Vom Leben in Alfeld

Von A bis Z: Warum wir das Warten verlernt haben

Alfeld - Ein paar Minuten am Pfandautomaten reichen manchmal für die Erkenntnis, wie schwer es uns fällt, einfach nichts zu tun. Warum sich Warten so schnell nach verlorener Zeit anfühlt, darüber macht sich AZ-Mitarbeiter David Paasche Gedanken.

In ihrer Kolumne „Von A bis Z“ blickt die Redaktion der AZ auf Anekdoten aus ihrem Alltag in Alfeld und dem Leinebergland. Foto: AZ

Alfeld - Neulich im Rewe-Getränkemarkt. Vor mir am Pfandautomaten stehen mehrere Menschen, ich selbst mit einer Kiste in der Hand. Es dauert. Und tatsächlich ertappe ich mich dabei, wie ich mich mitsamt der Kiste umdrehe und kurz überlege, einfach wieder zu gehen. Und das wegen ein paar Minuten.

Schon im nächsten Moment muss ich über mich selbst schmunzeln. Wo will ich eigentlich so dringend hin? Und warum fühlt sich eine kurze Zeit, in der nichts passiert, sofort wie verlorene Zeit an?

Vielleicht steckt darin mehr als bloße Ungeduld. Wir haben uns daran gewöhnt, Zeit danach zu beurteilen, was wir mit ihr anfangen. Wir arbeiten, erledigen, antworten, konsumieren – und selbst die kleinen Lücken dazwischen werden gefüllt. Ein Griff zum Handy genügt. Hauptsache, es passiert etwas.

Dabei ist Zeit nicht automatisch verloren, nur weil sie kein Ergebnis hervorbringt. Im Gegenteil: Gerade die scheinbar nutzlosen Minuten gehören genauso zu unserem Leben wie jene, in denen wir etwas schaffen oder erleben. Sie müssen gar nichts leisten. Sie dürfen einfach vergehen.

Das auszuhalten, ist erstaunlich schwer geworden. Dabei entstehen gerade dann Gedanken, für die zwischen Terminen, Nachrichten und dem nächsten Programmpunkt oft kein Platz bleibt.

Ich bin übrigens geblieben. Die Schlange löste sich auf, die Kiste wurde ich los. Und ausgerechnet in diesen vermeintlich verlorenen Minuten entstand die Idee für diese Kolumne. So nutzlos waren sie also doch nicht.

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