Alfeld - Kriemhild Steitzers Motto lautet: „Turne bis zur Urne – das habe ich vor.“ Auf den ersten Blick klingt das morbide. Aber die Knochenkrankheit Osteoporose führt insbesondere im Alter immer häufiger zu Knochenbrüchen und damit einhergehenden körperlichen Einschränkungen. Doch die Delligserin hat nicht vor, sich ihr Leben von ihrer Krankheit diktieren zu lassen. So geht es auch den anderen 40 Mitgliedern der Alfelder Osteoporose-Selbsthilfegruppe. Sorge haben sie trotzdem: Für die Therapieangebote fehlen Trainerinnen und Trainer.
Medikamente ersetzen Sport nicht
Aber warum sind diese Angebote so wichtig für die Gruppenmitglieder? Osteoporose, auch als Knochenschwund bekannt, führt über einen langen Zeitraum dazu, dass die Knochendichte abnimmt. Wenn im Alter auch noch das Sturzrisiko zunimmt, bedeutet das häufige Knochenbrüche für die Betroffenen. Während die Behandlung mit Medikamenten zwar immer effektiver wird, ersetzt sie auf keinen Fall regelmäßigen Sport, heißt es in der Patientenleitlinie Osteoporose des Bundesselbsthilfeverbandes für Osteoporose (BfO). Zu diesem Verband gehört auch die Alfelder Gruppe, deren Leitung bis vor kurzem Steitzer innehatte.
Nach neun Jahren Vorsitz hat sie das Amt nun an Michaela Maiwald abgegeben. Die 66-jährige Fredenerin weiß ebenfalls um die Bedeutung der Bewegungsangebote. Diese leisten einen großen Beitrag: Der Muskelaufbau stärkt nämlich auch die Knochen. „Wenn man weiß, dass man die Krankheit in der Familie hat, dann sollte man früh anfangen“, sagt sie. Das bestätigt auch Steitzer. Ihre Mutter war im Alter betroffen und die heute 86-Jährige wusste bereits vor mehr als einem Vierteljahrhundert: Um die eigene Gesundheit so lange wie möglich zu erhalten, musste sie aktiv werden.
Als letztes Gründungsmitglied noch mit dabei
Damals sei sie durch eine Anzeige in der Alfelder Zeitung auf die Gründung der hiesigen Selbsthilfegruppe aufmerksam geworden. Inzwischen ist sie als letztes Gründungsmitglied noch mit dabei. Damals haben sich weniger als zehn Betroffene zusammengefunden. Die Zahl ist seitdem auf 40 angewachsen – und wird wohl in Zukunft weiter zunehmen.
Die Nachfrage nach dem Kursangebot in Alfeld übersteigt inzwischen die Kapazitäten. Zwei Gruppen für Trockengymnastik gibt es, die die Physiotherapeutin – und inzwischen auch zweite Vorsitzende der Gruppe – Kerstin Lamprecht leitet.
Das Angebot für die Wassergymnastik beschränkt sich auf eine Gruppe – und das aus gutem Grund. „Das ist gar nicht so einfach jemanden dafür zu finden“, erklärt Steitzer. Immer wieder hat die Gruppe deswegen verschiedene Therapeutinnen und Therapeuten oder Aushilfen, damit die Kurse nicht ausfallen müssen. Inzwischen besteht sogar eine Zusammenarbeit mit der Alfelder Gruppe der Rheumaliga, deren Wassergymnastik direkt nach der Osteoporose-Gruppe startet. Dennoch ist die Lage angespannt und von einem zweiten Wassergymnastik-Kurs können die ehemalige und neue Vorsitzende nur träumen.
Dabei sei es so wichtig, für beide Kursangebote ausreichend Plätze zur Verfügung stellen zu können. Maiwald erklärt, dass diese nämlich aufeinander aufbauen, um gegen das Voranschreiten der Krankheit anzukämpfen. Die Wassergymnastik trägt zur Beweglichkeit bei und die Trockengymnastik zum Muskelaufbau. Zusammen verlangsamen sie den Knochenabbau und verringern das Sturzrisiko.


