Landwirtschaft

Landwirtschaft im Wandel: Auf dem Hof Luna in Everode tut sich was – was das für die Kunden bedeutet

Everode - Der Umbruch in der Landwirtschaft geht auch an dem biologisch wirtschaftenden Hof in Everode nicht spurlos vorbei. Zudem ist ein Prozess zur Hofnachfolge im Gange. Für Kunden gibt es einiges, das neu ist.

Sonja Bach ist auf dem Hof Luna unter anderem für den Hofladen zuständig. In dem kann jetzt auch frische Milch abgezapft werden. Natürlich von den eigenen Kühen. Foto: Ulrich Meinhard

Everode - Vor gut einem Jahr geschah auf dem Hof Luna in Everode etwas, das die Bewohner traurig stimmte, ja geradezu erschüttert hat. Die Kasse des Vertrauens im Hofladen ist von Unbekannten geplündert worden, obendrein stahlen die Diebe größere Mengen Fleisch. Seither gibt es auf dem Demeter-Hof, der Fleisch, Milch, Obst und Gemüse sowie Eier aus eigener Produktion anbietet, festgelegte Öffnungszeiten für Kunden. Und das läuft sehr gut, wie Sonja Bach auf Nachfrage versichert. Bei dieser Gelegenheit haben sie und Wilhelm Bertram, einer der Gründer des Hofes, gleich noch einige Neuigkeiten zur Zukunft des Betriebes parat.

„Unser neues System mit festen Öffnungszeiten hat sich bewährt, und zwar für beide Seiten. Wir haben jetzt viel mehr Kundenkontakt, was auch von unseren Kunden als Gewinn angesehen wird“, sagt Sonja Bach. Der Hofladen sei quasi aus einer Art Anonymität herausgetreten. Die Einnahmen über den Verkauf seien in etwa gleich geblieben. Relativ neu im Hofladen ist eine Zapfstelle für Milch, die von den 72 Kühen stammt, die der Hof Luna hält. Von dem Angler Rind, einer alten Zuchtrichtung, gibt es in Deutschland aktuell vielleicht noch 200 Tiere, 72 stehen in Everode im Stall.

Nachfolge regeln

Wilhelm Bertram hat um das Jahr 2000 die ganze Bundesrepublik abgeklappert, um die noch vorhandenen Angler möglichst aufzukaufen und in Everode gezielt zu züchten. Aber Bertram, Jahrgang 1959, der seit 40 Jahren in der Landwirtschaft arbeitet, mit Wochenarbeitszeiten von bis zu 90 Stunden, möchte allmählich kürzertreten – vielleicht auch noch mal was anderes machen, lässt er durchblicken.

Auf jeden Fall muss die Nachfolge auf dem Hof geregelt werden. Ein erster Schritt war das Einsteigen des jungen Landwirtes Chris Oelkers als landwirtschaftlicher Mitarbeiter. Seine Familie betreibt einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb in Langenholzen. Eine Kommanditgesellschaft (KG) zwischen beiden Betrieben ist ins Leben gerufen worden. Eine zweite junge landwirtschaftliche Mitarbeiterin wird womöglich demnächst anfangen. Dann könnte Bertram kürzertreten.

Mit Leidenschaft und Ausdauer

Leute zu finden, die mit Leidenschaft und Ausdauer in der Landwirtschaft arbeiten wollen, sei schwierig geworden. Hof Luna hat zwar einen Azubi, aber Studenten von den Hochschulen aus Göttingen und Witzenhausen finden kaum noch den Weg nach Everode, ganz einfach, weil ihre Zahl insgesamt deutlich zurückgegangen ist.

Das hat auch Folgen für den Hof in Everode. Es wird weniger Gemüse angebaut, die Schafzucht ist zurückgefahren, Wochenmärkte werden schon längere Zeit nicht mehr bestückt. Bertram kommentiert es so: „Man muss sich halt anpassen.“ Und doch gibt es auch Neues, wie etwa das Angebot selbst hergestellten Eises im Hofladen, natürlich aus der Milch der eigenen Kühe. Apropos Kühe: Hof Luna lässt jetzt die neugeborenen Kälber deutlich länger bei ihren Müttern als bislang, nämlich mehrere Monate. Muttergebundene Aufzucht nennt sich das.

Damit soll es zwischen Muttertier und Kalb keinen Trennungsschmerz mehr geben. „Das war uns schon immer ein Dorn im Auge“, sagt Bertram. Für die meisten Kälber heißt es dann freilich dennoch, dass ihr Weg zum Schlachter führt. Das laufe nun zumindest über den Verband Bioland.

Eine große Herausforderung

„Es ist schon eine große Herausforderung, eine ideale Landwirtschaft zu betreiben“, hebt Bach hervor. Und es gehe schließlich auch immer um Kosten: Die Löhne sind gestiegen, die Preise für Milch, Getreide und Fleisch schwanken zum Teil enorm. Verträge laufen aus, müssen neu verhandelt werden. Der Bereich Erwachsenenbildung, ein Standbein des Hofes, ist eingebrochen. Nicht zu reden von Brüssel und der Bürokratie, die den Landwirten unvermindert zugemutet wird.

„Vieles lohnt sich nicht mehr“, sagt Bertram. Er spricht von einem großen Strukturwandel, der im Gange sei. Bach ist dennoch optimistisch. „Ich denke, wir finden einen guten Weg, damit umzugehen. Etwa, indem wir uns auf unser Kerngebiet zurückgezogen haben. Die Angler sind unser Anker“, sagt die studierte Geoökologin und Physikerin. Für den Hof Luna wünscht sie sich, dass es mit dem Hofladen gut weitergeht, dass er vielleicht sogar ausgebaut werden kann. Und dass das hofeigene Credo, nämlich Landwirtschaft und Naturschutz gemeinsam zu denken, auch künftig gut umgesetzt werden kann.

Übrigens: Demnächst können Kunden über eine Milchkarte das gesunde Getränk beziehen. Je größer die Menge ist, die sie bestellen, umso geringer fällt der Preis aus. So können sie vom Mengenrabatt profitieren und trotzdem nach Bedarf Milch abholen.

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