Gronau - Was macht ein junger Filmemacher in Gronau? Für Jannik Hüffner liegt die Antwort auf der Hand: einen Film in Gronau drehen. Und zwar einen, dessen Handlung auch ganz bewusst in Gronau spielt. Denn der 23-Jährige hat eine Beobachtung gemacht: „In fiktionalen Filmen stehen meist Großstädte im Fokus – der ländliche Raum fällt dann hinten runter.“ Das möchte der junge Mann gerne ändern – zumindest erst mal im Kleinen. So kam er auf die Handlung seines neuen, auf etwa 20 Minuten Spielzeit angelegten Kurzfilms „Akte 91“, den er gerade mit einem zehnköpfigen Team abgedreht hat: vor allem an verschiedenen Schauplätzen in Gronau, am Bahnhof in Banteln, in einem Metronom-Zug und auf dem Gutshof in Barnten.
„Akte 91“ erzählt die Geschichte von Christian, der aus Hannover für einen beruflichen Neuanfang aufs Land zieht. In Gronau übernimmt er die Aufgabe, alte Akten im Stadtarchiv zu digitalisieren. Dabei stößt er auf brisante Dokumente, die auch ihn selbst in unerwarteter Weise betreffen. Was genau passiert, möchte der Drehbuchautor natürlich noch nicht verraten – nur so viel: Christian steigt hinab in die Abgründe seiner Familiengeschichte. Und ein Zeugenschutzprogramm spielt eine Rolle.
Kommt ein Städter aufs Land
Wie ergeht es dem Hannoveraner auf dem Land? Da bedient Hüffner bewusst nicht das Klischee des überforderten Städters: Die Hauptfigur verkraftet die Umstellung gut, der große Kulturschock bleibt aus. Ungewohnt ist für ihn nur: „Es ist alles ein bisschen persönlicher, alles ein bisschen direkter. Jeder kennt jeden“, sagt Jannik Hüffner. „Das stellen die Gronauer von Anfang an klar. Dann freundet sich Christian damit aber recht schnell an.“ In einem positiven Licht möchte der Filmemacher das Landleben dastehen lassen.
Was auch an seiner eigenen Einstellung zur Heimat liegen mag: „Das hier ist ein guter Kompromiss zwischen Großstadt und Dorf“, findet er. „Es ist schön ländlich, aber trotzdem sind wir sehr gut angebunden – ob über die B 3, die A 7 oder mit dem Zug.“ Drei Jahre lang war Hüffner weg, um sich beim MDR in Erfurt zum Mediengestalter ausbilden zu lassen. Seit 2025 ist er zurück. Eine bewusste Entscheidung: „Es hat mich einfach wieder hergezogen.“ Seitdem arbeitet er beim ortsansässigen Brandschutz-Service seiner Eltern – und betreibt im Nebenberuf sein eigenes kleines Unternehmen für Videoproduktion und Eventfotografie.
„Ich filme nicht mehr einfach drauflos“
Seine Kurzfilme zu produzieren, bleibt indessen ein Hobby – das Hüffner gemeinsam mit gleichaltrigen Freunden pflegt. Seit er zuletzt im Jahr 2024 mit seinem Kurzfilm „Connected“ von sich reden machte, habe er nicht zuletzt aufgrund der Ausbildung beim Fernsehen einen deutlichen Entwicklungssprung gemacht, berichtet der 23-Jährige. „Der ganze Arbeitsablauf ist professioneller und inhaltlich strukturierter geworden. Ich nehme nicht mehr einfach die Kamera und filme drauflos.“ Zuvor hatte er sich sein Wissen vor allem selbst angeeignet – etwa über Making-of-Videos auf Youtube. Da habe er einfach ergründen wollen, wie Filmemachen funktioniert.
Sogar mit dem Thema Filmförderung hat der junge Mann nun schon seine Erfahrungen gemacht: Die sei für kleine Filmprojekte abseits der Großstadt kaum an Land zu ziehen. Deshalb sei „Akte 91“ auch „sparsam produziert“. Dennoch sind Produktionskosten „im unteren vierstelligen Bereich“ aufgelaufen, die Hüffner aus eigener Tasche getragen hat. Ein Vorteil: „Die Technik habe ich über die Jahre hinweg selbst angeschafft. Dadurch entfällt bei meinen Projekten der sonst oft größte Kostenpunkt, nämlich die Miete für Kamera-, Ton- und Lichttechnik.“ Außerdem seien Unterstützer an Bord gewesen, die etwa ein Wochenende lang das Catering übernahmen oder Drehorte vergünstigt beziehungsweise kostenlos zur Verfügung stellten.
Die Rolle des Christian übernimmt Felix von Sassen, der unter anderem als Moderator für das Wissensmagazin „Galileo“ vor der Kamera stand. An seiner Seite spielt Miriam Obuz die geheimnisvolle Lena. Mit ihnen kam Hüffner über eine Facebook-Gruppe in Kontakt, in der Filmemacher die Rollen ihrer Produktionen ausschreiben können. Nach einer Vorauswahl anhand von Fotos und Lebensläufen folgten Spielproben und persönliche Gespräche. „Bei den Kennenlerngesprächen hat sich dann schnell herausgestellt, dass es passt“, berichtet Hüffner. Für die Rolle des Archivars hat er außerdem den Hildesheimer Schauspieler Augustin Karmann gewinnen können, bekannt etwa aus der Serie „Allein gegen die Zeit“.
Wo gibt’s den Film zu sehen?
In fünf Drehtagen à jeweils etwa zehn Stunden haben Hüffner und Team alle Szenen in den Kasten geholt. Jetzt geht es ans Schneiden. Ein Bekannter aus Sachsen, den Hüffner an der Fernsehakademie kennengelernt hat, steuert die Filmmusik bei. Noch liegt also eine Menge Arbeit vor dem Gronauer Filmemacher und seinem Team.
Bis zum 1. August, hat er sich vorgenommen, soll „Akte 91“ fertig sein. Die Gespräche für eine mögliche Premiere bei den Gronauer Lichtspielen laufen bereits. Darüber hinaus möchte der Jungregisseur sein Werk bei Filmfestivals einreichen – „da geht es nicht einmal um die Preise, sondern darum, live die Reaktionen des Publikums zu sehen“. Doch auch wer es nicht zur Premiere oder einem Festival schafft, soll Gelegenheit haben, das Werk zu Gesicht zu bekommen: Jannik Hüffner möchte es am Ende auf Youtube hochladen.
