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Historischer Hingucker: Erst Goldgrube, später Abriss – Hildesheims einstiger Western Saloon

Hildesheim - Günstig war er nicht und trotzdem überaus populär: Vom Anfang und Ende des Hildesheimer Western Saloons.

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Er galt als Goldgrube und war lange Zeit ein legendärer Treffpunkt in der Stadt, doch dann fiel Hildesheims Western Saloon in der Dammstraße den Baggern zum Opfer und zwar am 22. März 1975. Die historische Aufnahme von damals zeigt den Abriss in vollem Gange – nur noch die Fassade mit dem markanten Schriftzug ist zu sehen.

Zwischen Dammtorkreuzung und Eselsgraben befand sich mit dem „Georgenpark“ seit den 1850er Jahren eine der ältesten Ausflugsgaststätten der Stadt. Die Namensgebung erfolgte vielleicht als Anspielung auf den zwischen 1835 und 1841 in Hannover entstandenen Georgengarten, könnte aber auch mit der Thronbesteigung von König Georg V. von Hannover 1851 zusammenhängen. Silvio de Lorenzo zog mit dem von seinem Vater 1895 gegründeten Eisgeschäft „Eis-Onki“ 1925 hierher um. Über drei Generationen galt das Eis der Familie de Lorenzo bis zur Aufgabe 1992 als das beste in der Stadt. Der „Georgenpark“ wurde beim Bombenangriff 1945 zerstört.

Nach dem Wiederaufbau durch die Familie de Lorenzo zog hier in den späteren 1950er Jahren zunächst bürgerliche Gastronomie ein, die später etwas „handfester“ wurde. Vor allem Soldaten der Rheinarmee fühlten sich wohl von der Lokalität mit dem in britischen Ohren so vertraut klingenden Namen angezogen.

Mit dem Gastronomen Klaus Köchert begannen die „Goldenen 1960er- Jahre“, die einen Hauch von weiter Welt in die niedersächsische Provinz brachten. Die HAZ bescheinigte dem „findigen“ Unternehmer damals, mit erheblichem Aufwand aus dem Lokal den „Western Saloon“ gemacht und damit „für Hildesheim die Ära der gehobenen Diskotheken für die reiferen Twens mit der nicht so schmalen Brieftasche“ eingeleitet zu haben. Preiswert ging es hier nicht zu, an der „in jeder Hinsicht gut bestückten Bar“ wurde so manche Flasche edlen Whiskys konsumiert.

Auch eine „ausgezeichnete“ Küche, in der man, „für Hildesheim damals nicht eben selbstverständlich“, sogar „spät abends noch warm essen konnte“, lockte die Gäste in Scharen an. Vielleicht trug auch das benachbarte „Rosa Haus“ zur Popularität des Betriebes bei. Mit Köcherts Auszug waren die großen Zeiten aber schnell vorbei. Nach einem preiswerten Mittagstisch für Studenten wurde eine Unterkunft für Gastarbeiterinnen eingerichtet – anschließend kamen die Abrissbagger zum Einsatz: Der Western Saloon wurde abgerissen, um den verkehrsgerechten Ausbau der Dammstraße im Bereich der Dammtorkreuzung zu ermöglichen.