Alfeld - Die Zahl der Straftaten im Südkreis ist im Jahr 2025 gestiegen – um 340 auf insgesamt 1876 (2024: 1536). Das liegt vor allem daran, dass es immer mehr Betrugsfälle gibt. Zugleich ist die Aufklärungsquote so hoch wie seit zehn Jahren nicht: 77,13 Prozent betrug sie im vergangenen Jahr, 2024 waren es 73,96 Prozent.
Diese Zahlen gelten für das Polizeikommissariat Alfeld, das für die Stadt Alfeld, für die Gemeinden Sibbesse und Freden sowie für den Flecken Duingen zuständig ist – und damit für die Sicherheit von rund 32.500 Menschen. Auf 1000 Einwohner kommen damit 58 Straftaten. Im überregionalen Vergleich ist das ein eher niedriger Wert. Für ganz Niedersachsen liegt diese Quote bei etwas über 63. Insgesamt haben die Beamten im Jahr 2025 gegen 1012 tatverdächtige Personen ermittelt. Die Zahl der Ermittlungsverfahren liegt bei 2025.
„Ich kann nur hoffen, dass die Leute sich sicher fühlen“
„Die gestiegene Zahl der Straftaten führe ich, neben der Steigerung bei den Betrugsdelikten, vor allem darauf zurück, dass wir im vergangenen Jahr außergewöhnlich niedrig lagen“, erklärt Susan Conrady, Leiterin des Kriminalermittlungsdienstes. Auch wenn die Werte für sie in den meisten Bereichen kaum Anlass zur Bestürzung bieten, weiß sie: Das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger hat nicht zwangsläufig etwas mit den tatsächlichen Zahlen zu tun. „Ich kann nur hoffen, dass die Leute sich sicher fühlen“, betont die Kommissarin. „Wir tun dafür jedenfalls alles, was wir können.“
Betäubungsmittel: Im Bereich der Rauschgift- und Betäubungsmittelkriminalität sind die Fallzahlen im Jahr 2025 leicht gestiegen. Während die Zahlen 2024 aufgrund der Teillegalisierung von Cannabis erheblich gesunken waren, verzeichneten die Beamten nun wieder einen Zuwachs von 36 auf 60 Straftaten. Die Fallzahlen aus den Jahren vor der Teillegalisierung sind damit jedoch bei Weitem nicht erreicht.
Rohheitsdelikte: In diesem Bereich (zu dem etwa Raub und Körperverletzung gehören) sind die Zahlen 2025 insgesamt leicht gestiegen: um 3,74 Prozent – von 401 im Jahr 2024 auf 416 Straftaten im vergangenen Jahr. Diese Delikte machen etwa 22 Prozent der gesamten Straftaten im Zuständigkeitsbereich der Alfelder Polizei aus. Die Aufklärungsquote blieb hier mit 95,91 Prozent (2024: 94,76 Prozent) hoch.
Häusliche Gewalt: Im Bereich „Häusliche Gewalt“ ist ein Anstieg von 14,71 Prozent zu verzeichnen – die bekannt gewordenen Straftaten stiegen im vergangenen Jahr von 170 (2024) auf 195 an. Darunter fallen Straftaten aus verschiedenen Deliktsbereichen, die innerhalb einer Partnerschaft, Ex-Partnerschaft oder Familie begangen werden. „Damit vergrößert sich das Hellfeld in diesem Bereich weiter“, sagt Conrady. „Es lässt auch hoffen, dass immer mehr Opfer den Weg aus der Gewalt finden, indem sie sich an die Polizei wenden.“ Sei eine Tat erst einmal bekannt und angezeigt, sei auch der Weg für die Opfer hinein in Hilfs- und Unterstützungsangebote nicht mehr weit.
Messerangriffe: Während die Zahl der Messerangriffe im Jahr 2024 auf insgesamt 21 Fälle gestiegen war, ging sie 2025 wieder zurück: auf 11 Fälle. Bei 7 Taten wurde die Verwendung des Messers nur angedroht, in vier Fällen kam das Messer tatsächlich zum Einsatz, sodass die Opfer leichte Verletzungen davontrugen. Statistisch erfasst wird das Phänomen „Messerangriff“ erst seit 2020.
