Alfeld/Röllinghausen - Die Metallgießerei Funke steht rund 14 Monate nach ihrer Insolvenz kurz vor ihrer Rettung und dauerhaften Fortführung. Stimmen die Gläubiger des Unternehmens aus dem Alfelder Ortsteil Röllinghausen dem Konzept von Insolvenzverwalter Ingo Thurm von der Pluta Rechtsanwalts GmbH in Hannover zu, kann der Betrieb weitergehen, obwohl sich kein neuer Investor gefunden hat. Das hat Thurm auf Anfrage der Redaktion angekündigt.
Opfer der Autokrise
Die Metallgießerei Funke hatte Ende Oktober 2024 einen Insolvenzantrag stellen müssen. Ein wesentlicher Grund lag in der Krise der Automobilindustrie, aus der für die Firma wesentliche Kunden stammen. Nach der Insolvenz hatte Verwalter Ingo Thurm vor allem „verzögerte Zahlungen von Kunden sowie durch in der Vergangenheit begründete Kosten, die nicht rasch genug gesenkt werden konnten“ genannt. Die Führung des Unternehmens selbst hatte im Vorfeld alles versucht, um die Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden, sich unter anderem externe Fachleute ins Haus geholt, die bei einer Neuaufstellung der Firma helfen sollten. Es gelang aber nicht mehr, die Insolvenz abzuwenden.
Quote für die Gläubiger
Danach zeigte sich, dass die Kunden offenbar großen Wert auf die Dienste des Röllinghausener Unternehmens legen. Sie erteilten trotz der Insolvenz neue Aufträge und ermöglichten so eine Fortsetzung des Betriebs unter der Ägide des Insolvenzverwalters und seiner Mitstreiter Günther Hahn und Jürgen Schendel. Und zwar auch dann, als das Insolvenzgeld ausgelaufen war und die Firma die Löhne und Gehälter der damals knapp 100 Beschäftigten wieder selbst erwirtschaften musste. Thurm fand auch einige Interessenten für einen Einstieg bei Funke oder eine komplette Übernahme und zeigte sich zwischenzeitlich sehr zuversichtlich, letztlich schlug aber kein Investor zu.
Daraufhin schwenkte der Verwalter auf ein anderes Konzept um. Die bisherigen Gesellschafter sollen die Metallgießerei weiterführen. Damit das klappt, müssen die Gläubiger einer Art Schuldenschnitt zustimmen. Sie bekommen von ihren Außenständen nur das zurück, was die Insolvenzmasse hergibt, also eine sogenannte Quote, die in aller Regel deutlich unter den ursprünglichen Forderungen liegt. Zur Höhe der Quote machte Thurm keine Angaben. Sicher dürfte sein, dass sich diese Variante für die Gläubiger mehr lohnt als eine Einstellung des Betriebs. Die Entscheidung darüber fällt in einer Gläubigerversammlung am 20. Januar.
Mehr Luftfahrt und Rüstung
Insolvenzverwalter Thurm ist nach eigenem Bekunden zuversichtlich, dass die Gläubiger seinem Plan zustimmen werden: „Er stellt die bestmögliche Lösung für das Unternehmen und seine Gläubiger dar und schafft eine solide Grundlage für die weitere Zukunft.“
Ein wesentliches Element dieses Konzeptes ist es, die Metallgießerei Funke von der Kundenstruktur her auf breitere Füße zu stellen und das Engagement zum Beispiel im Luftfahrt- und Rüstungsbereich weiter auszubauen. Dies sei „ein zentrales Element“, so Thurm – und stärke die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens nachhaltig. Entsprechende Ansätze hatten die Firmenchefs auch schon vor der Insolvenz verfolgt, um die Abhängigkeit von der kriselnden Automobilindustrie zu verringern.
Weniger Mitarbeiter
Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei dem Röllinghausener Unternehmen ist seit dem Insolvenzantrag vor 14 Monaten von 98 auf 74 Beschäftigte zurückgegangen. Insolvenzverwalter Thurm betonte aber auf Nachfrage, dass er keine Kündigungen ausgesprochen habe. Offenbar hat sich ein Teil der Belegschaft angesichts der zwischenzeitlich unsicheren Perspektiven anders orientiert.
