Sicherheitstraining

Sicher auf dem Wasser: Alfelder Sappi-Werkfeuerwehr übt Rettung auf der Leine

Alfeld - Das Papierwerk in Alfeld ist umzingelt von Wasser. Bei einem Notfall kann eine Rettung mit dem Schlauchboot deutlich schneller sein. Genau das haben die Einsatzkräfte auf der Leine geübt.

Über Funk ist Daniel Schwertfeger, Chef der Sappi-Werkfeuerwehr in Alfeld, mit dem Schlauchrettungsboot verbunden. Darin sitzen Ausbilderin Pamela Sahm sowie drei Teilnehmer. Foto: Chris Gossmann

Alfeld - Da muss doch etwas passiert sein: Wer am Samstag von der Leinebrücke in Alfeld nach unten aufs Wasser schaut, sieht ziemlich eindeutige Anzeichen. Feuerwehr, Schlauchboot, Rettungswesten und ein Mann mit Funkgerät. Doch der Eindruck täuscht. „Wir wollen für Notfälle vorbereitet sein“, sagt Daniel Schwertfeger.

Der 38-Jährige leitet als Chef der Sappi-Werkfeuerwehr die angesetzte Rettungsübung. Die große Papierfabrik mitten in der Stadt ist umgeben von Wasser – der Leine und dem Mühlengraben. Das bedeutet, in einem Ernstfall wie Feuer, Chemieunfall oder Personenrettung können die ehrenamtlichen Werkfeuerwehrleute auch vom Wasser aus zum Unfallort gelangen und so schneller eingreifen.

Neuer Chef der Sappi-Werkfeuerwehr in Alfeld

Das geht natürlich nur mit einem Boot. Und genau das soll an diesem Tag geübt werden. Zehn Leute seiner insgesamt 59-köpfigen Truppe hat Schwertfeger diesmal dafür auf seiner Liste. Einer muss allerdings noch morgens absagen, weil er die ganze Nacht wegen des Scheunenbrands in Föhrste im Einsatz gewesen ist. Es ist die erste große Übung, bei der der 38-Jährige die volle Verantwortung hat. Vor wenigen Wochen hat er das Kommando als Hauptbrandinspektor übernommen. Der gelernte Schlosser ist mit der Feuerwehr bestens vertraut: Schon mit elf Jahren gehörte er zur Alfelder Jugendfeuerwehr, seit 2010 ist er bei der Werkfeuerwehr. Als Einziger bei Sappi macht er den Job nun hauptamtlich. Das reicht von Brandschutz über Gefahrenabwehr bis zur Kontrolle der 1500 Feuerlöscher, die über das ganze Werk verteilt sind. Und natürlich gehören Einsatzübungen dazu wie nun auf dem Wasser.

Auf der Leine im orangen Motor-Schlauchrettungsboot mit der Aufschrift Sappi-Werkfeuerwehr hat allerdings dann Pamela Sahm das Sagen. Die 50-Jährige, die eigentlich im integrierten Managementsystem bei der Papierfabrik arbeitet, hat jeweils drei Kandidaten im Boot. Alle tragen Rettungswesten. Was vom Ufer so einfach aussieht, hat allerdings schon so seine Herausforderungen. Dazu gehört erst mal das sichere Manövrieren des Bootes. So üben die Teilnehmer, wie man beispielsweise vorsichtig an eine verletzte Person heranfährt. „Sie soll ja nicht vor dem Bergen durch heftige Wellen zusätzlich gestresst werden“, erläutert Schwertfeger am Ufer an der Ziegelmasch.

Vorwärts- und Rückwärtsfahren mit dem 15 PS starken Motor gehört auch dazu, ebenso das sichere Anlegen am Ufer und die Handhabung der Seile. Die Einsatzkräfte steigen auf einer kleinen Landzunge direkt vom Werkgelände in das Schlauchboot. Damit beginnt schon eine weitere Schwierigkeit: In unmittelbarer Nähe ist hier nämlich der Wasserfall, in dessen Sog niemand geraten darf. „Das wäre sehr gefährlich“, warnt Ausbilderin Sahm.

Überhaupt sollte man auch auf dem Wasser ständig genau auf die Oberfläche gucken. Zwar wirkt die rund 1,50 Meter tiefe Leine an diesem Samstag spiegelglatt. Aber zwischendrin treibt Totholz, ragt eine Baumwurzel heraus, kommt eine leere Flasche entgegen. Wer vorn im Boot sitzt, macht den Steuermann auf solche Dinge aufmerksam. Immer wieder lenkt die Ausbilderin ohne viele Worte die Konzentration auf den etwa zehn Meter breiten Flussverlauf. Dann weicht das Boot aus – nicht hektisch und nur so weit, dass es nicht in flachere Stellen gerät. Und ja: Tiere wie Enten oder auch mal ein Biber sollen trotz der lauten Motorgeräusche beim Vorbeifahren keinen Schrecken bekommen. Auch darauf wird geachtet – zumindest bei der Übung.

Sie leisten auch nachbarschaftliche Löschhilfe

Bevor die Werkfeuerwehr vor acht Jahren das Motor-Schlauchrettungsboot bekommen hat, musste gepaddelt werden. „Das kann natürlich richtig Kraft kosten“, sagt der Werkfeuerwehrchef. Auch heute sind weiter Paddel dabei, falls der Motor im Einsatz streiken sollte. Wenn nötig, dann helfen seine 55 Kameraden und vier Kameradinnen auch bei der Alfelder Freiwilligen Feuerwehr und der Polizei aus – als eine Art nachbarschaftliche Löschhilfe. So wie bei einer Suchaktion nach einer vermissten Person. Aber natürlich auch auf dem eigenen Areal, als beispielsweise vor zwei Jahren eine Rohrleitung ausgetauscht werden sollte. Da hat die Werkfeuerwehr überwacht, ob jemand in Not gerät.

Vorbereitet für alle Fälle – das ist Daniel Schwertfeger wichtig. Und dafür würde seine Werkfeuerwehr selbst nachts in das Schlauchrettungsboot steigen – dann mit Scheinwerfer und Taschenlampen. „Nur wer dann routiniert fährt, kann im Ernstfall auch sicher und schnell helfen.“

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