Gronau - Der Arzneimittelhersteller Haupt Pharma Wülfing plant in Gronau offenbar tatsächlich einen Personalabbau, verspricht zugleich aber Investitionen in Millionenhöhe und längerfristige Großaufträge für den Standort. Das ist das Fazit der Gewerkschaft IG BCE nach einer Belegschaftsversammlung bei einem der größten Arbeitgeber im Leinebergland.
40 statt 37,5 Stunden
Die Zusagen für neue Investitionen machte demnach Jan Kengelbach. Der Vorstandschef des Haupt-Mutterkonzerns Aenova war eigens vom Unternehmenssitz im bayerischen Starnberg nach Gronau gekommen, um vor den Beschäftigten zu sprechen. Aenova stehe kurz vor dem Abschluss eines langfristigen großen Liefervertrages mit einem wichtigen Kunden. In diesem Zuge solle die Herstellung eines bestimmten Medikaments in Gronau deutlich ausgeweitet werden, weshalb Aenova viel Geld in den Standort stecken wolle.
Das sei eine gute Nachricht, sagt der kommissarische Bezirksleiter der Gewerkschaft IG BCE in der Region, Michael Wolters. Kengelbachs Versprechen änderten allerdings nichts daran, dass der Konzern auf der anderen Seite daran festhalte, die Personalkosten in Gronau zu senken. Dazu soll einerseits beitragen, die Arbeitszeit ohne Lohnausgleich von 37,5 auf 40 Stunden zu erhöhen, was außerhalb der Schichtbereiche auch schon umgesetzt sei. Andererseits setze Aenova seine Praxis fort, ausgewählten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Aufhebungsverträge anzubieten.
Mehr Geld bei Kündigung?
Dabei habe das Unternehmen eine Zielgröße von 240 Beschäftigten genannt, die es offenbar mithilfe von Aufhebungsverträgen und natürlicher Fluktuation erreichen will, berichtet Gewerkschafter Wolters weiter. Das wären 50 weniger als jetzt, nachdem rund zehn Beschäftigte die Firma bereits auf diesem Wege verlassen haben. „Sollte der Personalabbau darüber hinausgehen, also ab 240 Beschäftigten abwärts, würde das Unternehmen Entlassungen nach unserer Kenntnis inklusive Interessenausgleich und Sozialplan anstreben.“
Die Frage, wie Haupt Pharma Wülfing Personal abbaut, ist zwischen Gewerkschaft und Unternehmen umstritten. Die IG BCE hält der Firma vor, durch das Angebot von Aufhebungsverträgen, deren Adressaten tendenziell zum Unterschreiben gedrängt würden, Kündigungen zu umgehen und Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan so zu vermeiden. Denn dieser Weg würde die Betroffenen finanziell besserstellen, und anders als bei Aufhebungsverträgen müssten sie keine dreimonatige Arbeitslosengeld-Sperre durch die Agentur für Arbeit fürchten.
Aenova hat sich bisher nicht zu dem Thema geäußert.
