Hildesheim - Der Hildesheimer Unternehmer Knut Bettels baut die Kapazitäten seiner Unternehmensgruppe im Bereich Windkraft weiter massiv aus. Bettels hat jetzt eine insolvente Gießerei aus Rheinland-Pfalz übernommen, die unter anderem Stahl-Bauteile für Windräder herstellt. Die Hildesheimer Firmengruppe verfügt bereits über zwei Unternehmen in Emden und Magdeburg, die Betontürme für Windräder produzieren und derzeit in starkem Maße Aufträge hinzugewinnen.
Heger war zahlungsunfähig
Bettels hat sich die Mehrheit an der Heger Ferrit GmbH aus Enkenbach bei Kaiserslautern gesichert. Das Familien-Unternehmen hatte im September vergangenen Jahres einen Insolvenzantrag gestellt, durfte das Verfahren aber in Eigenverwaltung absolvieren – was die Insolvenzgerichte in der Regel nur bei guten Fortführungs-Prognosen gestatten.
Als einen der Gründe für die Zahlungsunfähigkeit im Vorjahr nannte Heger den noch immer stockenden Ausbau der Windenergie in Deutschland. „Das Anziehen des Marktes und ein regelrechter Wind-Boom werden für das nächste Jahr vorhergesagt“, erklärte Geschäftsführer Johannes Heger, der in dieser Funktion und als Miteigentümer – Bettels hält künftig 74,9, die Familie Heger 25,1 Prozent der Firmenanteile – an Bord bleiben soll. Es ist nicht das erste Mal, dass sich Knut Bettels ein Unternehmen aus der Branche sichert, das angesichts der Energiewende zwar mit einer guten Zukunft rechnete, die Umsatzlücke bis dahin aber nicht zu schließen vermochte.
Von 38 auf 250 Windrad-Türme?
In ähnlichen Konstellationen übernahm Bettels in den vergangenen Jahren bereits die Firma WEC Turmbau in Emden und SAM in Magdeburg. Beide boomen angesichts der steigenden Nachfrage im Bereich Windkraft inzwischen. Auch wenn Knut Bettels aufgrund des zögerlichen Aufschwungs bei der Windenergie inzwischen zum Beispiel in Emden nur noch mit 200 bis 250 neuen Windrad-Türmen im nächsten Jahr rechnet statt ursprünglich mit 300 – eine Vervielfachung gegenüber den 38 Betontürmen aus dem Vorjahr wäre es gleichwohl.
Eine positive Entwicklung traut Knut Bettels in den nächsten Jahren auch der Gießerei Heger zu. Das Traditions-Unternehmen aus der Nähe von Kaiserslautern war im Jahr 1902 gegründet worden. Es kann Gussteile bis zu einem Gewicht von 30 Tonnen produzieren. Nach eigenem Bekunden ist das Unternehmen „einer der größten Hersteller von Windkraft-Gussteilen in Europa.
Viele Stellen entfallen zunächst
Genau die richtige Ergänzung für seine Firmengruppe, findet Knut Bettels, der mit seinen Finanzierungs-Zusagen die Aufhebung des laufenden Insolvenzverfahrens bei Heger ermöglicht.“ Unsere langjährigen Erfahrungen im Bereich der Fertigbeton- und Stahltürmen und hervorragende logistische Möglichkeiten bieten beste Voraussetzungen“, freut sich der Hildesheimer mit Blick auf die bereits jetzt in seiner Firmengruppe zusammengefassten Betriebe.
Allerdings profitieren längst nicht alle bisherigen Beschäftigten der Firma Heger von der Übernahme. Von ursprünglich 270 Arbeitsplätzen blieben im Zuge der Insolvenz zunächst nur 100 erhalten – die freilich ohne den Bettels-Einstieg auch noch hätten wegfallen können. Der Hildesheimer Unternehmer betont aber: „Perspektivisch werden wieder in erheblichem Umfang Anstellungen erfolgen.“
