Hildesheim - In der Öffentlichkeit ein Kind zu sein, ist nicht einfach. Denn Kinder tun intuitiv Dinge, die Erwachsene nerven. Die meisten Kinder sind gerne mal laut, haben keine Lust, still am Tisch zu sitzen, und rennen los, wenn sie ein kurzfristiges Ziel vor Augen haben. Von Eltern wird in unserer Gesellschaft mitunter erwartet, all das zu jedem Zeitpunkt zu unterbinden. Nicht etwa, weil es globale Konflikte entfacht, nein, weil es andere Leute (ohne Kinder) stört.
Bellen? Klar! Rennen? Bitte nicht!
In einem Hotel an der Ostsee beschlich mich jüngst das Gefühl, dass Hunde im Frühstückssaal akzeptierter waren als Kinder. Dass die Tiere sich anbellten, quittierte die Mehrheit mit verständnisvollen Blicken – es sind ja Hunde. Die Kinder allerdings, die es auf dem Weg zum Buffet am Morgen in freudiger Erwartung plappernd eilig hatten, sorgten eher für Augenrollen. Mein jüngster Sohn beging letztlich einen Fauxpas, der ihm sogar eine Schimpftirade einbrachte. Er ist fünf Jahre alt und, jetzt halten Sie sich fest, nahm sich eine Scheibe Toast nicht etwa mit der sehr unhandlichen Zange, sondern mit der Hand. Eine Mitarbeiterin des Hotels wies ihn in einer Harschheit auf sein „Fehlverhalten“ hin, die sämtliche Hotelgäste in näherer Umgebung aufhorchen ließ.
Manche Eltern...
Während ich einige Schritte entfernt noch um Worte rang, schaltete sich bereits eine andere Frau ein und sagte zu jener Mitarbeiterin: „Jaaaaaa, das geht auch wirklich gar nicht, also manche Eltern!“ Ich ging auf die Frau zu und erkundigte mich freundlich, wie dieser Satz denn wohl weitergehen sollte. Manche Eltern machen was genau? Mir ihre Meinung ins Gesicht zu sagen, schien ihr aber nicht zu behagen, sie flüchtete zu ihrem Platz. Mein Sohn traute sich derweil in den nächsten Tagen nicht mehr allein ans Buffet. Nein, in der Öffentlichkeit ein Kind zu sein, das ist nicht einfach. Und dasselbe gilt manchmal für Eltern.
