Hildesheim - Mein Urlaub steht vor der Tür – und diese Reise bringt eine ganz besondere Herausforderung für mich mit sich, liebe Julia. Denn ich nehme gerne viel Gepäck mit und bin für alle Fälle gerüstet: Besser haben als brauchen, lautet mein Motto. Die Person, mit der ich diesmal Urlaub mache, sieht das allerdings anders. Denn für meine Schwester ist weniger mehr. Und komischerweise hat sie trotzdem immer alles dabei. Manchmal frage ich mich, ob in ihrer Mini-Reisetasche ein schwarzes Loch ist. Während ich schon für einen Wochenendtrip eine große Tasche vollstopfe und meist sogar meinen Kosmetikbeutel extra tragen muss, weil er nicht mehr reinpasst, ist in der XS-Variante meiner Schwester noch Platz. Jetzt machen wir sogar fünf Tage Urlaub – und sie hat mich überredet, nur mit Handgepäck zu reisen. Ihr unschlagbares Argument: So sparen wir viel Zeit am Flughafen! Ich hab mich drauf eingelassen. Aber mir treibt der Gedanke daran die Schweißperlen auf die Stirn. Schließlich brauche ich doch für jeden Tag mindestens zwei Outfits. Eins für tagsüber, eins für abends – und was ist, wenn ich schwitze oder kleckere? Außerdem gehört natürlich ein Strandoutfit in den Koffer, Wechselschuhe, Taschen, diverse Ersatzschlüppis (genug, um im Notfall vermutlich auch noch meine Schwester auszustatten – sicher ist sicher!), Kosmetik, Sonnencreme, Lesestoff … Das wird eng im Handgepäck! Und was ist überhaupt, wenn ich vor Ort noch shoppe? Ziemlich realistisches Szenario – Himmel, hilf! Meine Hoffnung liegt jetzt auf Koffer-Organizern und Vakuumbeuteln, mit denen man zumindest ein bisschen Platz sparen kann. Nenne ich natürlich alles mein Eigen, aus Gründen. Doch ich ahne es: Dann lauert schon das nächste Problem auf mich. Der Koffer darf nämlich nur acht Kilo wiegen. Herrje, das wird was, liebe Julia. Ein Glück, dass meine Schwester mir schon angeboten hat, dass ich zur Not etwas in ihren Mini-Koffer packen darf. Darin ist bestimmt noch Platz. Natürlich.
In der HAZ-Kolumne „Unter uns“ schreiben sich Katharina Brecht und Julia Haller zu Themen, die sie bewegen.
