Kreis Hildesheim - Justus Lüder ist der neue Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes. Am Freitagabend hatte er sich den Mitgliedern konkurrenzlos zur Wahl gestellt. Der Mann aus Neuhof tritt damit die Nachfolge von Katharina Spengler aus Bockenem an. Diese hatte kürzlich erklärt, das Amt abgeben zu wollen, um in Bockenem bei der Bürgermeisterwahl anzutreten. Die Versammlung in Giesen nutzte sie, um den Mitgliedern noch einmal ordentlich die Leviten zu lesen.
Mit Blick auf die Kommunalwahl im kommenden Jahr erwarte sie von allen Mitgliedern, sich ganz auf die gemeinsame Sache einzulassen. „Persönliche Gefühle müssen hinten anstehen“, brachte sie es auf den Punkt. Dieses Verhalten, das einige CDU-Mitglieder an den Tag legten, „spuckt uns am Ende in die Suppe.“ Namen nannte sie in diesem Zusammenhang keine. Sie erklärte, das Thema Kreisparteigericht solle an diesem Abend keine Rolle spielen. Sie mahnte die Mitglieder zudem, sich dazu in der Öffentlichkeit nicht zu äußern, bevor das Verfahren abgeschlossen sei. Das Gericht sollte eigentlich kürzlich tagen, um über den Ausschluss von Dirk Bettels aus der CDU zu befinden. Der Termin wurde aber vertagt. Bettels selbst war beim Kreisparteitag nicht anwesend.
Kein öffentlicher Streit
„Man muss nicht immer einer Meinung sein, aber gestritten werden muss hinter verschlossenen Türen“, so Spengler. Den Wähler und die Wählerin interessierten die internen Querelen nicht, die erwarteten vernünftige Politik. Spengler erinnerte an die Ergebnisse der zurückliegenden Bundestagswahlen und erklärte: „Unser Gegner bei der Kommunalwahl wird nicht rot oder grün sein, sondern blau.“
91 stimmberechtigte Mitglieder des CDU-Kreisverbandes lauschten ihren Worten. Insgesamt hat der Verband aktuell 1603 Mitglieder, nur knapp sechs Prozent nahmen also die Chance wahr, über die neue Spitze mitzubestimmen. Eine wirkliche Wahl hatten sie aber auch nicht. Lüder war der Einzige, der im Vorfeld erklärt hatte, zu kandidieren – und er blieb es auch am Freitag. Gewählt werden sollte eigentlich schnell und unkompliziert digital. Doch Spengler erklärte, dass es dazu Beschwerden und sogar Austrittsdrohungen gegeben hatte. Also wurde althergebracht mit Stimmkarten und Auszählkommissionen gewählt.
81 Stimmen für Lüder
81 Frauen und Männer stimmten für Lüder. Als stellvertretende Vorsitzende wurden Max Dettmer aus Harsum, Falk Olaf Hoppe aus Holle, Katy Renner-Köhne aus Hildesheim und Katharina Spengler gewählt.
Er wolle es ganz mit Werner Siemens halten, erklärte Lüder den Mitgliedern: „Mit den Augen durch die Tür, statt mit dem Kopf durch die Wand“, zitierte er den Erfinder. So wolle er den Kreisverband führen. Er schwor die Mitglieder auf Gemeinsamkeit ein, Ortsverbände, Gemeindeverbände, Bürger, Stadt und Landkreis müssten einen gemeinsamen Weg gehen. „Ich kann beides, Stadt und Landkreis“, versprach er.
Mit Blick auf seine Niederlage bei der Bundestagswahl bilanzierte er, das Ergebnis sei gut gewesen, habe nur leider am Ende nicht gereicht. Zu den Gründen wollte er nichts sagen. Das hatte Spengler zuvor schon getan: Die Leihstimmen der Grünen für die SPD hätten Lüder den Sieg gekostet.
Deutliche Ansagen
Er könne zuhören, verstehen und lernen, das habe er bei der Wahl gelernt, so Lüder. „Wir brauchen geschlossene Reihen in der CDU und eine gute Diskussionskultur“, sagte der langjährige Kommunalpolitiker. Dann ließe sich die Kommunalwahl gewinnen. Sein Ziel: „Wir müssen erreichen, dass sich nach der Wahl nicht wieder solche bunten Mehrheitsgruppen bilden, in denen ein Hamun Hirbod das Zünglein an der Waage ist in Stadt und Landkreis.“ Nach 58 Jahren SPD-Führung im Landkreis sei dort zudem ein Wechsel nötig.
Kommentar: Große Versprechen – daran wird Justus Lüder sich messen lassen müssen
Die Bundestagswahl ging in diesem Frühjahr schlecht für Justus Lüder aus. Er scheiterte knapp an der Konkurrenz. Am Freitag holt er hingegen einen deutlichen Wahlsieg ein: Er wird der neue Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes. Eine neue Chance für den Mann aus Neuhof. Eine, die ihn mächtig fordern wird, ihm aber auch die Möglichkeit gibt, zu zeigen, dass die Niederlage vom vergangenen September kein schlechtes Omen sein muss. Die Aufgaben sind groß: Es gilt, die CDU in Kreis und Stadt auf eine Linie einzuschwören, interne Querelen zu beenden. Aber noch wichtiger: Gute Kandidaten für die anstehende Kommunalwahl müssen her. Solche, die die Gremien in Stadt und Landkreis bereichern und helfen, die Bürger und Bürgerinnen vom Rechtsaußen-Kurs abzubringen. Auch Kandidaten und Kandidatinnen für die Bürgermeisterwahlen in der Region braucht die Partei. Lüder hat sich all das vorgenommen, die CDU auf Gemeinsamkeit eingeschwören, um den Wahlsieg zu holen. Daran wird er sich in einem Jahr messen lassen müssen. An den Wahlergebnissen wird zu lesen sein, ob er Erfolg hatte.

