Alfeld - Nun ist es also passiert: Mein kleines Mädchen ist ein Schulkind. Nachdem ich beim Abschied aus dem Kindergarten noch ziemlich nah am Wasser gebaut hatte, rechnete ich bei der Einschulung mit Ähnlichem. Doch ich kann stolz verkünden: ein, zwei Tränchen, mehr nicht. Alles im Griff. Dachte ich zumindest. Denn der Moment, der mich wirklich erwischte, kam an der Bushaltestelle. Meine Tochter war aufgeregt, ich vermutlich noch mehr. Als der Bus kam, stieg sie so entschlossen ein, dass sie beinahe vergaß, sich von mir zu verabschieden. Dann sah ich sie etwas unsicher durch den Mittelgang gehen – und mein Mutterherz wurde kurz nervös. Bis von ganz hinten ihre Freundinnen ihren Namen riefen. Ich konnte regelrecht sehen, wie ihr ein Stein vom Herzen fiel – so wie mir auch. Sie strahlte, lief nach hinten und damit war die Sache für sie erledigt. Kein letzter sehnsüchtiger Blick aus dem Fenster, kein Winken bis zur nächsten Straßenecke. Sie drehte sich nicht einmal mehr um. Während der Bus davonfuhr, stand ich also mit Tränen in den Augen an der Haltestelle und musste feststellen: Mein Kind ist für diesen neuen Lebensabschnitt offenbar viel bereiter als ich. Heute Morgen, bei der zweiten Fahrt, sah die Welt schon anders aus. Sie stieg deutlich sicherer ein und winkte mir fröhlich aus dem Bus zu. Ich winkte zurück – und statt Tränen in den Augen hatte ich diesmal ein Lächeln im Gesicht. Offenbar lernen nicht nur die Kinder jeden Tag etwas dazu.
Vom Leben in Alfeld
Von A bis Z: Bereit zur Abfahrt
Alfeld - Der emotionale Moment kam für AZ-Redakteurin Carina Mädge nicht bei der Einschulung, sondern an der Bushaltestelle. Doch schon bei der zweiten Fahrt sah die Welt ganz anders aus.
