Alfeld - Am Wochenende wollte ich nur eine Freundin zum Spaziergang abholen. Da sie noch einen Moment brauchte, hielt ich Smalltalk mit ihrem Bruder. Er ist 17, ich 23. Sechs Jahre Differenz – eigentlich kein Problem, dachte ich. Bis er den Mund aufmachte. Er sagte Wörter, die ich noch nie gehört habe. Ich bin nach wie vor überzeugt, manche Begriffe erfand er auch einfach nur, um mich zu ärgern. Nach drei Minuten fühlte ich mich, als wäre ich plötzlich Mitte fünfzig, trage Sandalen mit Tennissocken und verstehe die Welt nicht mehr. Ich war offiziell „lost“.
Abends telefonierte ich dann mit meinem Vater – 73er-Jahrgang und Mitte fünfzig. Ein Segen! Prompt fühlte ich mich wieder wie ein naiver, frecher Teenager, während sich mein Vater aus der Steinzeit ins Jahr 2026 verirrt hat – sorry, Papa!
Wir lernen daraus: Alter ist extrem relativ. Jede Generation pflegt ihre eigene Sprache und hält die jeweils andere für komplett „gaga“. Aber: In ein paar Jahren wird der heute so coole Bruder von der nächsten Generation pubertierender Teenager als Fossil alter Tage bemitleidet. Tja, Karma gibt es halt in jeder Generation.
