Serie „anders sportlich“

Handball ohne Fouls und Schiedsrichter? – In Alfeld geht das

Alfeld - Anders sportlich – das ist eine Serie dieser Zeitung, in der Sportredakteur Lars Lippert zusammen mit David Paasche Sportarten ausprobiert, die nicht unbedingt gewöhnlich sind. Heute: Five-a-Side.

Ein besonderer Ball: beim "Five-a-Side" zeigt mir Abteilungsleiter Reiner Wendlandt das grüne Spielgerät. Foto: Ellen Seegers

Alfeld - Ich muss doch glatt zweimal zugreifen bei diesem grünen Ball. Nicht, weil er so hart aufgepumpt ist und ich ihn sonst nicht festhalten könnte, sondern weil ich beim Handball etwas anderes gewohnt bin: stärker aufgepumpt und mit Backe (Baumharz, damit der Ball besser zu kontrollieren ist). Aber halt, ich bin ja gar nicht beim „normalen“ Handball, sondern bei der Variante „Five-a-Side“.

Denn die SV Alfeld bietet seit ein paar Wochen diese Art des Handballspielens an, bei der es weniger um den Wettkampf als um den Spaß an der Bewegung mit Ball geht. Das musste ich einfach mal ausprobieren.

Gravierende Unterschiede

Es gibt gravierende Unterschiede zum regulären Spielbetrieb: „Es gibt keinen Körperkontakt, daher brauchen wir auch keinen Schiedsrichter“, erklärt Handball-Abteilungsleiter Reiner Wendlandt.

Ich merke sofort, dass das eine gute Idee ist. Denn die Stimmung ist gelöst, es spielen Männer und Frauen mit, die noch nie oder vor Jahrzehnten den Ball in der Hand hatten. „Das ist der Reiz des Ganzen“, unterstreicht auch Kerstin, die irgendwann während der Schulzeit mal Handball gespielt hat. „Ich wollte einfach mal wieder etwas für mich tun“, fährt sie fort. „Und Handball finde ich toll, nur eben nicht den harten mit viel Körperkontakt. Da ist mir das hier viel, viel lieber.“

Aufwärmen nicht vergessen

Aber vor dem Spiel geht es trotzdem erst einmal ans Aufwärmen. „Five-a-Side“ zwar ohne Körperkontakt, aber immer noch mit Laufen und Werfen verbunden. Ich laufe ein paar Runden durch die Halle und dehne Beine und Arme. Ein bisschen Einwerfen und die Gewöhnung an den grünen „platten“ Ball schließen sich an.

Dann geht es los: Diesmal heißt es „Alt gegen Jung“. Hier liegt ein weiterer Vorteil des Sports, denn „Five-a-Side“ ist für (fast) jedes Alter geeignet. Auch bei meinem ersten Training ist die Altersspanne groß, vom aufstrebenden Zwölfjährigen bis zum rüstigen Handballveteranen um die 65. Alles ist vertreten. Und alle werden ins Spiel mit einbezogen, egal, ob sie vorher schon einmal Handball gespielt haben oder nicht.

Nicht zu viel prellen

Eine Regel sollte übrigens jeder beachten: Tippen oder Prellen mit der knautschigen grünen Kugel ist enorm schwierig, da fällt schon mal die Schrittfehlerregel (nach dem dritten Schritt muss normalerweise einmal geprellt werden, sonst pfeift der Schiedsrichter ab) einfach weg. Es geht fast grundsätzlich im Direktpassspiel weiter, denn wenn der Ball mal auf den Boden prallt, kommt der kaum noch hoch.

Das Spiel beginnt mit einem Hochball: Den gewinne ich. Also hat meine Mannschaft den Vorteil, als Erste angreifen zu dürfen. Ich versuche gleich einmal, wie ich es gewohnt bin, mich durchzutanken und mit einem angedrehten Ball in Richtung Tor den ersten Treffer zu erzielen. Doch da kommt wieder der „Knautschball“ ins Spiel. Der Wurf misslingt. Und „Jung“ hat die Kugel.

Es geht immer hin und her. Hier fällt ein Tor, dann geht es sofort mit dem Abwurf weiter ohne Mittelanwurf. Aber das Schöne: Man muss mit dem Tempo der Jüngeren nicht unbedingt mithalten und -gehen. Denn am Ende kommt es mehr auf die Übersicht und den genauen Pass an, als auf Schnelligkeit und Wurfkraft.

Zudem werden die Angriffe immer in Überzahl gespielt, da es keinen festen Torwart gibt. Daher hat die angreifende Mannschaft stets einen Akteur mehr zur Verfügung.

Tore sind niedriger

Was mich zu Beginn ein wenig irritiert, ist, dass die Tore um einiges kleiner, vielmehr niedriger sind. Denn als ich als Keeper zwischen den Pfosten stand, kam sogar ich mit meinem Kopf direkt an die Latte. Ich fühlte mich gleich ein bisschen wie Torwart-Ikone und Nationalspieler Andreas Wolff.

Wir spielen jeweils zwölf Minuten ein Match. Was sind denn zwölf Minuten, normalerweise bin ich doch während einer Handballpartie 60 Minuten unterwegs? Doch auch hier bin ich geschafft, denn durch die kurzen Sprints und die ständige Bewegung bin ich am Ende der Trainingseinheit ganz schön kaputt.

Auch integrative Sportart

Dieser Sport ist nicht nur etwas, um auch im fortgeschrittenen Handballer-Alter fit zu bleiben. Sondern: „Diese Art des Spielens ist nicht nur etwas für Anfänger oder Ältere“, ist sich Wendlandt sicher. „Wir können uns auch durchaus vorstellen, ihn als integrative Sportart einzuführen. Denn er ist recht niederschwellig und dafür sehr gut geeignet. Das machen auch schon andere Vereine.“

Da gehe ich vollkommen mit. Und werde sicherlich wiederkommen.

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