Leinebergland - Das Osterfest wird in Alfeld und Umgebung traditionell mit einer Mischung aus christlichem Brauchtum, heidnischen Frühlingsritualen und geselligem Beisammensein gefeiert. Auf den Hügeln im Leinebergland wird am Wochenende von Weitem der Schein der Flammen zu erkennen sein. Was für die Leinebergländer früher und heute außerdem an Bräuchen zum Osterfest gehörte, hat der ehemalige Kreisheimatpfleger Gerhard Kraus zusammengetragen.
Jugendliche sammeln Material fürs Osterfeuer
Schon Wochen vorher haben zumeist junge Leute dafür gesorgt, genügend Brennstoff zusammenzutragen. Es beginnt bereits Anfang Januar mit dem Einsammeln der ausgedienten Weihnachtsbäume. In manchen Dörfern rund um Alfeld übernehmen das junge Feuerwehrleute, andernorts haben sich im Laufe der Jahre eigene Teams gebildet, die Holz und Sträucher sammeln und anschließend zu hohen Haufen aufschichten. Wenn dann am Abend die Sonne untergeht, werden die Feuer vor Hunderten von Zuschauerinnen und Zuschauern entzündet. In Wrisbergholzen gab es früher sogar einen ganz besonderen Osterfeuerhöhepunkt: Dort rollten die „Feuerer“ eine in Brand gesetzte Tonne den Abhang hinunter und erzeugten so ein Feuerrad.
Gefährliche Tradition
Noch bis zu Beginn der 1980er-Jahre gab es die Tradition, dass Jugendliche aus den Dörfern versuchten, die aufgeschichteten Holzhaufen in den benachbarten Orten vorzeitig anzuzünden. Doch eine Tragödie im Jahr 1982 beendete diese Tradition abrupt. In Hohnstedt, kurz vor den Toren Northeims, starben an Ostern fünf Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren. Sie hatten sich in einer eigens in den Holzstapel gebauten Höhle zum Schlafen gelegt, als junge Leute aus dem benachbarten Edesheim das Feuer morgens um vier entzündeten. Ein Osterfeuer hat es seitdem weder in Hohnstedt noch in Edesheim gegeben.
Osterwasser schöpfen
In den Dörfern im Leinebergland gab es in den zurückliegenden Jahrhunderten viele österliche Bräuche. Der wohl bekannteste ist das Osterwasser. So schöpften früher junge Frauen in der Zeit von 12 bis 1 Uhr schweigend das Osterwasser. Sie füllten Krüge und andere Behälter, um damit Mensch und Vieh zu versorgen. So beschreibt es der ehemalige Kreisheimatpfleger Gerhard Kraus in seiner Broschüre „Brauchtum im Leinebergland“. „Eine Flasche“, so der Autor, „wurde gut verkorkt das ganze Jahr über aufbewahrt“. Denn: Dem Osterwasser wurden früher heilende Kräfte als Mittel gegen entzündete Augen, unreine Haut und überhaupt Krankheit zugebilligt. Und es sollte gegen Verhexung und bösen Zauber helfen.
Kräftige Schläge mit Holzstöcken
Daneben frönte die Jugend in den Dörfern im Leinetal in der Osterzeit zahlreichen besonderen Spielen. Laut Kraus ist aus Burgstemmen eine Spielregel erhalten geblieben. Das Spiel heißt „Triule int Lock“, die Spielregeln sind schwer verständlich und am Ende kassierte der Verlierer einige kräftige Schläge mit Holzstöcken auf den Allerwertesten. Überliefert sind auch Spiele aus Sellenstedt und Klein Freden. In Freden wurde laut Kraus an den Sonntagen von Ostern bis zum 1. Mai das „Saue-Spiel“ betrieben. Als die Verkopplung die allgemeine Benutzung der Wiesen aufhob, endete diese Spieltradition, bei der es zuweilen auch schmerzhaft zur Sache ging.
Kinder basteln Nester aus Moos
Heute geht es da weniger rabiat zu. Nach wie vor malen in den Kindergärten und Grundschulen vor Ostern Mädchen und Jungen Ostereier bunt an. Sie dienen zu Hause als Osterschmuck. Geblieben ist die Tradition, dass kleine Kinder im Garten aus Moos Nester bauen. Dort legen dann Eltern oder Großeltern Süßigkeiten oder kleine Präsente hinein, die dem Brauch nach „der Osterhase“ den Mädchen und Jungen am Ostermorgen gebracht hat.
Mitten in der Natur werden Büsche mit bunten Ostereiern geschmückt. Vor allem rund um den Duinger Bruchsee ist dieser Brauch verbreitet.
Viele Kirchengemeinden im Leinetal laden die Christinnen und Christen an Ostern nach dem Gottesdienst zum anschließenden Osterfrühstück ein. Es symbolisiert Gemeinschaft, das Ende der Fastenzeit und die Feier der Auferstehung Jesu.
Von Thomas Jahns.
