Gastronomie

Partys, Feiern, Bandauftritte – und ein Geheimgang: Neue Pläne für Alfelder Kultkneipe „Annas alte Liebe“

Alfeld - Es sah alles danach aus, als wäre der 23. Mai dieses Jahres der letzte Tag für die Alfelder Kneipe „Annas alte Liebe“ gewesen. Doch jetzt gibt es Pläne, die Lokalität weiter zu betreiben – wenn auch anders als bislang.

Oliver Schwartz (links) ist der neue Eigentümer der Kultkneipe „Annas alte Liebe“. Er ist überzeugt, dass sein Party-Konzept aufgehen wird. Das Haus hat er von Volker Hampe, dem bisherigen Eigentümer, erworben. Foto: Ulrich Meinhard

Alfeld - Es tut sich was in der seit Ende Mai geschlossenen Alfelder Kultkneipe „Annas alte Liebe“. Eine Zeitungsausträgerin bleibt am Mittwochmittag vor der wochenlang verschlossenen, jetzt aber geöffneten Tür stehen und spricht die Menschen an, die sich da im Eingangsbereich versammelt haben. Ob sie denn jetzt wieder die Zeitung in den Briefkasten stecken könne, fragt sie. Antwort erhält sie von Oliver Schwartz: Ja, aber erst ab September, sagt er. Heißt das also, dass es mit der Kneipe doch weiter geht, nachdem sich der langjährige Wirt Eberhard „Ebi“ Schmidt in den Ruhestand nach Spanien zurückgezogen hat?

Auf Kauf des Kneipenschildes wurde Kauf des ganzen Hauses

Schwartz informiert an diesem Tag über einen Plan, von dem er bei der Anna-Abschiedsparty selbst noch gar nicht wusste, dass es ihn gibt. Just am 23. Mai, dem letzten Öffnungstag, kam er mit „Ebi“ über tausend Sachen ins Gespräch. So bestand er darauf, das Kneipenschild zu erstehen und seiner Sammlung diverser anderer Kneipenschilder zuzuführen. Er ging mit dem Wirt durch das Haus, um letztlich zu erkennen: „Wow, was für Möglichkeiten!“ „Annas alte Liebe“ muss fortbestehen, lautete das Fazit des Abends. Aus dem Kauf des Kneipenschildes wurde in der Tat der Kauf der gesamten Kneipe. Da hatte freilich Volker Hampe noch ein Wörtchen mitzureden, ihm gehört die Immobilie am Klinsberg 1.

Hampe ließ sich überzeugen. Er verkaufte das Haus an Schwartz. Der neue Eigentümer sagt mit glänzenden Augen: „Ich habe ganz große Pläne.“ Doch eine Kneipe im herkömmlichen Sinn will er nicht betreiben. Schwartz sieht dafür in Deutschland keinen wirklichen Markt und entsprechend keine Zukunft mehr. Es sei doch so, dass an manchen Tagen zwar die Hütte voll sei, an anderen, an den meisten Tagen der Woche aber käme kaum ein Gast. Das sei allgemein so zu beobachten und kein Alfelder Phänomen.

Braunkohlwanderungen sind Teil des neuen Konzeptes

Was also hat der 49-Jährige vor? Er spricht von einer Event-Location mit Party-Konzept. Ein Ort also, an dem Geburtstage und Hochzeiten gefeiert oder Firmenfeiern ausgerichtet werden können. Mehr noch, Schwartz plant eigene Veranstaltungen, kleine Konzerte etwa. Oder ganz groß Braunkohlwanderungen. Die würden von Dezember bis März wie von selbst laufen, in der Alfelder Region, aber auch andernorts in Norddeutschland. „Die Leute“, ist er überzeugt, „wollen Erlebnisse, wollen Kultur. Das sollen sie bekommen.“

Von außen wird sich bei „Annas alter Liebe“ nichts ändern. Der Name bleibt, das Schild bleibt. Beides unverwechselbar. Im Inneren soll es aber einige Umgestaltungen geben. So werde die Theke aus dem vorderen in den hinteren Bereich, konkret in den 2008 errichteten Neubau wandern. Einen Anbau im Hof will Schwartz nutzen, um dort eine Karaoke-Bar einzurichten. Bei einem Rundgang mit Pressevertretern zeigt er einen Weinkeller, der, lange nicht genutzt, für neuen Gebrauch hergerichtet werden soll.

In den oberen Etagen sollen Ferienwohnungen entstehen

Bei der Gelegenheit macht der neue Wirt auch einen Geheimgang aufmerksam, wie er sagt. Es handelt sich um einen Notausgang, der aus dem Kellergewölbe hinaus und auf dem Hof ins Freie führt. Den will er ins Party-Konzept mit einbinden. In den oberen Etagen sollen Ferienwohnungen entstehen, die dann auch von Gästen einer Hochzeit genutzt werden können. Überhaupt soll jeder zur Verfügung stehende Quadratmeter in das neue Konzept eingebunden werden, selbstverständlich auch die Freifläche auf dem Hof.

Schwartz mit Wohnsitz in Wettensen hat eine Zeit lang in Spanien gelebt. Eigentlich wollte er in diesem Sommer in Lloret de Mar eine Kneipe eröffnen. Doch dieses Vorhaben hat er hintenan gestellt. „Ich will mich voll auf Alfeld konzentrieren“, betont er. Ein bisschen was vom neuen Inventar hat er auch schon dabei: etwa eine digitale Bar, an der ein Gast auf Knopfdruck ein Getränk ziehen kann – in fünf Sekunden. Die Bar hat Schwartz selbst entwickelt. Das spare halt auch Personal, an dem es in der Gastronomie bekanntlich extrem mangele, wie er anmerkt.

Das erste Event ist für den 20. September geplant

Auch selbst entworfene Bierdeckel zeigt er, auf denen Spiele aufgedruckt sind, wie etwa Schiffe versenken. „Aber alles verrate ich noch nicht“, lässt es der 49-Jährige einstweilen dabei bewenden. Auf den Punkt gebracht lasse sich sagen: „Es bleibt rustikal, und wir werden viel modernisieren. Es wird bunt. Es wird schön.“ Wann wird denn neu eröffnet? „Am 20. September gibt es das erste Event“, stellt Schwartz in Aussicht.

Volker Hampe zeigt sich vom Konzept angetan: „Ich war gleich dabei“, sagt er. Für ihn sei wichtig, dass sich die Lokalität zukunftsfähig aufbaue. Und diese Chance sei hier gegeben.

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