Alfeld - Für Sebastian Lechner ist es der erste Gang durch die Alfelder Fußgängerzone. Und eines bleibt auch dem Chef des Landesverbandes der CDU und Vorsitzenden der Landtagsfraktion dabei nicht verborgen: die Leerstände in der Leinstraße. „Der Anblick eines typisch niedersächsischen Mittelzentrums“, sagt Lechner. Er selbst lebt in Neustadt am Rübenberge, „da sieht es nicht anders aus“. Die Städte müssten einen neuen Weg gehen, sagt er. Das Rad lasse sich nicht mehr zurückdrehen. Wie auch die Tatsache, dass immer mehr Krankenhäuser in der Fläche schließen. Alfeld ist auch da keine Ausnahme. Für die Notfallversorgung in kleineren Kommunen brauche es ein neues Modell, sagt Lechner und beschreibt eine Möglichkeit, die auch für Alfeld ein Weg sein könnte.
Weniger Handel und Gewerbe, mehr Wohnraum – das müsse das Innenstadtkonzept der Zukunft sein, so Lechner. Ein Konzept, das Alfeld bereits für sich entdeckt hat, sagt Andreas Behrens, CDU-Fraktionsvorsitzender im Alfelder Stadtrat, und erinnert unter anderem an das Förderprogramm, das die Stadt aufgelegt hat. Das soll privaten Hausbesitzern in der Innenstadt helfen, ihre Gebäude dafür auszubauen oder zu modernisieren.
Zu viele Auflagen bei Innenstadtentwicklung
Doch Bauauflagen und Denkmalschutz machen das mitunter dennoch zum Problem. „Da will doch bald keiner mehr umbauen, wenn das so schwierig und teuer ist“, sagt Laura Hopmann mit Blick auf die Fachwerkhäuser in der Innenstadt. Das Land müsse noch seine Hausaufgaben machen, räumt Lechner ein. Das sogenannte Umbaurecht sollte dringend entschlackt werden. „Es muss auch möglich sein, Ausnahmen zu definieren“, so Lechner zum Thema Denkmalschutz. Eine entsprechende Eingabe ans Land will er auf den Weg bringen.
Und nicht nur Bau- und Denkmalschutz will Lechner, der schon jetzt auf Wahlkampf schaltet, obwohl die Landtagswahl erst im Herbst 2027 ist, reformieren. Auch die unzähligen Förderprogramme will er unter die Lupe nehmen, die Hälfte davon streichen – und das Geld daraus direkt an die Kommunen verteilen. Behrens, der in Alfeld Bürgermeister werden will, findet den Plan gut: „Zumal das Land mit dem Bearbeiten der Förderanträge überfordert ist.“
Neues Modell für Notfallversorgung
Und was sagt Lechner dazu, dass Alfeld sein Krankenhaus verloren hat? „Das ist ein Problem. Es fehlt nun vor allen Dingen eine Anlaufstelle für die Notfallversorgung“, sagt er. Sein Eindruck sei, dass die Region mit Schaffung der Medizinischen Versorgungszentren den Wegfall des Krankenhauses ganz gut kompensiert habe. Eine Idee könnte sein, dort auch eine Notfallversorgung zu etablieren. „Mit Schockraum, zwei oder drei Betten“, erklärt der Christdemokrat. Er hofft nun auf die Krankenhausreform, „die den Ländern mehr Einfluss ermöglichen würde“, sagt er. Behrens hält das Modell für Alfeld möglich: „Zumal sich hier ohnehin einige der ehemaligen Krankenhausärzte angesiedelt haben. Die Expertise wäre also vorhanden.“

