Hitlerbärtchen – die Steinskultptur vor der Alfelder Nicolaikirche muss so einiges ertragen. Damit wiederholt sich die Lebensgeschichte eines Heiligen mitten in der Innenstadt.

AbisZ Nico Schwappacher Foto: AZ

Alfeld - Was man nicht alles zu ertragen hat als Steinstatue: „Verpiss dich!“, sagen zwei Jungs mit Schulranzen zum „Franziskus“, der Steinskulptur vor der Alfelder Nicolaikirche. Beiläufig schleudern sie’s dem armen Mann entgegen, bevor die noch nicht zehnjährigen Bengel weitertoben.

Tja, wenn man sich doch nur „verpissen“ könnte, mit zwei klobigen Steinfüßen. Dann hätte das Heiligenbild wohl auch das Weite gesucht, als ihm jemand – vermutlich mit schwarzem Edding – ein Hitlerbärtchen ins leidend dreinblickende Gesicht gekritzelt hat.

Wie dem auch sei: Nachdem ich die Lausbubenszene in der Mittagspause beobachtet hatte, ließ sie mich nicht mehr los. Was mich schließlich dazu veranlasste, mein Wissen über den Heiligen Franziskus aufzufrischen.

Und siehe da: Franz von Assisi war ein Bettelmönch, lebte freiwillig in Armut – und war bekannt dafür, auf Demütigungen mit Nächstenliebe und Gelassenheit zu reagieren. Über Frechdachse und Schmierfinken hätte er wohl nur müde gelächelt. So wiederholt sich die Lebensgeschichte eines italienischen Heiligen ausgerechnet in Alfelds Innenstadt.

  • Alfeld
  • Alfeld