Alfeld - Ich werde Menschen nie verstehen, die den Sommer lieben. Was genau soll toll daran sein, schon beim bloßen Atmen im eigenen Schweiß zu sitzen? Gegen winterliche Kälte kann man sich wenigstens mit drei Hoodies und vier Decken schützen. Gegen die Hitze hilft nichts. Wer versucht, das textile Schichtenmodell radikal auf null zu setzen, stellt schnell fest: Selbst nackt ist es noch zu heiß – und obendrein droht eine Anzeige wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses.
Als Mensch mit vampirbleicher Haut habe ich ohnehin verloren. Sonne verwandelt mich nicht in eine sanft gebräunte Strandschönheit, sondern in eine krebsrote Fleischtomate, die nach der Häutung direkt wieder blass wird. Mehrwert? Null.
Mein Paradies wäre der ewige Herbst. Goldene Strahlen bei hoodie-tauglichen Temperaturen. Und an Regentagen darf man ohne schlechtes Gewissen die Couch belagern und die Lieblingsserie zum hundertsten Mal schauen. Stattdessen rollt die nächste Hitzewelle an. Mein treuester Freund steht zum Glück parat: Der Ventilator wurde aus dem Kellerasyl befreit. Er läuft auf Hochtouren – genau wie mein Neid auf alle Winterschläfer. In diesem Sinne: Schönes Schwitzen!
