Tierwohl

Für die Samtgemeinde Leinebergland wird die Unterbringung von Fundtieren künftig teurer

Gronau - Die Samtgemeinde Leinebergland muss eine neue Unterbringung für Fundtiere finden. Dabei stehen zwei Varianten zur Wahl. Besser gesagt standen zur Wahl.

Herrenlose Tiere, die in der Samtgemeinde aufgefunden werden, müssen künftig nach Hildesheim gebracht werden. Foto: Ulrich Meinhard

Gronau - „Ich bin maßlos enttäuscht.“ Mit diesen Worten von Bettina Bruns ist am Mittwochabend die Sitzung des Gemeinderates der Samtgemeinde Leinebergland beendet worden. Bruns ist zweite Vorsitzende des hiesigen Tierschutzvereins „Vergessene Tierherzen 7 Berge“. Sie nutzte die Einwohnerfragestunde zum Schluss der Sitzung, um ihre Meinung zu äußern. Dabei geht es um die künftige Unterbringung von Fundtieren. Seit sechs Jahren ist damit der Tierschutzverein betraut. Nun hatte der Verein den mit der Gemeinde geschlossenen Vertrag zum Jahresende gekündigt. Notgedrungen, weil das dafür genutzte ehemalige Klärwärterhaus nicht mehr zur Verfügung steht (diese Zeitung berichtete). Wohin künftig also mit den aufgefundenen Tieren? Ins Tierheim nach Hildesheim. Das sieht ein Vorschlag der Verwaltung vor.

Gegenvorschlag kommt von zwei Ratsfrauen aus der CDU

Einen Gegenvorschlag hatten die beiden Ratsfrauen Sonja Behnke und Isabelle Bünemann-Pawel (beide CDU). Der sah vor, den Beschluss über den Fundtiervertrag zurückzustellen. Ins Spiel gebracht wurde eine Containerlösung, eventuell auf dem Gelände des Bauhofes. „Die Variante Tierheim Hildesheim hat hohe finanzielle Auswirkungen für uns“, sagte Behnke. Denn ein Vertrag mit den Hildesheimern würde die Samtgemeinde jährlich 31.000 Euro kosten, hinzu kämen drei Jahre lang Investitionskostenzuschüsse in Höhe von 28.000 Euro: zusammengerechnet 177.000 Euro in drei Jahren. Im Gegensatz dazu würde ein fortlaufender Vertrag mit den „Vergessenen Tierherzen“ etwa 15.000 Euro im Jahr kosten. Die veranschlagte Ausgabe von 100.000 Euro für einen Container hinzugenommen, beliefen sich die Kosten auf 145.000 Euro.

Dennoch stimmte die Mehrheit des Rates gegen diesen Vorschlag. Bürgermeister Volker Senftleben (SPD) gab zu bedenken, dass trotz aller Suche kein geeignetes Gebäude gefunden werden konnte. Und selbst wenn das noch gelänge, könnte es bis zum 1. Januar nicht so hergerichtet werden, dass es dem Tierwohl entspricht. SPD-Fraktionschef Marek Fink hob ebenfalls das Tierwohl hervor. „Der größte Knackpunkt ist der Zeitdruck, unter dem wir stehen. Wenn wir die Entscheidung weiter verschieben, laufen wir einem potenziellen Unterbringungsnotstand für Fundtiere entgegen.“ Mit Blick auf die drängende Zeit sei die Lösung Tierheim Hildesheim der einzige Weg, der jetzt gegangen werden könne, so Fink.

Vertreter der Verwaltung warnt vor vertragslosem Zustand

Vor einem „vertragslosen Zustand“ warnte zudem der Erste Samtgemeinderat Thomas Mensing. Zum 1. Januar 2026 müsse es eine Lösung geben, denn die Gemeinde sei rechtlich verpflichtet, für die Unterbringung von Fundtieren zu sorgen. Und auch eine Containerlösung sei nicht für wenig Geld zu realisieren. Für den Antrag der beiden Christdemokratinnen stimmten schließlich zehn Räte, 14 votierten dagegen, es gab zwei Enthaltungen. Der Beschlussvorschlag der Verwaltung fand die Mehrheit.

„Wie wir das sehen, ist es die falsche Entscheidung“, sagte Thomas Roth aus Banteln während der abschließenden Einwohnerfragestunde. Bettina Bruns sagte gegenüber dieser Zeitung: „Wir würden den Vertrag gerne weiterführen, wenn man uns dazu die Möglichkeit gibt.“ Das Tierheim in Hildesheim sei bereits ausgelastet, werde zudem umgebaut. Im Gegensatz zum Tierschutzverein würde es dem Tierheim allein schon aus personellen Gründen wohl kaum gelingen, Fundtiere in ein neues Zuhause zu vermitteln. „Das haben wir zu 98 Prozent hinbekommen.“ Was sie auch ärgert: „Bei uns ist um jeden Cent gerungen worden. Und jetzt wird so viel Geld ausgegeben. Ich hätte mir von Seiten der Verwaltung mehr Kooperation und Gesprächsbereitschaft gewünscht.“

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