Grünenplan - Die Scheiben der Umkleiden sind eingeworfen. Der Sprungturm ragt wie ein Mahnmal der Vergänglichkeit in den Winternebel. An einem Treppenaufgang verrät ein verwittertes Schild, dass es dort einmal zur Caféteria ging. Der gesamte Bereich am Rehbeutelweg in Grünenplan ist eingezäunt. Zwischen Grundschule, Kleingärten und Waldrand liegt eine knapp 1,5 Hektar große Fläche, die wie ein Lost Place anmutet – ein vergessener Ort.
Frei- und Hallenbad waren früher rege bevölkert
Dabei herrschte dort früher reges Treiben: Ein Freibad und ein Hallenbad lockten zum Schwimmen und Erholen viele Menschen an. So mancher heute Erwachsene hat dort als Kind sein Schwimmabzeichen gemacht: von Seepferdchen bis Gold. Oder erst einmal das Schwimmen gelernt. Das war einmal. Doch so ganz vergessen ist der Ort dann auch wieder nicht: Bereits seit gut drei Jahren existiert die Idee, das verlorene Terrain in den urbanen Bereich zurückzuholen.
Aber noch einmal eine Rückblende: Das Grünenplaner Freibad eröffnete im Olympia-Jahr 1936. Ein Hallenbad kam 1974 hinzu. Das Freibad schloss nach der Saison 2009, das Hallenbad bereits vier Jahre zuvor. Aus Kostengründen. Und wohl auch deshalb, weil sich kein Förderverein bildete, der den Betrieb übernahm, wie in Delligsen und Hohenbüchen? Dieser Annahme widerspricht Holger Mittendorf, leitender Mitarbeiter der Delligser Verwaltung. Das Freibad sei sehr wohl einem Trägerverein übergeben worden. Dennoch war 2009 Schluss. Seither verfallen die Anlagen und bilden einen „städtebaulichen Missstand“, wie es in einem Papier der Delligser Verwaltung festgehalten und unschwer zu erkennen ist.
Grünenplaner Firma will am Rehbeutelweg bauen
Möglicherweise hätte sich am Status quo auch in den nächsten Jahren nichts geändert, wenn nicht ein ortsansässiger Betrieb Interesse an dem Gelände angemeldet und damit eine Initialzündung für Neues am Grünenplaner Waldrand gegeben hätte. Die HeiTec Rohstoffe GmbH möchte am Rehbeutelweg ihren Firmensitz errichten, wie es in einer Informationsvorlage der Verwaltung heißt. Dieses Vorhaben soll zum Anlass genommen werden, den gesamten Bereich aus seinem miserablen Zustand zu holen und die Ruinen abzureißen (wie diese Zeitung bereits berichtete).
Allerdings ist kein Gewerbegebiet geplant, sondern ein Mischgebiet mit Gewerbe im Norden plus Wohnen im Süden. Dazu ist eine Änderung des Flächennutzungsplans nötig. Nach bisheriger Planung sollen die Flächen so effektiv wie möglich für die Bebauung genutzt werden, von „sparsamer Inanspruchnahme von Grund und Boden“ ist die Rede. Eine bestimmte Bauweise soll nicht vorgegeben werden. Auch weitere Gewerbebetriebe neben der angesprochenen Firma sollen sich im Bereich der Mischgebietsflächen ansiedeln können, sofern es sich um „nicht störendes Gewerbe“ handelt.
Eine erste Auslegung erfolgte im vergangenen Jahr
Eine erste Auslegung der Planungen erfolgte im vergangenen Jahr. Anlieger, Behörden und Verbände konnten Hinweise geben oder Einspruch erheben. Die meisten Hinweise waren redaktioneller Art, wie Mittendorf informiert. Vom Landkreis Holzminden kam die Info, dass beim Abriss von Gebäuden, die vor dem 31. Oktober 1993 errichtet worden sind, mit asbesthaltigen Bauprodukten gerechnet werden kann. Außerdem bestehe eine „extrem hohe Gefährdung der Bodenerosion durch Wasser aufgrund der Hanglage“.
Zum Stand der Dinge erläutert Mittendorf: „Der Rat fasst Mitte März die Abwägungsbeschlüsse.“ Eine nochmalige öffentliche Auslegung ist für Ende März vorgesehen, dann für einen Monat. Und weiter: „Es ist geplant, dass nach erneuter Vorbereitung durch den Ortsrat, Bau- und Planungsausschuss und Verwaltungsausschuss der Rat im Juni den Bebauungsplan und die Änderung des Flächennutzungsplans als Satzung beschließt. Nach Veröffentlichung im Amtsblatt sind dann beide rechtskräftig.“
Die deutschen Mühlen mahlen bei Bauvorhaben langsam
Darauf hofft Henner Heise schon sehr lange. Er ist einer der beiden Geschäftsführer der HeiTec GmbH. Das Unternehmen hatte 2020 ein Areal am Rehbeutelweg erworben und seine Pläne vorgestellt. Seitdem übt sich die Geschäftsleitung in Geduld und harrt darauf, dass die Mühlen deutscher Bau- und sonstiger Behörden mahlen. Liegen alle Genehmigungen vor, könne zur konkreten Planung übergegangen werden, sagt Heise auf Nachfrage dieser Zeitung. „Wir warten darauf schon seit Jahren.“ Die Firma ist nach eigenem Bekunden weltweit aktiv und behandelt beziehungsweise handelt etwa mit Metallen, Verbund- und Rohstoffen.
Und so geht es weiter: Der Ortsrat Grünenplan beschäftigt sich in seiner Sitzung am 11. Februar, der Bau- und Planungsausschuss am 19. Februar mit dem Thema. Im Gemeinderat liegt die Vorlage am 12. März auf dem Tisch. Zur Beschlussfassung.
