Gastronomie

Abschied nach 21 Jahren: Restaurant „Alte Schmiede“ in Delligsen schließt zum Jahresende

Delligsen - Noch eine Silvesterparty, dann ist Schluss. In Delligsen öffnet eine legendäre Gaststätte zum letzten Mal. Und das ist der Grund.

Gabi und Iskender "Alex" Cetinkaya sagen nach 36 Jahren in der Gastronomie Tschüss. Ihre "Alte Schmiede" in der Göttinger Straße öffnet am Silvestertag zum letzten Mal. Foto: Ulrich Meinhard

Delligsen - In Delligsen wird eine Institution schließen. Das Restaurant „Zur alten Schmiede“ öffnet am Silvestertag zum letzten Mal. Dann sperren Gabi und Iskender Cetinkaya die Tür für immer ab. Beide verabschieden sich nach Jahren 36 Jahren in der Gastronomie in den Ruhestand.

Iskender Cetinkaya, den Freunde und Gäste eigentlich nur unter dem Namen „Alex“ kennen (Iskender ist die türkische Form von Alexander) kam 1989 als junger Mann nach Delligsen und eröffnete in dem Ort den ersten Dönerladen. „So etwas gab es im Umkreis von 50 Kilometern nicht“, erinnert er sich. Das Geschäft lief gut, sodass im Jahr 2004 genügend Geld übrig war, um an der Göttinger Straße eine alte Schmiede aufzukaufen und zu einem Restaurant umzugestalten.

Aus einer ehemaligen Schmiede wird ein Restaurant

Das war ein Kraftakt. Viel musste angebaut, umgebaut und völlig neu hochgezogen werden. Aus einer Scheune entstand eine Gaststätte plus Pension. Auch ein Saal für größere Veranstaltungen ist hergerichtet worden. Und davon gab es eine Menge: Silvesterpartys, Firmenfeiern, runde Geburtstage, Parteisitzungen und anderes mehr liefen in der „Alten Schmiede“. „Wir haben dem Ganzen ein neues Leben gegeben“, blickt der Gastronom zurück auf den Anfang und die Jahre danach. Mit allem, was dazugehört, Herzblut inklusive. Entsprechend schwer fällt jetzt der Abschied.

Alex wird bald 67 Jahre alt, deshalb haben er und seine bessere Hälfte entschieden, in den Ruhestand überzuwechseln. Alles hat seine Zeit im Leben. Und nach 36 Jahren in der Gastronomie, mit Arbeitstagen von bis zu 14 Stunden soll jetzt Schluss sein mit dem Arbeitsleben. „Es war schon auch ein Kampf. Meine Frau in der Küche, ich vorne... Dass sie das mitgemacht hat, dafür danke ich ihr wirklich sehr“, sagt Alex. Er findet, dass er einigen Menschen dadurch helfen konnte, dass er ihnen Arbeit gab. Davon gab es genug. Als die drei Söhne der beiden älter waren, halfen sie mit – und lernten so das Kochen, was ihnen heute zum Vorteil gereicht, ist sich ihre Mutter sicher.

Von den drei Söhnen will keiner die Gastststätte betreiben

Doch in die Gastronomie wollte keiner von den drei Kindern. Der Älteste ist – immerhin – Hotelmanager an der Küste, der Jüngste arbeitet in einem Krankenhaus und der Mittlere hat sich im Automobilbereich selbstständig gemacht. Die „Alte Schmiede“ will er künftig für sein Geschäft nutzen. Wie genau, müsse sich noch zeigen. „Wir sind sehr stolz auf unsere Kinder. Es freut uns, dass aus ihnen etwas geworden ist, obwohl wir ja nie viel Zeit für sie hatten“, betont Gabi Cetinkaya.

In den vergangenen drei Jahren war das Restaurant nur noch an Wochenenden geöffnet. Den Versuch, die „Alte Schmiede“ als Gaststätte zu erhalten, hat es gegeben. Doch die Verpachtung lief nicht wie gedacht und gehofft: Der Pächter – ein gelernter Koch – gab auf.

Gästeschar blieb im Schnee stecken – und feierte weiter

Befragt nach einem besonderen, einem kuriosen Erlebnis, berichten die beiden von einer Silvesterparty, die bis morgens um 8 Uhr ging. Die Gästeschar zog dann zwar endlich und fröhlich von dannen, blieb aber im Schnee stecken und kehrte schnurstracks um. „Wir waren gerade beim Saubermachen. Da wurde dann einfach weiter gefeiert“, erzählt Alex.

Was ist denn für den Ruhestand geplant? „Erstmal wird es danach gehen, was die Frau möchte, und die möchte, dass die Wohnung renoviert wird“, meldet sich Gabi Cetinkaya rasch zu Wort. Und was möchte Alex? „Gerne in die Heimat, in die Türkei fahren, den Ältesten besuchen und meinem Sohn helfen mit seinem Autogeschäft.“ Er fügt an: „Wir kommen zurecht.“ Und dann ist da noch etwas: „Wir wünschen allen unseren Gästen und unseren Freunden ein gutes neues Jahr, Gesundheit und der ganzen Welt ein friedvolleres Leben.“

Am letzten Öffnungstag geht es um 18 Uhr los

Am Silvestertag öffnet die „Alte Schmiede“ um 18 Uhr. Es ist nichts Besonderes geplant, keine Musik, kein Tanz – dafür aber Büfett. „Einfach kommen und dabei sein, wer möchte“, lädt Gabi Cetinkaya ein.

  • LeineBL
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