Alfeld - Manchmal entspinnen sich in meinem Kopf die wildesten Assoziationen. Zum Beispiel wenn ich in Alfeld unterwegs bin und mein Blick plötzlich auf einen Straßennamen fällt, der mich gefangen nimmt. So geht es mir regelmäßig mit der Ravenstraße.
„Ravenstraße“ – klingt das nicht herrlich geheimnisvoll? Oder ist das nur mein eigenwilliges Hirn, das gar zu sehr auf die dunklen und melancholischen Künste geeicht ist? Jedenfalls ploppt in meinem Kopf sofort Edgar Allan Poes ikonisches Gedicht „The Raven“ auf, in dem ein namenloser Erzähler den Verlust seiner Geliebten Lenore betrauert. Verzweifelt befragt er den Raben - in der Hoffnung, Trost in seinen Antworten zu finden. Doch das Tier beherrscht nur ein Wort: „Nimmermehr“.
Bei so viel Dunkelromantik ist es ja geradezu enttäuschend, dass der Alfelder Straßenname auf einen Kassengehilfen – Ferdinand Ludwig Rave (1761 bis 1851) – zurückgeht. Ein Bankangestellter also, der sein Vermögen der Stadt Alfeld vermachte, um damit eine Armenschule zu errichten und zu unterhalten.
Sein Name jedoch hat tatsächlich etwas mit dem schwarzen Vogel zu tun: Oft, heißt es im Ahnenforschungsportal Ancestry, wurde „Raven“ im Englischen als Spitzname für dunkelhaarige Männer verwendet. Und überhaupt: Eigentlich ist der alte Raven mindestens genauso cool wie Edgars alte Geschichten. Schließlich hat er Gutes getan mit seinem Geld. Und Nächstenliebe rockt.
