Alfeld - Der Industrie im Landkreis Hildesheim droht der nächste schwere Schlag: Der Maschinenbaukonzern Michael Weinig AG will seine Alfelder Niederlassung Weinig GreCon aufgeben. Geplant ist eine Verlagerung der Produktion an den bayerischen Standort Illertissen. Das berichtete Mike Wasner, Gewerkschaftssekretär der IG Metall, nach einer bundesweiten Informationsveranstaltung der Weinig AG für ihre Beschäftigten. Setzt der Konzern seine Pläne um, kostet das in Alfeld rund 140 Arbeitsplätze.
„Auftragslage unter den Erwartungen“
Die Weinig AG mit Hauptsitz in Tauberbischofsheim will im Rahmen ihres Konzeptes „Transformation 2027“ insgesamt 400 Arbeitsplätze abbauen, den überwiegenden Teil davon in Deutschland. Das hatte die Unternehmensgruppe am Mittwoch angekündigt. Zur Begründung führt sie unter anderem die Unsicherheit durch die Handels- und Zollpolitik der USA, den Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie die Auswirkungen des Ukraine-Krieges an.
Diese Entwicklungen führten dazu, dass viele Unternehmen Investitionsentscheidungen verschöben, heißt es weiter. Das wiederum habe bei Weinig zur Folge, dass „die Auftragslage hinter den Erwartungen zurückbleibt“. Zwar nimmt die Unternehmensgruppe für sich in Anspruch, dass sie sich „in den vergangenen Jahren erfolgreich durch ein herausforderndes Marktumfeld navigiert und sich dabei besser entwickelt hat als der Branchendurchschnitt“. Dennoch komme die Weinig AG nicht umhin, „Kostenstrukturen anzupassen“.
Rettet ein bundesweiter Lohnverzicht den Standort?
Der Betriebsratsvorsitzende von Weinig GreCon in Alfeld, Hans-Joachim Brömelmeyer, sprach auf Anfrage der Redaktion von einem „Schlag ins Kontor für jeden einzelnen Mitarbeiter“. Der Begriff der Transformation sei aus seiner Sicht auch nicht treffend: „Das ist für mich nichts weiter als ein Stellenabbau.“ Weitere Fragen zur aktuellen Situation wollte Brömelmeyer am Mittwoch nicht beantworten.
Die IG Metall möchte unterdessen versuchen, die Aufgabe des Standortes Alfeld und auch einer weiteren Niederlassung in Malterdingen (bei Freiburg) noch zu verhindern. Sie möchte mit der Weinig AG über einen Zukunftstarifvertrag verhandeln. Ein solches Abkommen beinhaltet in der Regel Lohnverzicht oder unbezahlte Mehrarbeit, im Gegenzug soll der Arbeitgeber auf die Schließung von Standorten verzichten. Weinig wollte sich über seine eigene Pressemitteilung hinaus am Mittwoch nicht äußern.
Einstieg im Jahr 1998
Das Unternehmen Weinig GreCon hat seine Wurzeln im Jahr 1998. Seinerzeit gründete Fagus GreCon mit der Firma Dimter aus Illertissen eine gemeinsame Tochterfirma, die „GreCon Dimter Holzverarbeitung“. Dimter gehörte damals schon zur Weinig-Gruppe und wurde zunächst mit 60 Prozent der Anteile Mehrheitseigner an der neuen Firma. Später übernahm Weinig den Betrieb vollständig und benannte die Firma in Weinig GreCon um. Sie blieb als Mieter am Fagus-Standort in Alfeld.
Weinig GreCon produziert vor allem sogenannte Keilzinkanlagen für die Holzverarbeitung. „Wir sind in diesem Bereich seit über 25 Jahren die Nummer eins auf dem Weltmarkt“, betont die Weinig-Gruppe selbstbewusst.
Gute halbe Milliarde Euro an Jahresumsatz
Die Ursprünge der Weinig-Gruppe liegen im Jahr 1905. Mittlerweile hat die Unternehmensgruppe rund 30 Tochtergesellschaften und Niederlassungen. Produktionsstandorte gibt es in Deutschland, Österreich, Luxemburg, USA und China. Rund 2400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erwirtschafteten im Jahr 2024 – dem letzten, für das diese Daten bereits bekannt sind – einen Jahresumsatz von 524 Millionen Euro. In den beiden Jahren davor lag der Umsatz jeweils knapp unter 600 Millionen Euro.
