Kaminofen

Im Extremfall gerät das ganze Haus in Brand: So lassen sich brennende Schornsteine vermeiden

Kreis Hildesheim - Die Feuerwehr in und um Hildesheim ist immer wieder im Einsatz wegen Schornsteinen, die plötzlich selbst anfangen zu brennen. Eine Gefahr, die sich vermeiden lässt.

Die Feuerwehr in Bad Salzdetfurth hat die Drehleiter in Stellung gebracht. Ein Schornstein ist auf einem Einfamilienhaus am 30. Dezember in Brand geraten. Foto: Geoffrey May

Kreis Hildesheim - Rauch aus dem Schornstein – eigentlich nichts Ungewöhnliches an kalten Wintertagen, so sollte man meinen. Doch auch das kann ein Alarmfall für die Feuerwehr sein. So wie am 30. Dezember in Bad Salzdetfurth: Dort sind die Einsatzkräfte zu einem Schornsteinbrand in der Horststraße gerufen worden. Aufmerksame Nachbarn hatten Flammen aus dem Schornstein bemerkt und den Notruf gewählt. Zwei Wochen zuvor ein ähnlicher Brandfall in dem Dorf Bettmar bei Hildesheim: Der Schornstein eines Fachwerkhauses war dort plötzlich in Brand geraten. Die Einsatzkräfte verhinderten, dass das Feuer sich auf Dach und Gebäude ausbreiten konnte.

Warum kann ein Schornstein selbst brennen?

„Im Regelfall ist falsches Heizverhalten der Grund“, erläutert Schornsteinfegermeister Martin Lichthardt aus der Gemeinde Harsum. Dazu führen meistens drei Gründe: ungeeigneter Brennstoff, zu wenig Verbrennungsluft, zu feuchtes Holz. Bei schlechter Verbrennung bilden sich nämlich Kohlenwasserstoffe, die sich über einen längeren Zeitraum im Inneren des Schornsteins als Ruß anlagern können.

Was ist daran gefährlich?

Ruß ist nahezu reiner Kohlenstoff-Staub und relativ leicht entzündlich. Wenn dann der Ofen richtig angefeuert wird, ordentlich Temperatur entsteht, können diese Schichten selbst anfangen zu brennen.

Ein Schornstein muss doch hohe Temperaturen aushalten, oder?

„Bei einem richtigen Schornsteinbrand kommen locker 1000 Grad Celsius zusammen“, erläutert der Schornsteinfegermeister. Bei dieser enormen Hitze quillt der festgesetzte Ruß immens auf. „Die Ablagerungen werden flüssig, tropfen runter und der Schornstein läuft zu.“ Das hat zur Folge, dass der Schornstein verstopfen kann. Im Extremfall könne das Feuer auf den Dachstuhl übergreifen und das ganze Haus in Brand geraten. Aber das sei eher selten.

Wenn das Risiko im Schlot lauert, wie merken die Menschen im Haus die Gefahr?

Bei einem Schornsteinbrand merken meistens draußen zuerst die Nachbarn, dass mit der Verbrennung etwas nicht stimmt. „Wegen der enormen Rauchentwicklung auf dem Dach“, sagt der Experte. Aber auch im Haus seien oft ungewohnte Strömungsgeräusche zu hören – durch die großen Mengen an Luft und Abgasen, die nach draußen entweichen.

Wie reagiert man richtig?

Bei Gefahr am besten sofort die Feuerwehr verständigen. Die zieht bei solchen Rußbränden im akuten Einsatzfall stets den zuständigen Schornsteinfegermeister hinzu.

Muss der dann aufs Dach?

Der Brandexperte entscheidet vor Ort, wie mit der Gefahr umgegangen werden soll. „In der Regel lassen wir den Schornstein kontrolliert abbrennen“, sagt Lichthardt, der schon bei mehreren Schornsteinbränden vor Ort gewesen ist.

Was bedeutet „kontrolliert abrennen“?

Unter genauer Beobachtung wird dabei mit einem entsprechendes Kehrgerät mit Stahlketten gearbeitet. Damit werden die Ruß-Verkrustungen im Schornstein abgeschlagen, damit die Brandintensität nachlässt.

Lässt sich mit Wasser so ein Brand nicht schneller löschen?

„Auf keinen Fall – Wasser sollte man tunlichst vermeiden“, warnt Lichthardt. Das könne den Schornstein komplett zerbersten lassen. Denn durch die hohen Temperaturen im Schornstein würde das Wasser sofort verdampfen, das Volumen des Löschwassers dehnt sich dabei um das 1700-fache aus. „Das ist so ein extremer und schlagartiger Unterschied, das hält das Mauerwerk nicht aus und fliegt dann auseinander.“ Die Feuerwehr löscht daher – wenn überhaupt – nur mit Pulver.

Wie lassen sich Schornsteinbrände vermeiden?

„Ausschlaggebend ist, dass vernünftiger Brennstoff verwendet wird. Das Holz muss trocken sein“, betont Schornsteinfegermeister Lichthardt. Das Holz darf weder gestrichen noch lackiert sein, sondern auf jeden Fall naturbelassen. Von Tannenholz rät er wegen des hohen Harzgehalts eher ab. Denn das verbrennt mit und setzt sich auch im Schornstein ab.

Was darf außer Holz noch verfeuert werden?

Kurz gesagt: nichts. „Kein Schuhe, keine Teppiche oder gar Zeitungen mit Druckerschwärze – das hat in einem Ofen alles nichts zu suchen.“ Lichthardt, er ist auch Gebäudeenergieberater, verweist zudem auf die Betriebsanweisungen der Kamin-Hersteller sowie auf das geltende Bundesimmissionsschutzgesetz zur Vermeidung von Luftverunreinigung. „So kann jeder selbst schon viel zur eigenen Sicherheit beitragen.“ Dazu gehören auch die vorgeschriebenen Kontrollen: Regelmäßiges Reinigen und Kehren von Schornstein und Verbindungsstücken seien wichtig, so können mögliche Ablagerungen rechtzeitig professionell entfernt werden.

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