Alfeld/Gronau - Lichterloh hat am Samstag in Gronau das Osterfeuer gebrannt. Doch glücklich war darüber niemand, und kurz darauf rückten auch die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Gronau an – denn Unbekannte haben das Feuer rund 18 Stunden zu früh entfacht. Was als Vorfreude auf ein gemeinschaftliches Fest geplant war, endete in den frühen Morgenstunden in einem Trümmerfeld aus Asche und Glut. Während früher benachbarte Dörfer sich in einer halb scherzhaften, halb ernst gemeinten Fehde gegenseitig die Osterfeuer angezündet haben, ist so etwas im Leinebergland bereits seit Jahren nicht mehr passiert. Doch das Aus für das Gronauer Osterfeuer bedeutete die Aktion nicht.
Unzählige reagieren auf den Hilfeaufruf
Besonders für Uwe Göldner, in Gronau liebevoll „Katze“ genannt, war der Anblick am Samstagmorgen ein schwerer Schlag. Seit dem 1. April hatte er täglich auf dem Platz gestanden, Strauchschnitt angenommen und unzählige Stunden in die Vorbereitungen investiert. Anstatt aufzugeben, entschied sich der Vorstand des TSV Gronau um den verantwortlichen Fußball-Spartenleiter Christian Angel für die Flucht nach vorn. Ein digitaler Hilferuf verbreitete sich über WhatsApp, Facebook und Instagram wie ein Lauffeuer durch die Stadt und die umliegenden Orte.
„Unsere Botschaft war klar, wir lassen uns unser Fest nicht nehmen“, erklärte Angel im Gespräch. Ab 9 Uhr morgens verwandelte sich der Platz hinter dem Freibad in einen Ort überwältigender Hilfsbereitschaft. Überall waren Autos mit Anhängern zu sehen, die neuen Strauchschnitt anlieferten, um den verlorenen Haufen rechtzeitig zum Abend wieder aufzubauen.
Hilfe aus den umliegenden Dörfern
Die Unterstützung kam von allen Seiten und weit über die Stadtgrenzen hinaus. Aus den umliegenden Dörfern wie Eime, Elze oder Rheden wurde Material herbeigeschafft. Auch Yannik Jaenisch aus Barfelde etwa brachte spontan eine Anhängerladung vorbei, die eigentlich für das dortige Feuer gedacht war. „So eine Brandstiftung ist boshaft und ich wollte bewusst ein Zeichen gegen die Zerstörung setzen“, so Jaenisch. Unter den vielen Gronauern, die anpackten, war auch Hartmut Klein. Er war durch seinen Sohn in den sozialen Medien auf den Brand aufmerksam geworden und zögerte nicht lange, Reste aus seinem Garten zum Platz zu bringen. In Krisenzeiten, so das Fazit von Angel, rücke man in Gronau und Umgebung eben zusammen.
Früher auch Brandwache in Sack
Alles nach Plan lief es hingegen im Alfelder Ortsteil Sack ab. Ausgediente Weihnachtsbäume und diverser Grünschnitt türmten sich am Samstagabend meterhoch. „Wir waren heute mit drei Treckern unterwegs, um das Material hier hochzubringen“, sagte Ortsbrandmeister Peter Almstedt.
Gebrannt hat das Osterfeuer dann genau zum richtigen Zeitpunkt. Doch Almstedt, der seit 46 Jahren bei der Feuerwehr ist, erinnert sich: „Als ich jung war, haben wir noch Wache gestanden. Da waren wir die ganze Woche hier oben.“ Früher war es Tradition, dass insbesondere die Feuerwehrjugend den Osterfeuerplatz bewacht, damit so etwas wie in Gronau nicht passiert. So etwas sei in Sack aber schon seit vielen Jahren nicht mehr vorgekommen.
Hitze hält sich für mehrere Tage
Doch mit der Brandwache vor dem Osterfeuer ist es nicht getan. Nachdem der Sportverein die letzte Bratwurst gegrillt hat, Besucherinnen und Besucher weg sind und die Flammen erloschen sind, bleibt von der Feuerwehr immer ein kleiner Trupp vor Ort, berichtete Almstedt. Denn, obwohl das Osterfeuer vielleicht von außen abgebrannt aussieht, halte sich die Hitze im Inneren und ein kräftiger Windstoß könnte noch glühende Reste auf umliegende Felder oder in Gebüsche wehen und so ein Feuer verursachen. „Ich gucke auch morgen früh noch mal hier oben vorbei“, sagte der Ortsbrandmeister.
„Am Dienstag wird dann tatsächlich schon ein Großteil weggeräumt.“ Das ist aber nur möglich, wenn das abgebrannte Osterfeuer bis dahin ausgekühlt ist. Vor einem Jahr habe sich die Resthitze noch eine Woche gehalten, erinnert sich Almstedt. In der Organisation, Durchführung und Nachbereitung eines solchen Events stecke also deutlich mehr Arbeit, als die Besucherinnen und Besucher, die vielleicht zwei oder drei Stunden am Feuer verbringen, auf den ersten Blick sehen.
Von Madlin Trümper und Christian Göke



