Hildesheim - Es gehört sich, eine Handvoll Bücher mit in den Urlaub zu nehmen. Es sei denn, Sie halten das Rumgammeln am Strand bereits für eine Tätigkeit. Breiten das Handtuch im Sand aus, lassen sich draufplumpsen – und haben sich bis zum Sonnenuntergang nun aber wirklich mal eine Pause verdient. Doch selbst dann: Lümmeln und lesen geht gleichzeitig.
Man hat das Taschentuch schon zur Hand, wenn’s ernst wird
Am allerschönsten ist es, bereits gelesene Bücher zu lesen. Man braucht beim zweiten Mal nicht mehr hektisch die Passagen zu überfliegen und nach Hinweisen auf den Fortgang der Handlung zu suchen – man weiß ja schon, wer der Mörder ist. Und hat deshalb Ruhe für die eigentliche Geschichte, jetzt, wo einen die Neugier nicht mehr hetzt. Manche Bücher versteht man erst beim zweiten Lesen so richtig, die müssten eigentlich schon ausgeliefert werden mit dem Hinweis: „Bitte nach dem Lesen direkt wieder von vorne anfangen!“ Über andere staunt man, weil sie sich gemeinsam mit einem selbst zu verändern scheinen.
Aber vor allem sind gelesene Bücher ein Zuhause: Man kann die besten Passagen mitsprechen und hat das Taschentuch schon in der Hand, wenn der fiese Wilddieb auf Seite 347 dann doch den kleinen Fuchs erwischt. Vielleicht heißt Wiederlesen, einem Buch auf den Grund zu gehen. Vielleicht ist es ein Festhalten an etwas, das zum Loslassen einfach zu schön ist. Ein viel gelesenes Buch sieht, bei mir zumindest, oft ein bisschen mitgenommen aus: das Cover abgegriffen, Eselsohren in den Seiten. Geliebt und herumgeschleppt wie ein alter Teddy. Und nun auch noch voller Sand, herrje. Aber was soll’s, ist ja nicht das erste Mal.
