Kultur im Welterbe Alfeld

Sie kommen mit Witz und Selbstironie ins Fagus-Werk – MEDLZ bringt 300 Zuhörer zum Tanzen

Alfeld - Nelly Palmowske, Juliane Köbe, Bianca Dolabella und Sabine Kaufmann gelten als die beste weibliche A-Capella-Band Europas und das beweisen sie am Freitagabend in Alfeld.

Nelly Palmowske, Juliane Köbe, Bianca Dolabella und Sabine Kaufmann) gelten als die beste weibliche A-Capella-Band Europas. Am Freitagabend versetzen sie das Publikum im Alfelder Fagus-Werk zurück in die 90er-Jahre. Foto: Petra Meyfarth

Alfeld - Sie kommen in originalgetreuen Outfits auf die Bühne: Mit Neonjacke, Radlerhose mit Leopardenmuster, Plateauschuhen, Glitzerkleidern und Netzstrumpfhosen. Und gleich nach der ersten Note gewinnen die vier Frauen die Besucher für sich. Die MEDLZ (Nelly Palmowske, Juliane Köbe, Bianca Dolabella und Sabine Kaufmann) gelten als die beste weibliche A-Capella-Band Europas. Am Freitagabend versetzen sie das Publikum im Alfelder Fagus-Werk zurück in die 90er-Jahre. Und das alles ohne klassische Musikinstrumente, nur kleine Drumpads und wohldosierte Kleinpercussions sorgen für den passenden Beat.

Die Musik der 1990er Jahre war geprägt von stilistischer Vielfalt und kulturellen Umbrüchen und spiegelte den Geist eines Jahrzehnts wider, das zwischen Aufbruch, Rebellion und Popkultur-Explosion pendelte.

Boybands, Grunge und Pop-Phänomene

Die Charts in den 90er-Jahren bestanden aus einer bunten Mischung aus Boybands, Grunge, Pop-Phänomenen und elektronischer Musik. Take That, die Backstreet Boys und Nsync lieferten sich einen erbitterten Kampf um die Herzen der kreischenden Teenager und feierten weltweit Erfolge.

Gleichzeitig führten Nirvana und Pearl Jam die Grungebewegung an, Britpop reklamierte künstlerischen Anspruch, Eurodance eroberte weltweit die Tanzflächen im Sturm und Hip-Hop wurde zur Stimme urbaner Jugendkultur. Im Fernseher liefen „Beverly Hills 90210“, „Baywatch“ oder „Friends“.

Zwischen lässig und ungeschminkt

Auch modisch war diese Zeit Kaleidoskop: Zwischen lässig und ungeschminkt über Neonfarben und Plateauschuhe bis hin zu Spaghettiträgern und Bauchtaschen.

Obwohl die Ü50-Generation sich heute manchmal fragt, was sie sich damals eigentlich dabei gedacht hat, kann sie nicht leugnen, dass dieses bunte Jahrzehnt einen ganz eigenen Charme hatte. Es war voller Höhen und Tiefen in Musik und Mode.

Der Konzertbesucher – in Alfeld liegt das Durchschnittsalter etwa bei 60 Jahren, also nicht gerade in der Zielgruppe „Jugend in den 90ern“ – ist hin- und hergerissen zwischen Schmunzeln, Faszination, aber auch der Frage „Welche Musik haben wir eigentlich damals gehört?“

Hits kommen in erfrischender Weise auf die Bühne

Die MEDLZ bringen die Hits dieser legendären Dekade auf erfrischende Weise auf die Bühne: als Medley, als Mashup oder als Ratespiel. Das abwechslungsreiche und breit gefächerte Programm umfasst unter anderem Klassiker wie „Everybody“ von den Backstreet Boys, „Ironic“ von Alanis Morissette oder „Golden Eye“ aus dem James-Bond-Film.

Aus der Rubrik Filmmusik hat sich die Gruppe dann „Irgendwo auf der Welt“ aus „Comedian Harmonists“ ausgesucht. Mit neuem Text macht Sabine Kaufmann das Stück zu einem der nachdenklichsten an diesem Abend und zu einem Statement für mehr Dankbarkeit.

Bei wechselnder Stimmführung legen die anderen einen mehrstimmigen Klangteppich darunter. „Stimme, Bass, Beat“ ist das Motto der Band, das findet sich unter anderem auch in dem Kuschelrockmedley wieder.

Bianca Dolabella sorgt für einen besonderen Moment

Zum deutschsprachigen Repertoire gehören auch „Du trägst keine Liebe in der“, einem Hit der Band Echt und „Mit freundliche Grüßen“ von den Fantastischen Vier. Für einen besonderen Moment sorgt Bianca Dolabella, die Madonnas „Frozen“ auf der Geige begleitet.

Neben ihrer musikalischen Leistung überzeugen die vier Sängerinnen auch durch ihre charmante Bühnenpräsenz. Mit Witz, Selbstironie und einer spürbaren Nähe zum Publikum schaffen sie eine Atmosphäre, die sowohl zum Lachen als auch zum Nachdenken anregte.

Auch ein „Brav0“-Starschnitt ist mit dabei

Die 300 Zuhörer schwelgen in der ausverkauften Werkshalle in nostalgischen Erinnerungen, singen mit und freuen sich über die witzigen Accessoires, die die Band mitgebracht hat: Leckmuscheln, die obligatorische „Bravo“ mit Starschnitt, eine Kuschelrock-CD, das erste Nokia-Handy oder eine riesige Diddl-Maus.

Immer wieder begleitet das Publikum die Songs rhythmisch klatschend und bricht in jubelnden Applaus aus. Egal welche Stilrichtung die Vier singen, sie bestechen mit großartigem Zusammenspiel, tollen Arrangements, Leidenschaft, Charme und Lebensfreude. Da verzeiht man auch den Texthänger bei Sting, der einfach weg gelacht wird.

Nicht ganz so gute Tonqualität in der Werkshalle

Die vier fantastischen Stimmen – so unterschiedlich sie auch sein mögen – passen grandios zueinander. Mit effektvoll eingesetzter Percussion und toller Choreografie präsentieren die MEDLZ mitreißende Songs. Leider war die Tonqualität in der Werkshalle nicht überall optimal. Das tat der Stimmung jedoch keinen Abbruch. Tanzend fordert das Publikum eine Zugabe. Passend dazu verabschiedetet sich die Band mit „Rhythm is a dancer“ von Snap unter anhaltendem Beifall.

mit Petra Meyfarth

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