Vermögens- und Betrugsdelikte: In diesem Bereich verzeichnet die Polizei Alfeld einen starken Anstieg. Er machte im vergangenen Jahr fast ein Viertel (23,19 Prozent) der täglichen Ermittlungsarbeit im Kommissariat aus. Die Anzahl der Taten stieg von 247 (2024) auf 435. Die Aufklärungsquote konnte mit 90,8 Prozent (2024: 83 Prozent) weiter gesteigert werden. „Insbesondere für Käufe im Internet gilt: Genau hinsehen und prüfen!“, betont Kommissarin Conrady. „Gerade Internetseiten sogenannter Fake-Shops wirken oft täuschend echt, die bestellte und bezahlte Ware kommt aber nicht.“ Ähnliches gelte für dubiose Inserate auf Kleinanzeigen-Portalen. Die gestiegenen Fallzahlen führt die Polizeibeamtin vor allem darauf zurück, dass weiterhin immer mehr Menschen das Internet immer intensiver zum Einkaufen nutzen. Die gestiegenen Fallzahlen seien also kein regionales Phänomen, sondern überall zu beobachten.
Straftaten gegen ältere Menschen: Teil des Bereichs der Vermögens- und Betrugsdelikte sind die „Straftaten zum Nachteil älterer Menschen“ – als „alt“ gelten alle Bürgerinnen und Bürger ab einem Alter von 60 Jahren. Während die Alfelder Polizei hier im Jahr 2024 noch einen Anstieg verzeichnete, sank die Fallzahl 2025 wieder leicht: Es kam zu 23 (2024: 29) Fällen, bei denen ältere Bürgerinnen und Bürger Opfer von Straftaten durch Trickbetrüger und -diebe wurden. 18 der 23 Taten blieben erfolglos, da die Opfer die Betrugsmasche rechtzeitig erkannten (2024: ebenfalls 18).
„Die Täter wenden immer neue Betrugsmaschen und perfidere Tricks an, um ältere Menschen um ihr Erspartes zu bringen“, erklärt Conrady. „Sie passen sich bei ihrem Vorgehen den gesellschaftlichen Entwicklungen und technischen Veränderungen an.“ In den meisten Fällen zielen sie auf die Sorge der Opfer um Familienangehörige ab – „wie beim sogenannten Enkeltrick oder einer Kautionsforderung für einen von Haft bedrohten nahen Verwandten“.
Das Polizeikommissariat Alfeld hat seine Präventionsarbeit in diesem Bereich im vergangenen Jahr nochmals intensiviert – insbesondere nach mehreren, kurz aufeinander folgenden Taten im Februar 2026 in der Gemeinde Freden. „Wir haben kurzfristig mehrere Vorträge in Alfeld, Freden, Sibbesse und Duingen angeboten“, berichtet Conrady.
Straftaten junger Menschen: 227 Tatverdächtige waren im Jahr 2025 jünger als 21. 32 Taten wurden im Umfeld der Schulen begangen. „Wir setzen hier weiterhin auf eine enge Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Schulen und auf regelmäßige Präventionsmaßnahmen“, sagt Conrady. „Bei Vorträgen versuchen wir, den Kindern und Jugendlichen aufzuzeigen, was strafrechtlich relevantes Verhalten ist und welche Konsequenzen es hat.“
Angriffe auf Rettungs- und Polizeikräfte: In 22 Fällen mussten Mitarbeitende von Polizei und Rettungsdiensten Gewalt erleben – im Jahr 2024 lag die Zahl dieser Fälle noch bei 14. „Das ist nicht zu tolerieren“, betont Conrady. Die Kolleginnen und Kollegen seien schließlich für das Allgemeinwohl im Einsatz. „Unerfreulich“ und „sehr alarmierend“ findet sie die Entwicklung, denn: „Sie spiegelt wider, wie mit Einsatzkräften umgegangen wird.“ Immerhin sei bei keinem der Einsätze im vergangenen Jahr ein Polizist oder Rettungsdienstmitarbeiter ernsthaft verletzt worden. Meist gehe es um Schläge und Tritte, während sich jemand gegen die Einsatzkräfte zur Wehr setzt.
Wohnungseinbrüche: Im Jahr 2025 gab es zehn Einbrüche mehr als im Vorjahr – insgesamt waren es 29. Bei 23 Taten waren die Einbrecher erfolgreich, bei sechs Taten mussten sie es beim Versuch belassen. Die Aufklärungsquote ist auf 24,14 Prozent gestiegen (2024: 15,79 Prozent). Hierbei konnten fünf der 23 vollendeten Taten aufgeklärt werden.
