Vom Leben in Alfeld

Von A bis Z: Leben ist eben dreckig

Alfeld - Soll man in der Zeitung nicht darüber schreiben, dass Leute rauchen und trinken? Ein Leser hat sich darüber beschwert. AZ-Redakteur Nico Schwappacher widerspricht.

AbisZ Nico Schwappacher Foto: AZ

Alfeld - Manchmal bekommen wir als Redakteure von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, Zuschriften. Meist sind das einfach konstruktive Hinweise auf Fehler, die nun einmal passieren, wo Menschen arbeiten. Danke dafür! Über andere Zuschriften kann man geteilter Meinung sein. Zum Beispiel, wenn sie dem betroffenen Redakteur gleich ein vollmundiges „Schämen Sie sich nicht?“ entgegenschleudern.

Glauben Sie mir, ich kann das ab. Ich bin ja nicht aus Zucker. Und andere Meinungen sind uns natürlich stets willkommen. Insofern: Nichts für ungut. Erklären will ich mich aber doch. Der jüngste Fall bezieht sich auf meinen Artikel zum Open-Air-Konzertabend „BBR meets Welterbe“ im Fagus-Werk am vergangenen Wochenende. „In der Luft liegt dieser typische Festival-Geruch aus Bier, Kippen und Lebensfreude“, so lautete eine meiner Beschreibungen. Das suggeriere, dass Verzicht auf Alkohol und Zigaretten auf Festivals nicht erwünscht sei, findet der Leser. Gemeint habe ich’s so nicht – sondern schlicht als Schilderung.

Meine Aufgabe als Redakteur besteht nicht darin, Beobachtungen dahingehend auszusortieren, dass sie ins Raster eines moralisch, gesundheitlich und sonst wie perfekten Lebens passen. Leben ist dreckig. Leben ist oft nicht schön. Und wenn Menschen Spaß haben, tun sie das nicht selten mit Hilfe von Dingen, die ihren Körpern ansonsten nicht gut tun. Ist so, wird auch so bleiben. Genau deshalb muss es in der Zeitung stehen dürfen. Und zwar völlig wertfrei.

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