„hört! hört!“

Elze gewinnt den größten Musik-Wettbewerb im Landkreis Hildesheim – und auf Platz 2 gibt es eine große Überraschung

Hildesheim - Das Finale von „hört! hört!“ war ein Abend, der sich sehen und hören lassen konnte. Auch in der vierten Ausgabe zeigt der „Eurovision der Region“ keine Abnutzungserscheinungen. Aber warum waren vier Gemeinden dieses Jahr nicht dabei?

4hugs sind Keyboarder Jozsa Kovacs, Schlagzeuger Ole Vollrath, Sänger und Gitarrist Justus Mai sowie Bassist Moritz Wehr (von links). Beim Finale in der Halle 39 haben sie Jury und Publikum überzeugt und den vierten Musik Contest in der Region Hildesheim gewonnen. Foto: Clemens Heidrich

Hildesheim - 4hugs haben die vierte Ausgabe von „hört! hört! – der Musik Contest für die Region Hildesheim“ gewonnen. Am Samstag setzten sich Justus Mai, Ole Vollrath, Josza Kovacs und Moritz Wehr in der Halle 39 beim Finale des landkreisweiten Wettbewerbs gegen 13 weitere Beiträge durch. „Wir haben im Laufe des Abends so viele geile Acts gesehen, dass wir gezweifelt haben, ob wir hier richtig sind“, gibt Justus Mai, Sänger und Gitarrist der Band, zu. Eine Überraschung hielt der Abend außerdem bereit.

„hört! hört!“ gibt es seit 2013. Nach dem Vorbild des Eurovision Song Contest können sich alle Gemeinden, Städte und Samtgemeinden im Landkreis mit einem musikalischen Beitrag daran beteiligen. Über ein Jahr hat das Projektteam vom Netzwerk Kultur und Heimat Hildesheimer Land vor Ort nach Einzelpersonen oder Gruppen gesucht. Dem in der Halle 39 eine gebührende Bühne zu bereiten, ist jedes Mal eine Herausforderung. Sobald sich am Samstag des Finalabends aber die Lichter dimmen, wird klar: Dieses Jahr gelingt das.

Wären Danksagungen doch nur immer so!

Zu den Klängen von „Mambo No. 5“ tanzen Kaja Stürmer und Max Hannappel auf die Bühne. Die beiden haben schon zusammen Musik gemacht, Stürmer 2017 die zweite Ausgabe von „hört! hört!“ sogar gewonnen. Jetzt ist sie als Projektassistenz dabei, ihre damalige Duett-Partnerin Sarah Haase sitzt dieses Mal in der Fachjury. Nach all den Jahren ist eine Gemeinschaft um „hört! hört!“ entstanden, die ihre Erfahrungen in dem Projekt auch anderen ermöglichen wollen.

Dass Stürmer und Hannappel aus Überzeugung durch den Abend führen, ist ihrer Moderation anzumerken. Locker und mit Witz stellen sie die Teilnehmenden vor oder plauschen mit Beteiligten und Verantwortlichen. „Mambo No. 5“ haben sie als Einlaufmusik umgedichtet – statt der Frauennamen im Original trällern sie Gemeindenamen – und den Sponsoren und Förderern dankt Stürmer mit ihrer Version von „We Didn’t Start The Fire“. Wären solche Danksagungen doch immer so unterhaltsam!

Die Bewertung ist schwierig

Im Mittelpunkt stehen an diesem Abend aber die Teilnehmenden. 14 Beiträge sind im flotten Wechsel auf zwei Bühnen zu hören. Die Auswahl ist mal wieder beachtlich: Für Algermissen geht der 13-Jährige Leonard Patrat’ev mit seinem Saxofon an den Start, Söhlde hat den Jugendchor der Kehrwieder-Chöre entsandt. Es gibt ein Medley ukrainischer Volkslieder von NeboKray aus Sarstedt und eine plattdeutsche Verballhornung eines Songs von Jimi Hendrix durch Dorfrock aus Diekholzen. Publikum, Gemeindevertreter und eine Fachjury wählen daraus ihre Favoriten.

„Super schwierig“ sei es, zu vergleichen, bestätigt Christiane Vajen. Die Mitgründerin der Kulturfabrik in Hildesheim ist – neben Musikerin Haase, Gudrun Gadow aus dem Forum Heersum und Detlef Hartmann, dem Leiter der Musikschule Hildesheim – Teil der Fachjury. „Ich bin mit viel Wohlwollen herangegangen“, betont Vajen. Sie begeistert die Vielfalt und der Einsatz der Teilnehmenden. Auch das Publikum in der Halle 39 nimmt den Abend so auf. Ein „Paradebeispiel für einen demokratischen Abend“, lobt Sabine Zimmermann, Geschäftsführerin vom Netzwerk Kultur und Heimat. „Das ist ein generationenübergreifendes und faires Publikum.“

Die Überraschung des Abends kommt aus Sibbesse

Am Ende überzeugen 4hugs alle Wahlberechtigten. Ihren Teil vom Preisgeld wollen die vier jungen Männer nutzen, um ihre erste EP zu produzieren. Im Herbst geht’s in die Horus-Studios in Hannover. Den Mitgliedern vom Felix-Lopp-Trio, Gewinner des ersten „hört! hört!“, hat der Wettbewerb beim Weg in eine Profikarriere geholfen. Auch 4hugs träumen davon. „Wir wollen die Band mit Studium und Beruf vereinbaren können“, verrät Sänger Mai. Im Dezember geben sie ihr erstes eigenes Konzert im Deutschen Haus Nordstemmen.

An CD-Aufnahmen im Studio oder eigene Konzerte hat Maike Mollenhauer noch nicht gedacht. Die 38-Jährige aus Sibbesse aber ist die Entdeckung von „hört! hört!“ Erst seit einem Jahr singt die Krankenschwester und schafft es direkt auf Platz 2 im Wettbewerb. „Ich hab’s jetzt noch nicht realisiert“, gesteht Mollenhauer. Sie hat „Never Enough“ von Loren Allred aus dem Musical „The Greatest Showman“ gesungen. Musicalsängerin zu sein, das sei ihr Traum, bestätigt Mollenhauer. Jury-Mitglied und Musikschulleiter Hartmann hofft, dass „hört! hört!“ eine Bestätigung für Mollenhauer ist. „Was sie hier gezeigt hat, war erstaunlich und berührend“, betont er.

„Es hat alles gepasst“

Dass „hört! hört!“ das wieder geschafft hat, freut Jean-Michel Tapp. „Ich habe Muskelkater vom Grinsen in den Wangen“, erklärt er nach dem Finale. Der 27-jährige Gestalter hat die Projektleitung bei dieser Ausgabe übernommen. Nach dem Finale fällt alles von ihm ab. „Es hat alles gepasst“, freut er sich. „hört! hört!“ bringe den Landkreis zusammen, das habe sich wieder gezeigt. Dass vier Gemeinden – Lamspringe, Giesen, Holle und Schellerten – nicht dabei waren, hatte je individuelle Gründe, Terminschwierigkeiten oder persönliche Vorfälle bei Bands. Es habe eine große Bereitschaft für den Wettbewerb gegeben. „Ich finde“, sagt Tapp, „jeder Landkreis sollte so was haben.“

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