Alfeld - Ich lese gerne. Na gut, wenn ich ehrlich bin, höre ich mittlerweile meistens Hörbücher. Einfach, weil sie sich besser in den Alltag integrieren lassen. Aber das Prinzip bleibt: Ich mag Geschichten, die sich Zeit nehmen. Ich höre Podcasts, die eine Stunde dauern, und freue mich über gute Bücher, die man nicht an einem Nachmittag beendet.
Warum also fehlt mir ausgerechnet am Handy jede Geduld?
Neulich ist mir aufgefallen, dass ich Videos oft schon nach wenigen Sekunden vorspule. Dauert ein Clip länger als 30 Sekunden, möchte ich am liebsten sofort wissen, wie er ausgeht. Ich erwische mich dabei, wie ich zum Ende springe, statt den Weg dorthin einfach anzusehen.
Und warum muss überhaupt jede Minute mit Hörbüchern, Podcasts und Videos gefüllt sein?
Es ist verrückt, wie selbstverständlich das Handy inzwischen zum Alltag gehört. Es liegt neben mir beim Frühstück, wandert mit in die Küche und manchmal sogar nur für wenige Minuten von einem Zimmer ins nächste. Und wenn sich doch einmal eine kleine Leerlaufminute ergibt, greife ich fast automatisch danach. Nur mal kurz schauen. Nur mal eben durch die sozialen Netzwerke scrollen.
Ich kenne Menschen, die ihr Handy überall mit hinnehmen – und wenn ich ehrlich bin, gehöre ich manchmal selbst dazu. Dabei fällt mir auf, wie schwer es geworden ist, einfach einmal nichts zu tun. Kein Scrollen, kein Video, keine Nachrichten. Einfach nur warten. Oder den eigenen Gedanken nachhängen.
Die Bildschirmzeit ist dann auch noch erstaunlich ehrlich. Sie rechnet gnadenlos zusammen, was man selbst erfolgreich verdrängt hat. Am Ende stehen dort Stunden, die im Berufsleben zumindest eine Teilzeitstelle rechtfertigen würden.
Vielleicht schaue ich heute Abend einfach mal nicht aufs Handy. Oder doch, aber bestimmt nur ganz kurz.
